Wirtschaft
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Wochengewinn ist futsch: Dax schließt mit Verlusten

Zunächst zeigt der deutsche Aktienmarkt keine Reaktion auf die neuesten Daten vom US-Arbeitsmarkt. Am Nachmittag jedoch lassen die Kurse kräftig nach. Auch die Berichtssaison sorgt weiter für Wirbel.

Den gesamten Wochengewinn gab der Dax am Freitag wieder ab. Der US-Arbeitsmarktbericht für den Oktober lieferte unter dem Strich zunächst nur wenige Impulse. Die Wall Street reagiert jedoch weitaus empfindlicher auf die Daten: Der Dow-Jones-Index eröffnete im Minus - in der Folge ging es auch mit den deutschen Titeln nach unten. Ein Marktteilnehmer verwies auf die Aussagen von Fed-Governor Charles Evans. Der zu den "Tauben" zählende Evans sieht eine Stabilisierung am Arbeitsmarkt und ein US-Wirtschaftswachstum von 3 Prozent in den kommenden 18 Monaten. "Damit steigt die Sorge, dass die Fed eher früher die Zinsen anhebt", so der Händler.

Der Dax schloss 0,9 Prozent tiefer bei 9292 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor 0,2 Prozent auf 16.210 Punkte, der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,3 Prozent auf 1256 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,2 Prozent.

In den USA war die Arbeitslosenquote im Oktober überraschend auf 5,8 Prozent gefallen. Größere Sorgen über einen früher als bisher erwarteten Leitzins-Anstieg in den USA scheinen die Daten bei den Investoren nicht geweckt zu haben - derartige Bedenken hatten in den vergangenen Monaten immer wieder zu Kursverlusten geführt.

Aus konjunktureller Sicht bleibe der US-Arbeitsmarkt eine wahre Freude, kommentierte Volkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Da aber angesichts des jüngsten Ölpreis-Rückgangs wenig für einen nennenswerten Inflationsdruck in den kommenden Monaten spreche, könne die US-Notenbank einer robusten Wirtschaftsentwicklung zunächst gelassen zuschauen.

Allianz spurten an die Dax-Spitze

Bei den Unternehmen stand die Allianz im Rampenlicht. Der Versicherer gab einen Quartalsgewinn leicht über den Erwartungen bekannt und kündigte eine Anhebung der Ausschüttungsquote an. Dies verhalf der Aktie zu einem Kursplus von 3,6 Prozent - sie landete damit mit weitem Abstand an der Spitze des Dax. Zulegen konnten auch die Aktien von Adidas, die mit einem Plus von 0,8 Prozent zweitbester Wert waren. Erleichterung über einen weniger starken Gewinnrückgang als befürchtet hatte den Titeln des Sportartikelherstellers bereits am Donnerstag zu einem Plus von 4,0 Prozent verholfen.

Beim Chemiekonzern Lanxess hingegen setzt sich die Talfahrt nach dramatischen Verlusten vom Vortag weiter fort: Die Titel schlossen mit Minus von 3,5 Prozent und liegen ganz am Ende der Dax-Werte. Im Handel ist von Anschlussverkäufen die Rede. Außerdem setzte sich die Reihe gesenkter Kursziele für die Aktie fort, zuletzt durch die Credit Suisse. Im Handel hieß es, dass es noch eine Weile dauern werde, bis sich die Restrukturierungen in harten Zahlen widerspiegelten. Der Chemiekonzern hatte die Aktionäre am Donnerstag auf einen Verlust im laufenden Jahr eingestimmt, woraufhin der Kurs um sieben Prozent eingebrochen war.

Stahlwerte profitierten leicht davon, dass ArcelorMittal mit guten Quartalszahlen und einem positiven Ausblick aufwartete. ThyssenKrupp schlossen 0,5 Prozent im Plus, auch Salzgitter legten im MDax um 1,7 Prozent ordentlich zu.

MSCI-Änderungen sorgen für Turbulenzen

Für starke Kursbewegungen sorgt die neue Zusammensetzung des viel beachteten MSCI-Deutschland-Index. Deutsche Annington sprangen um 2,9 Prozent und Symrise stiegen um 1,8 Prozent; beide werden wie erwartet in den Index aufgenommen. Dafür müssen Sky Deutschland etwas überraschend gehen - die Aktie büßte 2,1 Prozent ein. Auch Hochtief verlassen den MSCI, die Aktie verlor in der Folge ebenfalls deutlich - um 3,4 Prozent. Sie waren damit Schlusslicht im MDax.

Als Gründe für die deutlichen Kursreaktionen machen Beobachter zum einen die geringere Liquidität der Nebenwerte-Aktien im Vergleich zu Dax-Titeln aus. Die Folge seien dann vergleichsweise stärkere Bewegungen in die eine oder andere Richtung. Zum anderen verweisen Händler darauf, dass Änderungen in den MSCI-Indizes bei den Anlegern im Vorfeld weniger Beachtung fänden als sich abzeichnende Veränderungen in den regionalen Indizes, allen voran im Dax. So gesehen sei das Überraschungspotenzial größer. Die Änderungen werden am 25. November wirksam.

Puma-Aktien sind nach Bilanz gefragt

Im TecDax schlossen Freenet nach anfänglichen Gewinnen nahezu unverändert. Händler sprachen jedoch von einem starken Geschäftsbericht. Nicht nur lägen die Umsätze und die Ertragsseite über den Erwartungen, auch der Freie Cashflow (FCF) und der Durchschnittsumsatz je Kunde (ARPU) hätten sich besser als geschätzt entwickelt. Der FCF sichere die Dividende ab.

Im SDax legten Puma nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts um 5,5 Prozent zu. Zwar steckt der Sportartikelhersteller im Tief, aber im Gesamtjahr soll es für wieder aufwärts gehen. Der Gewinn ist im dritten Quartal auch wegen hoher Werbeausgaben um fast die Hälfte eingebrochen - Konzernchef Björn Gulden sieht aber erste Erfolge der Neuausrichtung des kriselnden Unternehmens.

Die Beteiligungsgesellschaft Tocos legte ein Übernahmeangebot für den Hamburger Weinhändler Hawesko vor. 40 Euro je Aktie ist dem Unternehmer Hawesko wert, das ist allerdings nur ein kleiner Aufschlag von 5 Prozent auf den Schlusskurs am Donnerstag. Der Angebotspreis entsspricht einem Gesamtvolumen von insgesamt 253 Millionen Euro. Die Hawesko-Aktie gewann um 8,2 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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