Wirtschaft
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Wall Street fängt sich: Dax schließt nach Wackel-Tag etwas höher

Mit einem leichten Gewinn beschließt der Dax einen zunächst etwas schwankenden Handelstag. Zwar belasten Sorgen um Chinas Wirtschaft tendenziell die Stimmung. Die Hoffnung auf einen Aufschub der US-Zinswende schiebt die Kurse am Nachmittag jedoch an.

Nach einem durchwachsenen Start verbuchte der deutsche Leitindex am Ende einen leichten Gewinn: Der Dax legte um 0,3 Prozent zu und stieg auf 10.048 Punkte. "Eine hohe Unsicherheit ist im Markt, was nur wirklich nervenstarke Anleger zu diesem Zeitpunkt an die Börse locken sollte", sagte Andreas Paciorek von CMC Markets.

Am Donnerstag tagt turnusmäßig die Europäische Zentralbank und am Freitag steht mit dem US-Arbeitsmarktbericht für August das konjunkturelle Highlight auf der Agenda. Vor diesen beiden Terminen halten sich die Marktakteure zurück. Die jüngsten, von Asien ausgehenden Turbulenzen an den Finanzmärkten sind in den neuen Projektionen der EZB noch nicht verarbeitet. "Entsprechend besteht für EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz noch erheblicher Spielraum, die offiziellen Projektionen in ein anderes Licht zu rücken", sagte Andreas Möller von der WGZ-Bank.

Der ADP-Arbeitsmarktbericht ist im August mit einem Stellenzuwachs im privaten Sektor in den USA von 190.000 etwas hinter dem Marktkonsens von 200.000 zurückgeblieben. Daraufhin waren die Aktienkurse an der leicht gestiegen. Erwartungen steigender Zinsen würden mit den ADP-Zahlen nicht forciert, sagt Viola Julien von der Helaba. Das wird von Investoren mit vorsichtiger Erleichterung aufgenommen.

Sollte allerdings der offizielle Arbeitsmarktbericht für den August am Freitag besser sein als prognostiziert, dürften sich die Erwartungen einer baldigen Zinserhöhung verfestigen. Das wiederum könnte starke Auswirkungen auf die Zinsen, den US-Dollar und auch auf die Aktienmärkte haben.

Deutschland: Deutsche Telekom ist stärkster Dax-Wert

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Der Dax schloss am Ende 0,3 Prozent höher auf 10.048 Punkten. Beim MDax zeigte sich ein Plus von 0,4 Prozent auf 19.370 Zähler. Der technologielastige TecDax gewann 0,8 Prozent auf 1677 Punkte. Gewinne verbuchte auch der Euro-Stoxx-50 mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent.

Im Dax überwogen am Ende die Pluszeichen. Ganz oben standen Deutsche Börse mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent. Zu den Gewinnern zählten auch Deutsche Telekom, Bayer und Deutsche Post mit Aufschlägen zwischen 1,9 und 0,9 Prozent. Zu den größten Verlierer zählten RWE, die zwischenzeitlich auf ein neues 24-Jahres-Tief fielen und am Ende 1,6 Prozent abgaben. Auch Konkurrent Eon folgte nach unten und verlor 1,2 Prozent.

Auf der Ebene der Einzelwerte stehen unter anderem Aktien aus der Automobilindustrie im Blickfeld: Die Autobauer schnitten jedoch nicht so gut ab wie zunächst gedacht.

Dabei hatte sich der US-Autoabsatz im August besser entwickelt als erwartet. Die Verkäufe von BMW und Daimler seien in Ordnung, sagte Heino Ruland, Head of Research beim Brokerhaus ICF. Volkswagen habe in der Stammmarke schon wieder schwach abgeschnitten, dafür habe sich der Absatz von Audi und von Porsche gut entwickelt. BMW schlossen 0,7 Prozent im Minus, Daimler verloren 0,3 Prozent und Volkswagen 0,8 Prozent.

USA: Wall Street profitiert von schwächerem Job-Markt

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Nach dem Kursrutsch am Dienstag legte die Wall Street zur Wochenmitte wieder deutlich zu. Der Dow Jones Industrial erholte sich um 1,8 Prozent auf 16.351 Punkte. Tags zuvor war er belastet von globalen Wachstumssorgen noc h zeitweise unter die Marke von 16.000 Zählern gefallen. Der marktbreitere S&P-500 stieg um 1,8 Prozent auf 1949 Punkte und der Nasdaq-100 sprang um 2,7 Prozent auf 4256, Stellen an.

Kaum Überraschungen bot das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank. Das Gesamtbild eines anhaltend moderaten Wachstums decke sich weitgehend mit dem des vorherigen Berichts von Mitte Juli, hieß es. Auch aktuelle ADP-Daten vom US-Arbeitsmarkt gaben kaum Aufschlüsse im Rätselraten um die künftige Geldpolitik der Fed. Der Stellenaufbau im Privatsektor war im August schwächer ausgefallen als erwartet, Experten werteten ihn aber als insgesamt robust. Am Freitag folgen offizielle Zahlen zum US-Arbeitsmarkt.

Im Blickpunkt standen unter anderen die Papiere des Ölproduzenten ConocoPhilips. Der Konzern will angesichts der stark gesunkenen Ölpreise die Zahl seiner Mitarbeiter um zehn Prozent kürzen. Die Papiere verteuerten sich nach anfänglichen Verlusten um rund 1 Prozent. Zu den Gewinnern zählten auch Aktien von Fluggesellschaften. Grund ist der gesunkene Ölpreis, der die Treibstoffkosten verbilligt. Delta-Anteilsscheine stiegen 5 Prozent und American Airlines 4,3 Prozent. Navistar-Papiere ließen dagegen 6 Prozent Federn, nachdem der Motorenhersteller erneut einen Verlust ausgewiesen hatte.

Asien: In Japan kippt die Stimmung

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Die Börse in Tokio hat nach einer Berg- und Talfahrt letztlich doch schwächer geschlossen. Hin- und hergerissen zwischen der Sorge um Chinas Wirtschaft und der Erwartung baldiger politischer Maßnahmen zur Stabilisierung der globalen Märkte gab der Nikkei-Index für 225 führende Werte 70,29 Punkte oder 0,39 Prozent auf 18.095 Punkte nach. Zwischenzeitlich hatte der Nikkei anfänglich deutliche Verluste wettgemacht, dann jedoch wieder nachgegeben. Der breit gefasste Topix gab um 12,12 Punkte oder 0,82 Prozent auf den Stand von 1465,99 Punkten nach.

An den chinesischen Aktienmärkten war es zum Handelsstart zeitweise deutlich abwärts gegangen. Der wichtige Shanghaier Composite Index fiel zum Auftakt um 4,4 Prozent auf 3028 Punkte. Im Verlauf konnte sich der chinesische Aktienmarkt beruhigen: Der prominenteste chinesische Börsenindex drehte ins Plus, schloss am Ende dann aber doch 0,2 Prozent leichter.

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Die Erholung im chinesischen Tagesverlauf hänge möglicherweise mit Aussagen von Brokern zusammen, hieß es aus China. Einflussreiche Marktteilnehmer erklärten sich demnach bereit, zur Stützung des Marktes Aktien kaufen zu wollen. Einem Medienbericht zufolge wollen 50 Handelshäuser über 100 Milliarden Yuan in die China Securities Finance pumpen, die in Blue Chips investiert.

Welche Schlagkraft diese Aktion entfalten kann, ist noch offen. "Trotz der jüngsten Anstrengungen der Regierung zur Stützung des Marktes bleibt die Stimmung bei den Anlegern düster und eine baldige Erholung ist unwahrscheinlich", zeigte sich Xiao Shijun vom Analysehaus Guodu Securities skeptisch.

Am Markt wird außerdem weiter spekuliert, dass Peking vor dem anstehenden Börsenfeiertag am Donnerstag zum 70-jährigen Jahrestag des Sieges über Japan die Aktienmärkte mit Käufen stützen wird. In Hongkong zeigen sich Teilnehmer überrascht, dass trotz schwacher Einkaufsmangerindizes der Markt im Handelsverlauf den Shanghaier Vorgaben gefolgt ist und nun wenig verändert tendiert.

Devisen: Euro sinkt unter 1,13 Dollar

Der Kurs des Euro hat nach den Zahlen vom US-Arbeitsmarkt nachgegeben. Am späten Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1223 US-Dollar, nachdem sie in der Nacht noch über der Marke von 1,13 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1255 (Dienstag: 1,1236) US-Dollar festgesetzt.

Die Entwicklung des Arbeitsmarkts hat grundsätzlich große Bedeutung für die Geldpolitik der US-Notenbank, die auf eine erste Zinsanhebung nach der schweren Wirtschaftskrise zusteuert. Aufgrund der Börsenkrise in China gilt es inzwischen als ungewiss, ob die Fed schon im September ihre Zinsen anheben wird. Schlechte US-Konjunkturdaten sprechen eher dagegen, gute Zahlen eher dafür. Viola Julien, Analystin bei der Landesbank Helaba, wies darauf hin, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin stabil sei, wenn er auch die Erwartungen zuletzt laut ADP nicht ganz erfüllt habe.

"Der robuste Stellenaufbau in den USA setzt sich fort und die heutigen Zahlen liefern eine tendenziell freundliche Indikation für den offiziellen Arbeitsmarktbericht", so Julien. Dementsprechend fiel der Euro nach den US-Daten weiter. Die Erwartungen einer Zinswende im September wurden durch die Daten also offenbar nicht weiter geschmälert. Denn die Erwartung einer baldigen Zinsanhebung stärkt den Dollar und belastet im Gegenzug den Euro.

Rohstoffe: Ölsorte Brent steigt nur kurz und fällt wieder

Die Ölpreise unterbrechen ihre Talfahrt vom Vortag nur kurzzeitig und geraten am Nachmittag wieder in einen Abwärtssog. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostete 48,73 US-Dollar. Das waren 83 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verliert sogar um 1,69 Dollar und fällt auf 43,72 Dollar.

Der Brent-Ölpreis gab nach, nachdem die US-Regierung einen überraschend deutlichen Anstieg ihrer Rohölvorräte gemeldet hat. Einer Preis-Rally von mehr als 25 Prozent in nur drei Handelstagen folgte am Dienstag ein Rückgang um 8 Prozent. "Die Achterbahnfahrt bei den Ölpreisen hält an", sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Verlässliche Vorhersagen über die kurzfristige Preisentwicklung seien kaum noch möglich, Prognosen hätten "kaum die Halbwertszeit von wenigen Stunden".

Quelle: n-tv.de

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