Wirtschaft
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Ifo-Sog mit Verzögerung: Dax schließt mit Gewinnen

Lange rätseln die Anleger: Die Wirtschaft hebt den Daumen - und der Leitindex zieht sich zurück. Doch dann überspringt er die 9200 Punkte. Leiden müssen weiter die Anleger von Südzucker. Zudem wirken sich die Koalitionsverhandlungen aus.

Der deutsche Aktienmarkt verabschiedet sich mit Gewinnen ins Wochenende. Erst am Nachmittag drehten die Börsen ins Plus. Zuvor war der überraschend gute Ifo-Index zur Verblüffung etlicher Analysten scheinbar unbeachtet geblieben.

Unter dem Strich verbuchte der Dax am letzten Tag ein Plus von 0,3 Prozent auf 9219 Punkte. Der MDax stieg ebenso um 0,3 Prozent auf 16.149 Stellen. Der TecDax schloss unverändert bei 1136 Zählern. Der EuroStoxx 50 kletterte sogar um 0,4 Prozent auf 3056 Punkte.

Zuvor hatte der Markt auch solide BIP-Daten ignoriert. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg auf 109,3 von 107,4 Punkten, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem leichten Anstieg auf 107,7 Zähler gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft blickt zuversichtlich auf die kommenden Wintermonate", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Anleger agierten so gelassen wie schon seit Jahren nicht mehr. Der europäische Volatilitäts-Index fiel im Handelsverlauf zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2007. Trotz der monatelangen Rally an den globalen Aktienmärkten sehen Strategen noch weiter Luft nach oben. "Es scheint, als würden jegliche Gewinnmitnahmen sofort von denjenigen genutzt, die die Rally bislang verpasst haben und zum Jahresende nicht mit leeren Händen dastehen wollen", sagte Analyst Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Lufthansa erhalten Auftrieb

Im Dax schlossen Continental als Tagesgewinner. Die Papiere zogen 2,2 Prozent auf 150,35 Euro an.. Beim Autozulieferer entwickelt sich die Sparte Fahrerassistenzsysteme unerwartet gut. RWE kletterten um 1,4 Prozent auf 28,78 Euro. Daneben gingen Deutsche Bank und Siemens fester aus dem Handel.

Lufthansa kletterten um 0,5 Prozent auf 15,78 Euro. Einem Pressebericht zufolge ist eine Abschaffung der 2011 eingeführten Flugverkehrssteuer Gegenstand der Koalitionsverhandlungen. Credit Suisse (CS) zufolge würden die deutschen Fluggesellschaften hierdurch deutlich entlastet. Die Flugverkehrssteuer koste die Lufthansa derzeit jährlich über 300 Millionen Euro. Nach Berechnung der Experten entspräche jede Nachfrageerholung im Zuge sinkender Preise um zehn Prozent nach Wegfall der Steuer einem Plus beim operativen Ergebnis der Lufthansa von rund 30 Millionen Euro.

Auf den Verkaufslisten standen Lanxess ganz oben und büßen 2,6 Prozent auf 47,22 Euro ein. Für JP Morgan geben die Drittquartalsergebnisse des europäischen Chemiesektors Anlass zur Zurückhaltung. Bei einer Reihe von Unternehmen sei der Gewinn im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgegangen, und es sei zu Senkungen der Gesamtjahresprognose gekommen. Die Analysten sind weiterhin skeptisch bezüglich Hoffnungen, dass es 2014/15 zu einer Erholung in Europa kommen wird. BASF sanken um 0,1 Prozent.

Chart

Eon verloren 0,5 Prozent. Die Commerzbank geht für Den Energieriesen von einem auch mittelfristig schwierigen Marktumfeld aus. Einige Händler schlossen mit Blick auf das RWE-Plus eine schnelle Rückkehr auf einen Erholungskurs nicht aus. "Übergeordnet sehen wir bei den Versorgern aber eher Zuflüsse", sagte ein Händler. Das sollte die Kurse Richtung Jahresende weiter nach oben treiben. Auch europaweit verbessern sich die Titel, wie die laut Marktanalysten weit fortgeschrittene Bodenbildung bei Enel zeigt.

Rhön-Klinikum tragen rote Laterne

In der zweiten Reihe waren unter anderem Medientitel gesucht: So kletterten Sky nach den Verlusten zuletzt um 3,9 Prozent auf 7,46 Euro. P7S1 verteuerten sich um 2,3, Axel Springer um 1,4 und RTL um 1,1 Prozent. Der Index der Medienwerte zieht um 0,8 Prozent an - angetrieben von Vivendi.

Dazwischen schoben sich unter anderem Tui und legten 1,2 Prozent auf 10,43 Euro zu. Großaktionär und Reeder John Fredriksen hat laut Medienberichten seine Beteiligung an Tui von 15 auf mehr als 20 Prozent aufgestockt. Gleichzeitig hat Fredriksen laut Händlern seinen Anteil von 5,4 Prozent am britischen Reiseveranstalter TUI Travel an der Börse verkauft.

Bitter verlief der Tag erneut für Südzucker. Die Papiere blieben im freien Fall und verbilligten sich um weitere 7,9 Prozent auf inzwischen 19,15 Euro.. Nach der Gewinnwarnung senkten etliche Analysten das Kursziel deutlich.

Rhön-Klinikum verlieren 3,3 Prozent auf 20,45 Euro. Der Konzern leidet unter der Klage gegen die Verkaufspläne von Rhön-Krankenhäusern. Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Krankenhauszulieferer B. Braun eine Klage gegen die geplante Übernahme von zahlreichen Rhön-Krankenhäusern durch Fresenius eingereicht hat. Der Schritt käme nicht überraschend, urteilte Equinet-Analyst Konrad Lieder. Überraschend sei nur, dass es so lange gedauert habe. Der Analyst räumt der Klage aber wenig Erfolgschancen ein.

Fraport fallen um 1,4 Prozent auf 52,50 Euro zurück. Die hessische CDU wird nach Angaben von SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel den Grünen ein Angebot zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen machen. Börsianern zufolge fürchten Investoren, dass die Regierungsbeteiligung der Grünen eine Ausweitung des Nachtflugverbots zur Folge haben könnte.

Quelle: n-tv.de

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