Wirtschaft
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Große Vorsicht in New York: Dax schließt knapp über 10.200

Die Wall Street liefert dem deutschen Aktienmarkt keinen neuen Rückenwind. Vor der Zinsentscheidung der Fed halten sich Anleger in Deutschland auffallend zurück. Die Verlierer des Tages heißen Eon, RWE und Deutz. Der Ölpreis zieht deutlich an.

Mit leichten Aufschlägen hat sich der deutsche Aktienmarkt aus dem Mittwochshandel verabschiedet: Der Leitindex Dax beendete den Handelstag 0,38 Prozent fester bei 10.227 Punkten. Das Tagestief aus dem Verlauf lag bei 10173,96 Zählern, das Tageshoch aus dem frühen Handel bei 10.336,20. Der Nebenwerte-Index MDax schloss mit einem Plus von 0,97 Prozent auf 19742 Prozent deutlich fester als der Dax. Der Technologiewerte-Index TecDax dagegen gewann 1,07 Prozent auf 1755 Punkte.

Auf Unternehmensebene ging das große Thema des Tages - eine mögliche Mega-Fusion zwischen den größten Bierbrauern der Welt, AB Inbev und SABMiller - mangels vergleichbarer Aktien am deutschen Markt vorbei.

Auf der Verliererseite standen im Dax vor allem die Aktien der großen deutschen Energiekonzerne. Der Kurs der Eon-Papiere brach um 6,4 Prozent ein. Die Aktien von RWE verloren bis zum Abend 4,8 Prozent. Sorgen vor höheren Rückstellungen für den Rückbau der Atomkraftwerke belasten die beiden Titel weiterhin.

Die Kosten für den Atomausstieg könnten die Erträge auffressen, lautet die Befürchtung. Zudem wirkten sich zumindest bei RWE auch Verkäufe von Indexfonds negativ aus: Die Aktien von RWE verlieren am Freitag ihren Platz im einflussreichen Eurostoxx-Index. Versorger galten lange Jahre als sichere Dividendentitel und wurden in der Vergangenheit oft als "Witwen- und Waisenpapiere" bezeichnet.

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Einen Crash von rund 30 Prozent legte die Aktie des Motorenbauers Deutz nach einer kombinierten Umsatz- und Gewinnwarnung hin. Deutz rechnet nun mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent nach zuvor 10 Prozent. Das operative Ergebnis erwartet Deutz nur noch "in etwa ausgeglichen".

Die Aktien von Adidas verbesserten sich um 2,2 Prozent. Händler verwiesen auf Berichte, denenzufolge der Sportartikelhersteller künftig die US-Eishockey-Liga NHL ausrüsten wird. SAP legten um 1,7 Prozent zu, nachdem Analysten von JP Morgan die Aktie zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 65 auf 75 Euro erhöht hatten.

Lufthansa-Aktien kletterten um 0,5 Prozent nach der Ankündigung einer Umstrukturierung. Aus den Maßnahmen soll ein Gewinnbeitrag von bis zu 500 Millionen Euro möglich werden. Im Handel kam der Konzernumbau gut an; er zeige, dass man auf dem Weg sei und die Kosten in den Griff zu bekommen. Lediglich die Unsicherheit über weitere Pilotenstreiks hätten ein höheres Plus der Aktie verhindert, hieß es im Handel.

K+S "stark unterbewertet"

Die Aktien von K+S konnten ihre zeitweiligen Kursgewinne nicht bis in den Abend retten. Der einzige Rohstofftitel im deutschen Leitindex war am Morgen mit der Aussicht auf eine Übernahme bei Anlegern stark gefragt. "Die Übernahmespekulation lebt wieder auf", meinte ein Händler unter Hinweis auf eine Analyse des Bankhauses Lampe. Darin heiße es, der Markt müsse in Kürze mit einem Angebot von Potash rechnen.

Zuletzt war der Kurs stark zurückgekommen: Hintergrund waren Berichte über politischen Widerstand gegen eine Übernahme. "Mit der Spekulation ist der Kurs aber stark unterbewertet", sagte der Händler. Analysten, die auf eine Übernahme spekulieren, richten sich demnach weiterhin auf einen Preis von 41 Euro je Aktie aus. Im Handel notierten die K+S-Aktien zum Handelsschluss mit 33,58 Euro gut 0,1 Prozent im Minus.

Mit teils kräftigen Aufschlägen reagierten die übrigen europäischen Börsen auf die Aussichten auf eine Mega-Fusion zwischen den beiden größten Bierbrauern der Welt. Die Nachricht habe insbesondere bei allen Nahrungs- und Getränkeherstellern für gute Stimmung gesorgt, wie Beobachter erklärten.

Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) will für Konkurrent SAB Miller bieten. SAB bestätigte, dass AB beabsichtige, ein Angebot abzugeben. Konkrete Fakten liegen noch nicht vor. Ein Händler zweifelte die Erfolgsaussichten einer solchen Elefantenhochzeit an: "Das wäre die totale Marktkontrolle in Europa, das Kartellamt dürfte das nicht zulassen". Die Unternehmen seien schließlich die zwei größten Bierbrauer der Welt.

Die Aktien von SAB Miller zogen um fast 20 Prozent an, selbst für AB Inbev ging es um 6,4 Prozent nach oben. Auch die Aktien anderer Bierbrauer zogen deutlich an: Heineken gewannen 3,3 Prozent, Carlsberg 4,7 Prozent. Remy Cointreau und Pernod Ricard stiegen um 5,2 beziehungsweise 2,6 Prozent. Auch Nahrungsmittelhersteller wie Unilever legten um 3,4 Prozent zu. Hier setzten Anleger auf eine Höherbewertung der jeweiligen Getränkesparten. Der Branchen-Index der Nahrungs- und Getränkehersteller stieg um 4,3 Prozent.

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Wird die Zinswende verschoben?

Vor der mit Spannung erwarteten großen Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) starten Börsianer an der Wall Street mit einer leicht positiven Tendenz in den Mittwochshandel. Die Überzeugung, dass die Fed am Donnerstagabend wirklich eine Erhöhung bekannt geben wird, schwindet. Derzeit rechnen einer aktuellen Umfrage zufolge nur noch 46 Prozent der befragten Ökonomen mit einem solchen Schritt - Anfang August waren es noch 82 Prozent.

Die Erwartung einer späteren Zinswende hatte am Vortag für steigende Kurse gesorgt, eine Entwicklung, die sich nun fortsetzt. Der Leitindex Dow Jones Industrial stieg um 0,84 Prozent auf 16.739,95 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,87 Prozent auf 1995,31 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,54 Prozent auf 4383,67 Punkte nach oben.

Auch die vorbörslich veröffentlichten US-Verbraucherpreise für den August setzen kaum Impulse. Diese sind im August gegenüber dem Vormonat gesunken. Vor allem die drastisch gefallenen Ölpreise verursachten den ersten Rückgang seit Januar. So sanken die Preise für die Güter des täglichen Bedarfs um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Hier hatten Ökonomen mit einer Stagnation gerechnet. Für die Kernteuerung, welche die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel außen vor lässt, wurde ein Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gemeldet. Das entsprach in etwa den Prognosen von Volkswirten.

Asien überwindet den Fed-Schreck

Die starken US-Vorgaben lösen an den ostasiatischen Aktienmärkten eine breite Erholung aus, die aber von Börse zu Börse unterschiedlich ausfällt. Besonders deutlich geht es in Seoul nach oben, wo der Leitindex Kospi 2,1 Prozent gewinnt. Auftrieb erhält die Stimmung von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Südkorea am Dienstag eine bessere Bonitätsnote gegeben hat. Die Hochstufung erfolgte allerdings erst, als die Börse in Seoul schon geschlossen war, weshalb Anleger erst heute darauf reagieren können.

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In der ganzen Region scheint die am Donnerstag anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank ihren Schrecken verloren zu haben. Am Vorabend hat sich nach asiatischer Lesart an der Wall Street die Überzeugung durchgesetzt, dass die Fed die Zinswende verschieben wird. Nicht zuletzt enttäuschende Daten zur Industrieproduktion in den USA bestärkten auch asiatische Analysten in dieser Ansicht.

In Tokio ging der Nikkei-Index mit einem Plus von knapp 0,81 Prozent bei 18.172 Punkten aus dem Handel. Für Auftrieb sorgten hier vor allem bei japanischen Exportfirmen die gestiegenen US-Einzelhandelsumsätze. Mit der möglichen Zinserhöhung in den USA hätten sich Investoren mittlerweile abgefunden, sagten Händler. Australische Aktien gewannen 1,5 Prozent.

Starke Pendelbewegung in China

Die Aktienmärkte in China konnten sich Mitte der Woche kräftig erholen: Der Composite-Index in Shanghai beendete den Handelstag 4,9 Prozent fester bei 3152,26 Punkten. Der Component-Index in Shenzhen legte sogar um 6,45 Prozent auf 9890,43 Punkte zu. Der Index für Technologie- und Wachstumswerte ChiNext kletterte um starke 7,16 Prozent und ging bei einem Stand von 1928,25 Punkten aus dem Handel.

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Die Berg- und Talfahrt an Chinas Aktienmärkten setzt sich damit fort, kommentierten Marktbeobachter die Entwicklung. In den vergangenen drei Monaten hatte der Leitindex in Shanghai rund 40 Prozent an Wert verloren. Zwischenzeitlich gab es aber auch immer wieder starke Ausschläge nach oben.

Die Regierung in Peking bemüht sich weiter, nach den heftigen Turbulenzen an den Börsen des Landes das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Jüngste Maßnahme war die Verhaftung einiger hochrangiger Manager des größten chinesischen Wertpapierhandelshauses, CITIC Securities. Sie werden des Insiderhandels verdächtigt.

Devisen: Euro gibt leicht nach

Die Lage am Devisenmarkt bleibt vor der Fed-Entscheidung überschaubar. Die Anleger halten sich vor der Ansage von Fed-Chefin Janet Yellen zurück, erklärten Händler. Der Kurs des Euro ist zur Wochenmitte gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1228 (Dienstag: 1,1320) US-Dollar fest.

Der Dollar kostete damit 0,8906 (0,8834) Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,72665 (0,73460) britische Pfund, 135,45 (135,44) japanische Yen und 1,0943 (1,0971) Schweizer Franken fest.

Rohstoffe: Lagerdaten befeuern Öl

Die Ölpreise steigen deutlich.  Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI legt um 2,4 Prozent auf 45,70 Dollar zu. Für Brent geht es um 2,2 Prozent auf 49,67 Dollar nach oben.

Der Markt reagierte damit Händlern zufolge auf die Rohöllagerbestände aus den USA. Analysten hatten laut einer Umfrage einen Anstieg der Vorräte um zwei Millionen Barrel prognostiziert. Laut dem American Petroleum Institute (API) gingen die Öl-Bestände jedoch um 3,1 Millionen Barrel zurück. Der überraschende Rückgang der US-Reserven deutet auf eine sprunghaft ansteigende Nachfrage hin.

Bei Commerzbank sprachen Analysten von einem "Silberstreif am Horizont": Die mittlerweile deutlich fallende US-Produktion sollte zum Abbau des Überangebots in den USA beitragen, hieß es. Die Stimmung bleibe insgesamt allerdings angeschlagen, sagten Marktteilnehmer. Investoren sorgten sich weiter wegen des generellen weltweiten Überangebotes und einer schwächelnden Nachfrage aus Asien.

Auch der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed wirft am Rohstoffmarkt seine Schatten voraus. Sollten die Zinsen am Donnerstag angehoben werden, würde das sehr wahrscheinlich den US-Dollar antreiben. Das wiederum macht ein Engagement bei in Dollar notierten Rohstoffen für Anleger aus anderen Währungsräumen teurer.

Quelle: n-tv.de

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