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Ölpreise im freien Fall: Dax schließt mit 250-Punkte-Einbruch

10.600, 10.500, 10.400, 10.300 … Von einer vorweihnachtlich-besinnlichen Stimmung ist am deutschen Aktienmarkt nichts zu spüren. Stattdessen nimmt der Abgabedruck stetig zu, die Anleger werden immer nervöser. Das dicke Ende kommt erst noch.

Nach einem fulminanten Start in die Handelswoche ist diese mit einem negativen Paukenschlag zu Ende gegangen. Weiter sinkende Ölpreise, ein wieder erstarkender Euro, die anstehende Zinserhöhung in den USA und charttechnische Hiobsbotschaften: Kauflaune wollte da nicht aufkommen. Ein Händler sprach stattdessen von einem schlechten Sentiment und einem Käuferstreik vor der Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in der kommenden Woche. Verkaufsorders seien auf nur geringen Widerstand im Markt gestoßen, sagte er. Die Bullen verwiesen hingegen darauf, dass die Weihnachtsrally erst am 15. Dezember starten werde.

Der Dax schloss nach einem Tag im ständigen Abwärtssog mit einem Abschlag von 2,4 Prozent und 10.340 Punkten. Dabei rauschte der Index gleich durch mehrere charttechnisch wichtige Unterstützungen wie das Messer durch die Butter. Sein Tagestief markierte er bei 10.294 Punkten, das Tageshoch lag mit 10.596 Zählern mehr als 300 Stellen darüber. Der MDax büßte 2,3 Prozent auf 20.197 Zähler ein. Der TecDax, dem am Donnerstag der Aixtron-Kursrutsch zugesetzt hatte, verabschiedete sich 1,6 Prozent tiefer und mit 1767 Stellen ins Wochenende.

Augen auf die Fed

Niemand wollte von der geldpolitischen Entscheidung der US-Währungshüter auf dem falschen Fuß erwischt werden. "Steigende Zinsen sind eine Konkurrenz für Aktien", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Viele Anleger halten die Füße still." Der Fall wichtiger charttechnischer Marken habe den Abgabedruck immer weiter erhöht, erläuterte sie.

Mehr oder weniger wie erwartet waren die US-Einzelhandelsumsätze und die Erzeugerpreise ausgefallen. Insofern gebe es keinen Grund, sich Sorgen um die konjunkturelle Dynamik zu machen, hob Marktstratege Ulrich Wortberg von der Helaba hervor. Einfluss auf die Fed-Sitzung nächste Woche haben die Zahlen nicht, eine Erhöhung der Zinsen gilt für Wortberg als sicher. 

Rohstoffe: Preisrutsch bei Öl geht weiter 

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Belastend wirkte wieder einmal die Situation beim Ölpreis. Am späten Abend wurde ein Fass der europäischen Referenzsorte Brent mit 38,27 Dollar gehandelt - ein Abschlag von 4,0 Prozent zum Donnerstag und ein Mehrjahrestief. WTI kostete 2,7 Prozent weniger: 37,20 Dollar je Barrel.

Die Internationale Energieagentur (IEA) teilte in ihrem monatlichen Ausblick mit, dass sich mittelfristig an der Ölschwemme nichts ändern werde."Unternehmen stutzen ihre Investitionspläne in Reaktion auf Ölpreise unter der 50-Dollar-Marke, die Auswirkungen auf die Versorgung dürften längerfristig daher etwas ausgeprägter sein", so die Agentur.

Der Ölpreis hatte nach dem Opec-Treffen, auf dem keine Einigung zu einer Senkung der Förderquoten erzielt worden war, die Abwärtsbewegung wieder verstärkt aufgenommen. Am Donnerstag meldete das Erdölkartell erneut einen Anstieg der monatlichen Produktion.

Devisen: Euro bei 1,10

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Der Euro drückte ebenfalls auf die Kurse. Die Gemeinschaftswährung kämpfte sich wieder an die 1,10er Marke heran. Sie notierte am späten Abend bei 1,0994 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,0950 Dollar fest nach 1,0943 Dollar am Donnerstag und 1,0941 Dollar zur Wochenmitte.

Die deutschen Verbraucherpreise waren im November um 0,4 Prozent gestiegen. Verglichen mit den Monaten zuvor hatte sich die Inflationsrate zwar etwas erhöht. Dennoch blieb die Teuerungsrate in Deutschland wie auch andernorts in der Eurozone weit von der EZB-Zielrate von zwei Prozent entfernt. Ob die EZB im Kampf gegen die niedrige Teuerungsrate ihre Geldpolitik künftig noch weiter lockern wird, ist laut Experten allerdings fraglich.

Dax: Was passiert bei RWE?

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Bei den Einzelwerten schauten die Anleger unter anderem auf RWE. Hier bewegte die Absegnung der geplanten Aufspaltung des Konzerns in zwei Großbereiche durch den Aufsichtsrar. Die Aufspaltung sei eingepreist, hieß es im Handel. Dem allgemeinen Abwärtssog konnten sich deshalb auch die RWE-Titel nicht entziehen. Sie verloren rund 2 Prozent.

VW-Titel gaben mehr als 3 Prozent ab. Am Donnerstag waren sie zwischenzeitlich auf ein Mehrwochenhoch geklettert, hatten aber auch eine regelrechte Berg- und Talfahrt hingelegt. Am Markt scheint man sich derzeit nicht einig zu sein, ob aufgrund der Abgasskandale und deren milliardenschweren Folgen das Unternehmen auf dem derzeitigen Niveau fair bewertet ist.

Lufthansa büßten mehr als 2 Prozent ein. Hier sorgten Angaben zu den Streikkosten aus 2014 und 2015 für Verstimmung. Konzernchef Carsten Spohr bezifferte diese gegenüber dem "Tagesspiegel" auf eine halbe Milliarde Euro.

MDax: Aurubis-Kurs bricht ein

Im MDax standen Aurubis unter Abgabedruck. Die Geschäftszahlen seien durch die Bank unter den Erwartungen ausgefallen, sagten Marktteilnehmer. Hinzu komme ein zurückhaltender Ausblick: Aurubis erwartet, dass das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2015/16 deutlich sinken wird. Die Aurubis-Aktie hatte seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent zugelegt - nun ging es rund 19 Prozent nach unten.

Nicht nur das Aurubis-Papier selbst, sondern auch die Salzgitter-Aktien reagierten mit Verlusten auf die schwächer als erhofft ausgefallenen Aurubis-Geschäftszahlen. Händler verwiesen auf die Tatsache, dass der Stahlkonzern mit 25 Prozent an Aurubis beteiligt ist. Salzgitter gaben fast 7 Prozent nach,

TecDax: Aixtron findet Boden

Nach dem historischen Kursrutsch von 41 Prozent am Donnerstag fingen sich die Titel von Aixtron. Zwar lagen sie zwischenzeitlich auch im Minus, am Ende stand aber ein Plus von rund einem halben Prozent in den Handelsbüchern.

USA: Wall Street schlecht geölt

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Die Ölpreise drückten auch die Wall Street kräftig nach unten. Der Dow-Jones-Index verlor 1,8 Prozent und schloss bei 17.264 Punkte. Der S&P-500 rutschte um 1,9 Prozent auf 2012 Zähler ab. Der Nasdaq Composite ging um 2,2 Prozent auf 4933 Stellen runter.

Im Unternehmensbereich stand erneut die Fusion der Chemie-Konzerne DuPont und Dow Chemical im Blick. Von ihrer "Fusion unter Gleichen" versprechen sich die beiden US-Konzerne Kostensynergien im Volumen von 3 Milliarden Dollar sowie etwa eine weitere Milliarde Dollar an Wachstumssynergien. Das Unternehmen mit dem neuen Namen DowDupont käme auf eine Marktkapitalisierung von etwa 130 Milliarden Dollar. Dow Chemical gaben 3,5 Prozent nach, DuPont fielen um 5,8 Prozent. Beide Aktien hatten im Zuge der Spekulationen zur Wochenmitte rund 12 Prozent gewonnen.

Adobe machten gut ausgefallene Geschäftszahlen Beine. Bereinigtes Ergebnis und Umsatz lagen am oberen Rand der ausgegebenen Prognose-Spanne und auch über den Konsensschätzungen. Für die Aktie ging es dennoch um 2,8 Prozent nach unten.

Asien: Uneinheitliches Bild

An den asiatischen Aktienmärkten ging es für die Leitbörsen zum Wochenschluss in verschiedene Richtungen. Der chinesische Shanghai Composite gab 0,6 Prozent auf 3435 Punkte nach. Belastet wirkten unter anderem die Aussetzungen der verschiedenen Fosun-Aktien. Hintergrund ist das Verschwinden von Chairman Guo Guangchang. Die Fosun Group stellt einen der größten Mischkonzerne Chinas und zugleich das größte nicht-staatliche Konglomerat des Landes. Fuson ist unter anderem Eigentümer der Frankfurter Bank Hauck & Aufhäuser sowie Großaktionär der Bekleidungskette Tom Tailor.

Der Tokioter Nikkei-Index verbesserte sich dagegen um 1 Prozent auf 19 230 Zähler. Der breiter gefasste Topix stieg 0,6 Prozent auf 1550 Punkte.

Rohstoffe: Industriemetalle gefragt

Nicht nur beim Öl, auch bei der Preisentwicklung der Industriemetalle zeigte sich die Nervosität der Investoren vor der anstehenden Fed-Sitzung. Anleger, die auf weitere Kursverluste gewettet haben, deckten sich mit Kupfer & Co. ein, um von der Zinsentscheidung nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Kupfer, Zink und Nickel verteuerten sich an der Metallbörse LME zeitweise um bis zu 3 Prozent.

Zu viele Leute hätten sich für eine Fortsetzung des Preisverfalls positioniert, sagte Analyst Ed Meir vom Rohstoff-Broker Intl FC Stone. Die aktuelle Gegenreaktion werde aber nur von kurzer Dauer sein. Wegen eines Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage sind die Preise für zahlreiche Rohstoffe seit Monaten auf Talfahrt.

Der Goldpreis konnte nach anfänglichen Verlusten leicht zulegen. Eine Feinunze kostete am Abend 1077 Dollar und damit etwa 0,5 Prozent mehr als am Donnerstagabend. Auch hier behielten die Investoren die Fed-Sitzung im Hinterkopf. Zum einen verliert Gold mit steigenden Zinsen deutlicher an Attraktivität, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Zum anderen könnte ein im Anschluss an die Entscheidung der US-Notenbank steigender Dollar das Sentiment belasten.

Quelle: n-tv.de

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