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Wall Street notiert knapp im Plus: Dax schließt nach Achterbahnfahrt im Minus

Kräftig unter Druck gerät der deutsche Aktienmarkt mit einem deutlich steigenden Euro. Der ist nicht gut für die Unternehmensgewinne und drückt daher viele Titel ins Minus. Nach einem neuen Jahrestief fällt der Verlust für den Dax am Ende jedoch glimpflich aus.

Ein ziemliches Auf und Ab legte der Dax am vorletzten Handelstag der Woche hin, um am Ende mit leichten Verlusten aus dem Handel zu gehen. Nach anfänglichen Gewinnen gab es am Nachmittag einen Druchhänger und der deutsche Leitindex sackte mit 9270 Punkten auf den tiefsten Stand seit Ende 2014. Nach einer positiven Startphase der Wall Street gab es wieder einen Abstecher in die Gewinnzone. Am Ende blieb aber ein Minus von 0,4 Prozent auf 9393 Punkte.

"Der Kursrückgang am Aktienmarkt geht sicher auch auf den festen Euro zurück", sagte ein Händler. Die europäische Gemeinschaftswährung hatte zuvor seine Aufwärtsbewegung fortgesetzt und war zwischenzeitlich bis auf 1,1239 Dollar geklettert. Das war der höchste Stand seit Oktober 2015. Allerdings konnte der Euro dieses Niveau nicht behaupten und sank wieder unter 1,12 Dollar.

Wie es zu dieser Bewegung kam? Im Devisenhandel wird mehr und mehr die Zinserhöhungsfantasie im Dollar-Raum ausgepreist. Beobachter verwiesen auf die enttäuschenden Einkaufsmanagerindizes für den US-Dienstleistungssektor am Vortag. Diese hätten Spekulationen angeheizt, dass die Federal Reserve nicht schon im März das nächste Mal die Zinsen erhöht.

Auch ist die US-Produktivität im vierten Quartal mit minus 3 Prozent deutlich schwächer als die erwarteten minus 2 Prozent ausgefallen. Die US-Daten haben zuletzt enttäuscht und Ängste vor einer möglichen Rezession in den USA geschürt, hieß es. Auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen höher als erwartet aus. Das ist keine positive Indikation für den am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktbericht für Januar.

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Die laufende Berichtssaison sorgte für teils kräftige Kursbewegungen bei den Unternehmen, die Geschäftszahlen vorlegten. Dabei standen die Banken besonders im Fokus, deren Sektor seit Jahresanfang den größten Verlierer in Europa stellt. Am Morgen überraschte zunächst die schweizerische Credit Suisse mit einem hohen Verlust. Die Aktie brach daraufhin um bis zu 12 Prozent ein und fiel auf den tiefsten Stand seit 24 Jahren. Am Ende blieb ein Minus von 11 Prozent.

Der zuletzt schwer gebeutelte Branchenindex der Banken erholte sich hingegen um 2,8 Prozent. Die Ergebnisse der Bank ING etwa konnten laut Händlern überzeugen. Sowohl im Bankgeschäft als auch bei den Nettozinserträgen sowie den Gebühren und Kommissionen hätten die Niederländer besser abgeschnitten als erwartet. "Die Dividende liegt unter den Prognosen, aber das sollte den Kurs heute nicht belasten", sagte der Händler. Und er behielt recht: Die Aktie legte rund 10 Prozent zu.

Frankfurt: Daimler landen am Dax-Ende

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Der Dax schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 9393 Punkten. Beim MDax endete der Handelstag mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 18.855 Zählern. Verluste beim TecDax, der 1,1 Prozent abgab auf 1628 Punkte. Ein Plus von 0,4 Prozent gab es für den Euro-Stoxx-50, der bei 2910 Punkten schloss.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten die Aktien der Münchener Rück, die sich um 3,2 Prozent verteuerten. Der Konzern hat 2015 trotz des anhaltenden Preisdrucks in der Rückversicherung mehr als drei Milliarden Euro verdient. Die Dividende soll um 50 Cent auf 8,25 Euro je Aktie angehoben werden. Dax-Spitzenreiter waren am Ende jedoch die Aktien von Thyssenkrupp, die sich um 5,2 Prozent verteuerten.

Für Daimler ging es dagegen bergab: Nach dem starken Wachstum 2015 wird der Autobauer angesichts der schwächeren Aussichten in China für dieses Jahr etwas vorsichtiger. Die Aktien rutschten um 3,2 Prozent ab.

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Im MDax stieg die Aktie von Gea um 9,6 Prozent nach oben. Ein Händler hob das operative Ebitda hervor, dass im vierten Quartal über der Konsensschätzung liege. Das Ziel eines moderaten Umsatzwachstums im laufenden Jahr decke sich mit den Erwartungen und dürfte angesichts des hohen Auftragsbestandes auch erreicht werden.

Für Kuka ging es ebenfalls im MDax um 9,2 Prozent in die Höhe. Der chinesische Klimaanlagen-und Haushaltsgerätehersteller Midea hatte seine Beteiligung am Augsburger Roboterbauer erhöht. Der Konzern hält nun 10,22 Prozent der Kuka-Anteile, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Zuvor hielten die Chinesen gut fünf Prozent an Kuka.

USA: Wall Street notiert ganz knapp im Plus

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Im Spannungsfeld zwischen volatilen Ölpreisen und schwachen US-Konjunkturdaten zeigen sich die Kurse an der Wall Street kurz nach dem Start zunächst mit leichten Abgaben. Danach erholen sich die Kurse jedoch zunächst etwas deutlicher, kommen schließlich aber wieder zurück.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,5 Prozent auf 16.417 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,2 Prozent und der Nasdaq-Composite 0,1 Prozent.

Die bislang veröffentlichten US-Konjunkturdaten sorgen bei den Investoren für Ernüchterung. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg im Vergleich zur Vorwoche um 8000 auf 285.000 Anträge. Volkswirte hatten dagegen einen Wert von 278.000 erwartet. Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA ist im vierten Quartal 2015 nach vorläufiger Rechnung um 3,0 Prozent gefallen und damit stärker als von Volkswirten mit einem Rückgang von 2,0 Prozent erwartet.

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Deutlich unter Druck stand die Gopro-Aktie, die um 8,7 Prozent nachgab. Der Spezialkamerahersteller hat seinen Ausblick gesenkt. Zudem hatte der Konzern unter den Erwartungen liegende Viertquartalszahlen und den Weggang seines CFO mitgeteilt.

Mit einem deutlichen Plus von 3,2 Prozent zeigt sich die Aktie des Düngemittel-Herstellers Mosaic. Das Unternehmen teilte mit, seine Phosphat-Produktion um 400.000 Tonnen senken zu wollen, um das Angebot an die Nachfrage anzupassen.

Yahoo erholten sich von den Vortagesverlusten und gewannen 5,3 Prozent, nachdem sie von der Citigroup auf "Buy" von "Neutral" hochgestuft worden waren. Am Mittwoch waren die Titel unter die Räder gekommen, weil die geplanten drastischen Einschnitte des Unternehmens bei den Anlegern nicht gut ankamen.

Devisen: Euro kommt etwas von 3-Monats-Hoch zurück

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Der Kurs des Euro hat weiteren Rückenwind erhalten. Zeitweise kostete die Gemeinschaftswährung erstmals seit Oktober 2015 mehr als 1,12 US-Dollar. Nach einem Tageshoch von 1,1239 Dollar notierte der Euro am späten Nachmittag bei 1,1170 Dollar. Das war immer noch ein Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1206 (Mittwoch: 1,0933) Dollar festgelegt.

Der Anstieg des Eurokurses um fast drei Cent seit Wochenbeginn liegt vor allem am US-Dollar. Die US-Währung steht stark unter Druck, weil immer weniger Marktteilnehmer von weiteren Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed ausgehen. Im Dezember hatte die Fed erstmals nach der Finanzkrise ihren Leitzins leicht angehoben und für dieses Jahr bis zu vier weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt. Daran glaubt mittlerweile so gut wie niemand mehr. Gründe sind die weltweite Börsenschwäche und das lahmende Wachstum in vielen Schwellenländern.

Hinzu kommt, dass amerikanische Konjunkturdaten zunehmend schlechter ausfallen. Zuletzt wurde bekannt, dass die US-Industrie im Dezember einen deutlichen Auftragsrückgang verkraften musste. Ein Teil der Branche, die Energieunternehmen, leidet bereits unter den stark gefallenen Ölpreisen. Am Mittwoch wurden zudem Ängste geschürt, dass auch der große und bisher stabile Dienstleistungssektor in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. In einem derart unwägbaren Umfeld gilt unter Fachleuten eine weitere Zinsanhebung durch die Fed als unwahrscheinlich.

Rohstoffe: Ölpreis schwankt heftig und steigt zuletzt

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Die Volatilität beim Ölpreis ist weiterhin hoch. Erst am Vortag war der Preis für die US-Sorte WTI erneut unter die Marke von 30 Dollar gerutscht, bevor er zu einer kräftigen Erholungsrally ansetzte, die ihn bis knapp an die Marke von 34 Dollar führte. Marktbeobachter erklärten den zwischenzeitlichen Anstieg zum einen mit dem starken Rückfall des Dollar, der das Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum günstiger macht. Zum anderen seien aus dem Kreis der Ölförder-Länder erneut Stimmen nach einem Sondertreffen laut geworden, um mit einer Senkung der Fördermenge auf die hartnäckige Schwäche der Ölpreise zu reagieren.

Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI steigt aktuell um 3,8 Prozent auf 33,51 Dollar. Brent legt um 2 Prozent auf 35,74 Dollar zu. US-Daten enttäuschen

Mit der fortgesetzten Dollar-Schwäche und der Aussicht auf einen möglicherweise flacheren Zinspfad der US-Notenbank geht es für den Goldpreis weiter nach oben. Der Preis für die Feinunze steigt dabei auf den höchsten Stand seit rund drei Monaten. Aktuell liegt der Goldpreis bei 1155 Dollar, ein Aufschlag von 1,2 Prozent.

Asien: Nur Tokio schwächelt

In Asien und Australien geht es im Sog guter Vorgaben der Wall Street überwiegend aufwärts. Lediglich in Tokio fallen die Kurse. Hier bremst der zum Dollar deutlich festere Yen, weil dies die Exportchancen der Japaner verschlechtert. Der Nikkei-Index gibt um 0,9 Prozent nach und schließt bei 17.045 Punkten, der breit gefasste Topix büßt 1,2 Prozent auf 1389 Zähler ein. Der Shanghai Composite geht um 1,4 Prozent nach oben, der Hang Seng in Hongkong sogar um 1,3 Prozent. Die Börse in Sydney schließt um 2,1 Prozent fester.

In der gesamten Region gehören Aktien aus dem Öl- und dem Rohstoffsektor zu den Favoriten, denn neben dem Öl haben auch die Preise anderer Rohstoffe wegen der Dollarschwäche angezogen. In Hongkong gewinnen Petrochina, Sinopec und Cnooc fast 6 Prozent.

Für Sharp geht es um fast 11 Prozent nach oben. Der Elektronikkonzern ist offensichtlich gewillt, sich von der taiwanischen Foxconn übernehmen zu lassen und führt Exklusivgespräche mit dem Apple-Zulieferer, wie Kreise berichten. Außer Foxconn ist auch Innovation Network Corp of Japan, ein staatlich unterstützter Investmentfonds, an Sharp interessiert. Foxconn geben um 0,6 Prozent nach.

Quelle: n-tv.de

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