Wirtschaft
Dünner Handel mit alten Sorgen.
Dünner Handel mit alten Sorgen.(Foto: REUTERS)

Das Unerwartete wird eingepreist: Dax schließt leichter

Der deutsche Aktienmarkt dümpelt bei einem typischen Feiertagshandel mit dünnen Umsätzen lange Zeit seitwärts. Dann sorgen der Terminmarkt und die andauernde Negativserie der Wall Street für Abgabedruck. Anleger beginnen, sich auf eine länger andauernde Patt-Situation in den USA einzustellen.

Mit der Eröffnung der US-Börsen  bricht am deutschen Aktienmarkt der Widerstand gegen das Minus. Bis dahin pendelten die Indizes um die Schlusskurse des Vortages. Doch dann drehten sie ins Minus. Letztlich verlor der Dax im ansonsten ruhigen Feiertagshandel 0,4 Prozent auf 8598 Zähler. Der Der MDax mittelgroßer Werte büßt 0,1 Prozent auf 15.113 Stellen ein. Der TecDax sinkt um ebenfalls um 0,1 Prozent auf 1094 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sinkt sogar um 0,6 Prozent auf 2901 Punkte..

Ohnehin bleibt der Haushaltsstreit in den Staaten an den Märkten das dominierende Thema, wie Börsianer sagten. "Die Vorstellung, dass die weltgrößte Volkswirtschaft zahlungsunfähig wird, scheint absurd", sagte ein Händler. "Aber Investoren fangen an, das Unerwartete einzupreisen."

IWF erhebt die Stimme

Im Streit um den US-Haushalt blieben die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern auch am dritten Tag des "Government Shutdown" verhärtet. Auch ein Spitzentreffen im Weißen Haus am Mittwoch hatte keine Annäherung gebracht. Die US-Parlamentarier haben noch bis Mitte Oktober Zeit, eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar beschließen, sonst droht der weltgrößten Volkswirtschaft die Zahlungsunfähigkeit. Der IWF warnte inzwischen vor spürbaren Rückschlägen für die Weltwirtschaft, für die US-Notenbank dürfte zudem die Gestaltung der Geldpolitik noch schwieriger werden.

An der Wall Street lag der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Europa 0,8 Prozent niedriger, die Technologiebörse Nasdaq büßte ebenfalls 0,8 Prozent ein. Zwar hofften die meisten Börsianer wie bei den vorangegangenen Diskussionen um die Anhebung der Schuldengrenze auf einen Kompromiss in letzter Minute, einige Händler begannen jedoch daran zu zweifeln. Als Grund nannten sie pessimistische Aussagen des US-Präsidenten Barack Obama. Dieser hat am Nachmittag die Republikaner angegriffen und ihnen vorgeworfen, wegen ihrer Ablehnung der Gesundheitsreform eine Einigung zu verhindern.

Zudem hatte Obama gewarnt, diese Auseinandersetzung sei nicht das übliche politische Haushaltsgerangel. Das habe an den Märkten für die Befürchtung gesorgt, bei den heraufziehenden Verhandlungen um die Schuldenobergrenze könne es tatsächlich zu einem teilweisen Zahlungsausfall kommen, sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Für diesen Fall warnte zudem das Finanzministerium in Washington vor der größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Anleger hielten sich mit riskanten Investitionen daher zurück.

K + S ziehen an

Im Dax beendeten Commerzbank den Tag mit den größten Verlusten. Die Papiere verbilligten sich um 2,1 Prozent auf 8,74 Euro. Lanxess und Volkswagen gingen 1,8 und 1,7 Prozent leichter aus dem Handel.

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Am anderen Ende verteuerten sich K + S um 2,8 Prozent auf 19,15 Euro. Anleger hofften auf eine Neuauflage des russisch-weißrussischen Kali-Konsortiums und auf steigende Preise für den Düngemittel-Rohstoff, sagten Börsianer. Auslöser für die Spekulationen sei ein Bericht des "Wall Street Journal", demzufolge ein Großteil des russischen Konzerns Uralkali, der gemeinsam mit der weißrussischen BPC ein Export-Kartell gebildet hatte, verkauft werden soll.

Adidas verteuerten sich um 1,3 Prozent. Daimler stiegen im Sog von Berichten über glänzende September-Absatzzahlen um 0,7 Prozent.

Hochtief atmen etwas durch

In der zweiten Reihe verbuchten Klöckner + Co die größten Abschläge. Der Titel sank um 2,3 Prozent auf 9,97 Euro. Gerresheimer verbilligten sich um 2,0 Prozent. RTL verlieren 1,5 Prozent. Großaktionär Bertelsmann hat seinen Bestand an RTL-Aktien um zwei Millionen Anteilscheine verringert, und fand dabei ohne den üblichen Platzierungsabschlag neue Käufer. Nach dem Verkauf hält Bertelsmann mit 75,1 Prozent immer noch eine satte Mehrheit an der Fernsehgruppe.

Gesucht waren dagegen Hochtief, die sich weiter erholten un 2,3 Prozent auf 61,60 Euro zulegten. Die Papiere waren am Vortag wegen australischer Medienberichte zu mutmaßlicher Korruption bei der Tochter Leighton schwer in Mitleidenschaft geraten und hatten knapp acht Prozent verloren. Wacker Chemie verteuern sich um 1,1 Prozent.

Im TecDax fielen Nordex um 4,1 Prozent auf 11,57 Euro zurück. ADVA ermäßigten sich um 1,9 Prozent auf 4,65 Euro. fest gingen dagegen unter anderem Telefonica aus dem Handel, die 2,1 Prozent kletterten.

Auf europäischer Ebene vermochten sich die Titel des Ölkonzerns BP dem Negativtrend zu entziehen. Der Konzern hat einen juristischen Teilerfolg im Streit um milliardenschwere Entschädigungszahlungen wegen der Ölpest von 2010 erzielt, die Aktien stiegen um 1,1 Prozent.

Telecom Italia gewannen an der Mailänder Börse 1,7 Prozent. Chairman Franco Bernabe ist wie erwartet zurückgetreten. Börsianer hofften nun, dass eine Kapitalerhöhung des hochverschuldeten Konzerns vermieden wird.

Quelle: n-tv.de

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