Wirtschaft
Der Dax wagte einen richtigen Satz.
Der Dax wagte einen richtigen Satz.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Anleger wieder in Kauflaune: Dax schließt über 9900

Erstmals seit zwei Wochen steigt der Dax über die Marke von 9900 Punkten. Eifrig sammeln die Anleger die gefallenen Titel wie K&S oder VW ein. Nach Enttäuschungen im Vorfeld können Covestro doch noch beim Debüt glänzen.

Der Dax ist bis zum Xetra-Schluss um 0,89 Prozent auf auf 9902 Zählern gestiegen. "Viele Anleger sind stark untergewichtet in Aktien", sagte ein Händler. Sie hätten auf eine Fortsetzung der Korrektur gesetzt und wären nun vom Anstieg auf dem falschen Fuß erwischt worden. Deshalb hätten sie bereits kleinere Rückschläge wie am Mittag zum Kauf genutzt. "Das steht aber alles auf wackeligen Beinen", sagte ein anderer Börsianer. "Die Anleger wissen einfach nicht, was sie machen sollen." Die Märkte seien zwischen Bangen und Hoffen hin- und hergerissen.

Der MDax, in dem die börsennotierten mittelgroßen Unternehmen versammelt sind, rückte bis zum Handelsschluss um 0,7 Prozent auf 19.972 Punkte vor und der TecDax gewann 0,29 Prozent auf 1788 Punkte. Bis zum Jahreshoch fehlen dem Technologie-Index nur noch etwa 2,5 Prozent. Seit dem Augusttief hat der TecDax schon wieder 20 Prozent gewonnen. 

Neben den freundlichen Vorgaben der asiatischen Börsen stützten vor allem die zunehmenden Spekulationen über eine Verschiebung der US-Leitzinsanhebung. Am Morgen hatte der unerwartet deutliche Rückgang der Industrieaufträge in Deutschland die Kurse noch ins Minus gedrückt. Die Zahlen seien eine "herbe Enttäuschung" gewesen, urteilte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Übertriebene Sorgen seien aber nicht angebracht. Gitzel sieht in den Daten vielmehr eine Momentaufnahme und erwartet unter anderem eine Stabilisierung der Wirtschaft des wichtigen Handelspartners China.

An der Dax-Spitze wechselten sich die Gewinner munter ab. Eindeckungen katapultierten zeitweise VW und K+S je um mehr als drei Prozent in die Höhe. Zeitweilig verloren beide Titel aber auch mehr als zwei Prozent. Zum Handelsschluss hatte VW mit Plus 3,8 Prozent auf 97,09 Euro die Nase vorne, K+S rutschte in der Gewinnerliste leicht ab und blieb bei Plus 1,22 Prozent und 23,64 Euro stehen. VW bleibt wegen des Diesel-Abgas-Skandals angeschlagen, in Wolfsburg steht mittlerweile die gesamte Finanzplanung auf dem Prüfstand, beim Düngemittelkonzern K+S zweifeln die Anleger an der Entscheidung des Managements, eine Offerte des kanadischen Rivalen Potash abzuweisen.

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Daimler lagen mit einem Plus von 2,5 Prozent auch weit vorne in der Dax-Gewinnerliste. "Die September-Absatzzahlen unterstreichen die günstigen Perspektiven", so Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. Das Geschäft entwickle sich weiter gut. Auch in China wachse der Absatz mit einem Plus von etwa 50 Prozent gegenüber Vorjahr stark. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege auf Basis der 2015er Schätzung bei 8 und auf Basis der 2016er Schätzung bei 7,4. "Damit ist Daimler günstig bewertet", so der Analyst. Der VW-Skandal wirke sich bisher noch nicht auf die Konkurrenten aus. Pieper schließt allerdings nicht aus, dass die Auflagen für Diesel-Fahrzeuge in den kommenden Jahren verschärft werden könnten. Pieper empfiehlt die Aktien von Daimler mit einem Kursziel von 100 Euro zum Kauf. Mit dem Kursplus trug Daimler ganze 23 Punkte zum Dax-Gewinn bei.

Als voller Erfolg kann der zunächst zusammengestauchte Börsengang von Covestro gewertet werden. Nachdem die Aktionäre der ersten Stunde ihre Stücke bei 24 Euro zugeteilt bekamen, startete die Aktie bei 26 Euro ihr Börsenleben und kletterte von dort aus weiter nach oben bis auf 26,50, was ein Plus von 10,4 Prozent entspricht. "Bei der Platzierung haben nicht alle Käufer ihre Aktien erhalten", so ein Händler zu dem gesenkten Angebot. Sollten diese nun über die Börse kaufen, sollte die Aktie weiter zulegen. Covestro sei ein klassischer Industriewert, der gut durchkalkulierbar und damit für konservative Fonds interessant sei.

"Das starke Börsendebüt von Covestro mit einem Kursanstieg um mehr als zehn Prozent gegenüber dem Ausgabepreis zeigt, dass Investoren durchaus Interesse an Aktien aus konjunkturabhängigen Sektoren haben, wenn es nicht gerade der Autosektor ist", sagten Egmond Haidt und Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber teleboerse.de. Die gute Stimmung für das Papier könnte kurzfristig durchaus anhalten. Mittelfristig dürfte die Entwicklung der Aktie allerdings stark von den Konjunkturdaten, gerade aus China, abhängen.

Die Bayer-Aktie verlor dagegen 0,1 Prozent. Dies sei auf Modelle zur Portfolio-Gewichtung zurückzuführen, meint ein Händler. Die Covestro-Aktie sei relativ gesehen zu billig an den Markt gekommen. Investoren würden daher die Gewichtung der Bayer-Aktie im Portfolio zurückfahren und dafür teilweise in Covestro-Aktien umschichten.

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Im MDax zählten die Anteilsscheine des Handelskonzerns Metro mit plus 2,1 Prozent zu den Favoriten. Die Tochter Real bündelt ihren Einkauf mit dem inhabergeführten Einkaufsverbund PHD, was laut Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers positiv für Metro ist. Die Einkaufskonditionen würden sich dadurch verbessern und Real dürfte seinem Ziel näherkommen, die Lücke zu den vier größten Lebensmitteleinzelhändlern in Deutschland zu verringern.

Im Kleinwerte-Index SDax sorgten HHLA mit einem Kursrutsch von sechs Prozent auf 13,50 Euro für Aufsehen. Das Unternehmen hatte seine Gewinnziele für 2015 gekappt.

Braas Monier büßten 3,5 Prozent auf 23,27 Euro ein. Alt-Eigner des Dachpfannen-Herstellers hatten Teile ihrer Aktienbestände versilbert und 3,3 Millionen Papiere zum Preis von je 22,75 Euro auf den Markt geworfen.

USA: Wall Street schließt uneinheitlich

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Sorgen um die Weltkonjunktur belasteten die Wall Street. Nach Kursgewinnen in den vergangenen Handelstagen richtete sich der Blick der Anleger wieder verstärkt auf die eingetrübten Aussichten für die globale Wirtschaft. Diese wird in diesem Jahr nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von der Abkühlung in China gebremst. Der IWF senkte daher seine Wachstumsprognose. Für die Anleger sei nun interessant, inwiefern die ökonomische Entwicklung auf die Ergebnisse der Firmen durchschlägt, sagte Portfoliomanager Tim Dreiling von U.S. Bank Wealth Management. Aufschluss sollen die in den kommenden Wochen anstehenden Quartalsberichte geben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,1 Prozent auf 16.790 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,4 Prozent auf 1980 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,7 Prozent auf 4748 Punkte.

Der Dow wurde gestützt von einem Kurssprung des Chemiekonzerns DuPont, dessen Aktie sich um 3,2 Prozent verteuerte. Das Unternehmen kündigte an, dass Konzernchefin Ellen Kullman in Kürze ihren Posten aufgibt. Leicht aufwärts ging es mit Pepsi, die 0,3 Prozent anzogen. Der Coca-Cola-Rivale hob seine Geschäftsprognose für das Gesamtjahr an. Das abgelaufene Quartal war besser ausgefallen als erwartet.

Rohstoffe: Ölpreise ziehen an

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Spekulationen auf einen Abbau des Überangebots von Öl schoben auch am Dienstag die Ölpreise an. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 2,7 Prozent auf 50,59 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 47,35 Dollar 2,4 Prozent mehr. "Möglicherweise finden die Ölproduzenten doch noch einen Weg, gemeinsam die Ölschwemme zu verringern", sagte ein Börsianer. Nach russischen Angaben haben Vertreter der Regierung in Moskau mit Saudi-Arabien über den Ölmarkt gesprochen.

Die US-Energiebehörde teilte mit, dass die US-Ölförderung im nächsten Jahr auf 8,9 Millionen Barrel täglich (bpd) von schätzungsweise 9,2 Millionen bpd im laufenden Jahr sinken werde. Im Monatsbericht teilte die EIA mit, dass im September 120.000 Barrel täglich weniger als im August gefördert worden seien. Zugleich erhöhte die Behörde für 2016 ihre Nachfrageprognose um 100.000 bpd auf 1,41 Millionen Barrel bpd. Auch für das laufende Jahr sagt die EIA nun mit 1,34 Millionen bpd einen um 170.000 bpd höheren Verbrauch voraus.

Devisen: Euro profitiert von schwachem US-Dollar

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Ein auf breiter Front schwächelnder US-Dollar gab dem Eurokurs Auftrieb. Am Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung ihr Tageshoch bei 1,1265 US-Dollar, nachdem sie bis zum Vormittag noch unter der Marke von 1,12 Dollar gelegen hatte. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1224 (Montag: 1,1236) US-Dollar festgesetzt.

Nach herabgesenkten Wachstumserwartungen des Internationalen Währungsfonds für die Weltwirtschaft machte der Eurokurs am Nachmittag einen deutlichen Sprung nach oben. Zuvor hatte ein deutlicher Anstieg des Defizits in der US-Handelsbilanz verdeutlicht, dass die größte Volkswirtschaft der Welt von der schwächelnden Weltkonjunktur nicht unberührt bleibt. Die US-Exporte waren um zwei Prozent zurückgegangen. Der US-Dollar hatte daraufhin zu allen wichtigen Währungen nachgegeben.

Im weiteren Tagesverlauf werden sich noch mit Esther George und John Williams zwei regionale US-Notenbanker zu Wort melden. Analysten und Anleger dürften versuchen, neue Hinweise auf den Beginn der Zinswende zu erhaschen. Sie haben die Hoffnung auf eine Wende im laufenden Jahr so gut wie aufgegeben.

Asien: Nikkei zieht ins Plus

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Im asiatischen Börsenhandel verzeichneten Händler am zweiten Handelstag der Woche überwiegend freundliche Kursaufschläge. Die Spekulationen um eine Verschiebung der Zinswende in den USA sowie weitere Stimulierungsmaßnahmen durch die chinesische Notenbank und die Bank of Japan (BoJ) stützten weiterhin die Aktienkurse, hieß es.

Das stärkste Plus verbuchte der Nikkei-Index in Tokio, der 1,0 Prozent auf 18.186 Punkte gewann. Hier stand insbesondere die Sitzung der japanischen Notenbank im Vordergrund, deren Ergebnis am Mittwoch bekanntgegeben wird. Nach zuletzt erneut enttäuschenden Konjunkturdaten erwarten Investoren hier weitere Schritte zur Unterstützung der Konjunktur. In Shanghai wird feiertagsbedingt erst am Donnerstag wieder gehandelt.

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Positiv wurde die Schaffung der weltgrößten Freihandelszone bewertet. Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich zwölf Pazifik-Anrainerstaaten auf die Gründung der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) geeinigt. Neben den USA und Japan umfasst die angestrebte Freihandelszone Australien, Brunei, Kanada, Chile, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam. Allerdings ist China nicht dabei. "Das ist de facto ein Freihandelsabkommen zwischen Japan und den USA, zu dem zehn andere Länder dazugehören", sagte Analyst Kenichi Amaki von Matthews Asia.

So erhoffen sich beispielsweise die japanischen Automobil-Konzerne Vorteile von TPP. Denn sie könnten in Japan produzierte Teile dann günstiger in die USA exportieren und dort in ihren Werken verbauen. Gesucht waren in Tokio vor allem die Exportwerte, die vom sich weiter abschwächenden Yen profitierten. So legten die Aktien von Hoya, einem Hersteller optischer Produkte, um 4,0 Prozent zu. Sony stiegen um 0,4 Prozent, Honda legten um 2,0 Prozent zu und für die Aktien von Toyota ging es um 0,4 Prozent nach oben.

Quelle: n-tv.de

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