Wirtschaft
Die Jagd geht weiter: Die Aussicht auf eine Liquiditätsausweitung seitens der EZB macht es möglich.
Die Jagd geht weiter: Die Aussicht auf eine Liquiditätsausweitung seitens der EZB macht es möglich.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Und morgen fünfstellig?: Dax schließt erstmals über 9900

Lange dürfte es nicht mehr dauern bis der Dax die nächste Tausendermarke knackt. Nur noch knapp 50 Punkte fehlen bis zur magischen Marke. Auf den letzten Metern helfen die US-Börsen. Die Russische Börse schlägt derweil die andere Richtung ein.

Die Rekordjagd am deutschen Aktienmarkt ist am Dienstagnachmittag weitergegangen. Mit der positiven Eröffnung der Wall Street am Nachmittag wurde es noch einmal richtig spannend.

Im Gefolge der positiven US-Börsen schaffte es der deutsche Leitindex Dax bis auf einen Schlussstand von 9940 Punkten. Damit hat der Dax das erste Mal in seiner Geschichte über 9900 Punkten geschlossen

Für den Euro-Stoxx-50 ging es nur um 0,1 Prozent auf 3243 Punkte nach oben, der Index notiert damit aber trotzdem auf dem höchsten Stand seit 6 Jahren.

"Es gibt aktuell keine negativen Nachrichten, die den Dax stoppen könnten", sagte Marktanalyst Arkadius Barczynski vom Brokerhaus GKFX. Händlern zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Dax die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten nimmt.

Der entscheidende Treiber ist weiterhin die Spekulation auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. "Neben den positiv aufgenommenen Wahlresultaten aus EU und der Ukraine, sorgt vor allem die Aussicht auf eine Liquiditätsausweitung seitens der EZB für die derzeit zu beobachtende Gipfeljagd", sagte Gregor Kuhn, Analyst bei IG Markets.

Aufholjagd an den US-Börsen

Die Wall Street holte wie erwartet die freundliche Entwicklung der Börsen in Europa zum Wochenbeginn nach. Die US-Börsen hatten am Vortag, als der Dax 1,3 Prozent zugelegte, feiertagsbedingt geschlossen. In den USA gilt neben der lockeren Geldpolitik die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung als Hauptgrund für die steigenden Kurse.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Montag erneut seine Handlungsbereitschaft im Kampf gegen eine gefährliche Deflationsspirale aus fallenden Preisen und rückläufiger Investitionen unterstrichen. Spekulationen zufolge plant die Notenbank neben einer weiteren Senkung des Leitzinses von derzeit 0,25 Prozent erstmals Strafzinsen für Banken und den Einsatz weiterer Geldspritzen.

Analystenstimme schiebt Infineon an

Schon seit Jahresbeginn wird an den Märkten darauf spekuliert, dass der Dax in den Club der Fünfstelligen aufsteigt. Dort tummeln sich schon der New Yorker Dow-Jones-Index und der japanische Nikkei-Index sowie einige Indizes südeuropäischer Börsen. Der EuroStoxx, der die Kursentwicklung der größten Unternehmen der Euro-Zone widerspiegelt, hinkt dem Dax hinterher. Am Dienstag erreichte er zeitweise mit 3246 Zählern das höchste Niveau seit September 2008. Er ist aber wie der 1896 eingeführte Dow-Jones ein Kurs-Index. Wenn man den Dax als Kursindex berechnet, liegt er nur bei 5119 Zählern.

Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von Infineon, die 3,0 Prozent. Die Aktien des Halbleiter-Herstellers profitierten von einer Kursziel-Erhöhung durch JP Morgan - die Analysten sehen die Titel nun bei zehn statt neun Euro fair bewertet.

Auch bei Henkel sorgte ein Analystenkommentar für Zukäufe: Die Credit Suisse setzte die Aktien hoch auf "Neutral" von "Underperform". Die Titel gewannen 1,0 Prozent.

Am Tag ihrer Hauptversammlung legten die Aktien der Deutschen Post 1,6 Prozent zu. Die Bonner wollen bis 2020 die Weltmarktführung im Paketdienst übernehmen.

Anleger machen bei Versorgern Kasse

Auf der Verliererseite standen mit den Versorgern RWE und Eon die größten Dax-Gewinner der Vorwoche. RWE verloren 0,7 Prozent, Eon 0,1 Prozent - in der vorigen Woche hatten sie neun beziehungsweise 7,5 Prozent zugelegt. Auch bei Daimler machten einige Anleger Kasse, die Aktien landeten am Ende aber wieder auf Vortagesschussniveau.

Das sparsame Siemens-Gebot für Alstom lässt Anleger kalt. Medienberichte, wonach der Industriekonzern weiter die Alstom-Bücher prüft und für die von General Electric (GE) ins Visier genommene Energie-Sparte weniger bieten dürfte als der US-Wettbewerber und als von den Franzosen erhofft, halfen den Aktien von Siemens nicht, sie notierten unverändert.

Methionin-Hoffnungen treiben Evonik

Den Tagesgewinner im MDax stellte die Aktie des Spezialchemie-Unternehmens Evonik, sie legte um 4,3 Prozent zu. Auslöser ist nach Aussage aus dem Handel eine Empfehlung von MainFirst, die auf bessere Preise im Geschäft mit der Aminosäure Methionin hinweist. Sie ist wichtiger Bestandteil der Tierzucht. "Das wäre eine starke Nachricht, weil es die wichtigste Aminosäure für Evonik ist", sagte ein Händler. In Singapur sei dafür vergangenes Jahr eine eigene, neue Fabrik errichtet worden.

Größter TecDax-Gewinner waren mit einem Kursplus von 1,9 Prozent mit Aixtron. Der Anlagenbauer hatte am Montagabend mitgeteilt, dass Finanzchef Wolfgang Breme das Unternehmen zum 31. Mai im gegenseitigen Einvernehmen verlasse. Die Position des Finanzvorstands soll nicht neu besetzt werden, der  Vorstandsvorsitzende Martin Goetzeler werde Bremes Aufgaben übernehmen. "Die Tatsache, dass der Vorstand in Zukunft aus zwei Personen bestehen wird, zeigt, dass Aixtron sein Kostensenkungsprozess fortsetzt", schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer in einem Kommentar.

Im SDax kamen Catoil nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen auf keinen grünen Zweig. Der Ölfeld-Dienstleister hat im ersten Quartal zwar die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen. Der Umsatz sank aber um 8,3 Prozent auf 90,7 Millionen, der Betriebsgewinn um 13,1 Prozent auf 20,9 Millionen. Die Titel gaben 1,9 Prozent nach.

Russische Börse auf Talfahrt

Neue Kämpfe zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee in der Ost-Ukraine haben unterdessen die russischen Aktien auf Talfahrt geschickt. Der RTX fiel um knapp drei Prozent. Zu den größten Verlierern zählte VTB mit einem Kursrückgang um 2,2 Prozent. Der Gewinn des zweitgrößten russischen Geldhauses war wegen der Ukraine-Krise um 98 Prozent eingebrochen.

Vor allem ausländische Investoren verkauften ihre Wertpapiere, sagte Aktienstratege Regis Chatellier von der Societe Generale (SocGen). "Die Leute haben nur darauf gewartet, ihr Russland-Engagement herunterzufahren." Seit Monatsbeginn haben die Moskauer Aktienindizes elf und knapp 16 Prozent zugelegt. Dax und EuroStoxx50 schafften im gleichen Zeitraum gerade einmal einen Anstieg um drei Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent.

Der russische Rubel geriet am Dienstag ebenfalls unter Druck. Er verlor sowohl zum Dollar als auch zum Euro etwa ein halbes Prozent.

Quelle: n-tv.de

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