Wirtschaft
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Wall Street uneinheitlich: Dax schließt nach Jahrestief etwas leichter

Nach einem denkbar schlechten Start kann sich der Dax am Ende noch einigermassen berappeln. Dennoch bleibt ein kleines Minus. Sorgen bereitet den Anlegern vor allem die globale Konjunktur. Gute Daten aus der Eurozone können nur leicht stützen.

Nochmal mit einem blauen Augen davon kam der Dax an einem Handelstag, der alles andere als vielversprechend begonnen hatte. Am Morgen fiel der Dax zunächst auf ein neues Jahrestief bei 9325 Punkten. Danach ging es mal ein Stück rauf und wieder runter. Am Ende blieb ein kleines Minus übrig, der Dax schloss 0,3 Prozent tiefer auf 9450 Punkten.

Die entscheidende Frage am Markt lautete jedoch, wie stark sich das globale Wachstum in den kommenden Monaten entwickelt. Sollte die chinesische Volkswirtschaft eine "harte Landung" erleben, dürfte das globale Wachstum schwächer als erwartet ausfallen und neuerlichen Druck auf die Aktienmärkte ausüben.

Einen positiven Impuls lieferte am Vormittag das Geschäftsklima der Eurozone. Wie die Europäische Kommission berichtet, stieg der entsprechende Index auf plus 0,34 Punkte, von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten einen Stand von plus 0,21 Zählern erwartet. Ein Indexstand des Geschäftsklimas von Null entspricht dem langfristigen Durchschnittswachstum der Industrieproduktion von 2 Prozent.

Bundesanleihen hielten sich ungebrochen sehr stabil. Auf der einen Seite kauft die Europäischen Zentralbank Monat für Monat Bundesanleihen. Auf der anderen Seite braucht der Bund im vierten Quartal weniger Geld. Das Emissionsvolumen sinkt in der Schlussperiode gegenüber den bisherigen Planungen um sechs Milliarden Euro. Zehnjährige Bundesanleihen werfen am Nachmittag eine Rendite von 0,59 Prozent ab.

Am Devisenmarkt handelt der Euro zum Dollar bei 1,1225. Mit den vorläufigen Inflationsdaten aus Deutschland kam der Euro kurzfristig unter Druck. In Deutschland stagnieren die Preise. Die schwache Preisentwicklung geht nach Aussage von Bayern-LB-Volkswirt Stefan Kipar auf die niedrigen Energiepreise zurück.

Deutschland: Versorger zeigen starkes Comeback

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Der Dax schloss am Ende 0,3 Prozent leichter auf 9450 Punkten. Der MDax wies ein Minus von 0,4 Prozent auf und lag schließlich bei 18.904 Zählern. Verluste auch beim TecDax, der 0,1 Prozent abgab auf 1714 Punkte, der Euro-Stoxx-50 ging 0,2 Prozent zurück.

Nach einem schwachen Start konnten sich die Aktien von Volkswagen nur zwischenzeitlich erholen und die 100-Euro-Marke zurückerobern. Am Ende ging es dann doch wieder steil nach unten und die VW-Papiere schlossen 4,1 Prozent im Minus bei 95,20 Euro.

Die Papiere von Zulieferer Continental landeten mit einem Plus von 2,5 Prozent auf Platz vier im Dax - gestützt von einer starken Kaufempfehlung von Goldman Sachs.

Kurz vor dem Ende des dritten Quartals, das für einige Fondsgesellschaften von Bedeutung ist, wurde bei den großen Verlierern des Jahres 2015 zugegriffen. So stiegen RWE um 5,8 Prozent und Eon um 2,6 Prozent.

Deutsche Post kletterten um 3,0 Prozent. Die Deutsche Post plant laut Bild-Zeitung für 2016 die nächste Preiserhöhung. Das Porto soll sich für Standardbriefe zum 1. Januar 2016 von 62 Cent um 13 Prozent auf dann 70 Cent erhöhen.

USA: Leichte Erholung an der Wall Street

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Nach dem Ausverkauf des Vortages tun sich die US-Aktienmärkte mit der erhofften Erholung weiter schwer. Der Dow-Jones-Index steigt um 0,3 Prozent auf 16.049 Punkte. Für den S&P-500 geht es um 0,1 Prozent nach oben auf 1884 Punkte, der Nasdaq-Composite kann um 0,6 Prozent auf 4517 Punkte zulegen.

Die Stimmung bleibt angeschlagen. Die Sorgen über die konjunkturelle Situation in China und die andauernde Unsicherheit über den Zeitpunkt der US-Zinswende hingen weiter über dem Markt, heißt es im Handel. Asien knüpfte nahtlos an die US-Verluste vom Wochenauftakt an und in Europa sind wichtige Börsenbarometer auf neue Jahrestiefs gefallen. Zwischenzeitliche Erholungsansätze sind kraftlos und meist nicht von langer Dauer.

In einem nachrichtenarmen Umfeld setzen auch US-Konjunkturdaten bislang keine Akzente. Der vor der Startglocke veröffentlichte Case-Shiller-Hauspreisindex lag nur geringfügig unter den Erwartungen.

An der Börse legen die Aktien von Reynolds American minimal um 0,1 Prozent zu. Der Tabakkonzern verkauft die Rechte an der Zigarettenmarke Natural American Spirit für 5 Milliarden Dollar an Japan Tobacco.

Die Yahoo-Aktie rückt um 2,4 Prozent vor. Am Montagabend war bekanntgeworden, dass das Unternehmen den Verkauf seiner restlichen Beteiligung an Alibaba vorantreibt. Alibaba zeigen sich 0,7 Prozent höher.

Asien: Nikkei verliert rund vier Prozent

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Sorge um eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft haben den Aktienmärkten in Fernost deutliche Verluste eingebrockt. In Tokio rutschte der Nikkei-Index um mehr als vier Prozent auf 16.930 Zähler. Auch in Hongkong und Australien ging es mehr als drei Prozent nach unten.

Wie bereits an der Wall Street drückte ein Einbruch der Gewinne in der chinesischen Industrie auf die Laune der Anleger. Das schürte die Furcht vor einer Abschwächung Konjunktur in der Volksrepublik. Mit Spannung warten Investoren nun auf das Stimmungsbarometer der chinesischen Einkaufsmanager am Donnerstag.

Der MSCI-Index für die asiatischen Aktien außerhalb Japans fiel um mehr als zwei Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief. Der Leitindex in Schanghai schloss 2,1 Prozent im Minus. Vor allem im Rohstoff-Sektor ließen Unternehmen Federn, da die schwächelnde Nachfrage auf die Preise drückte. Die Aktien des Bergbauriesen Glencore büßten nach dem Kursrutsch an der Börse in London auch in Hongkong mehr als ein Viertel ein.

Devisen: Euro mit Verlusten, aber über 1,12 Dollar

Der Kurs des Euro hat leicht nachgegeben. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1254 US-Dollar und damit etwas weniger als am Morgen. Zeitweise war der Euro unter die Marke von 1,12 Dollar gefallen, er konnte sich aber rasch erholen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1204 (Montag: 1,1170) Dollar festgesetzt.

Beherrschendes Thema am Devisenmarkt bleibt die Geldpolitik. Im Euroraum wird seit einigen Wochen auf eine zusätzliche Lockerung durch die EZB spekuliert. Neue Nahrung lieferten am Dienstag Inflationszahlen aus Spanien und Deutschland. In Spanien war die Teuerung noch stärker in den negativen Bereich gerutscht, in Deutschland hatte die nach europäischen Standards berechnete Inflation leicht unterhalb der Nulllinie gelegen.

Rohstoffe: Ölpreise legen deutlich zu

Die Ölpreise bewegten sich nach einem schwachen Wochenauftakt Schritt für Schritt nach oben. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,8 Prozent auf 45,23 Dollar.

Angesichts der leichten Beruhigung an den Aktienmärkten haben sich die Preise der Rohstoffe am Nachmittag wieder stabilisiert. Die Ölpreise profitieren am stärksten davon. Viele Anleger wetteten hier vor allem auf ein schrumpfendes Überangebot dank knapper US-Bestände. Die Daten des Branchenverbandes API wurden für den Abend, die der Energiebehörde für Mittwochnachmittag erwartet.

Der Goldpreis zeigte sich kaum verändert bei 1128 Dollar je Feinunze. Am Montag hatte das Edelmetall nachgegeben. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem Gold zeitweise von der Ungewissheit mit Blick auf die US-Zinswende profitiert habe.

Quelle: n-tv.de

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