Wirtschaft
Der Dax am Donnerstag - kurz vor Beginn der Schlussauktion: Am Ende stand ein Minus von 0,73 Prozent auf 8376,29 Punkte.
Der Dax am Donnerstag - kurz vor Beginn der Schlussauktion: Am Ende stand ein Minus von 0,73 Prozent auf 8376,29 Punkte.

Neue Gerüchte um die Commerzbank: Dax schließt unter 8400 Punkten

Unter dem Druck durchmischter US-Daten schwenkt der deutsche Aktienmarkt in die Verlustzone: Nach fünf Gewinntagen in Folge legen Anleger eine Pause ein. Im Leitindex stehen Titel wie ThyssenKrupp und RWE auf der Verkaufsliste.

Der deutsche Aktienmarkt hat den vorletzten Handelstag der Woche unter dem Eindruck schwacher US-Daten mit deutlichen Abschlägen beendet. Neuerliche Sorgen um ein baldiges Abbremsen der ultralockeren US-Geldpolitik hätten den Handel belastet, hieß es.

Einzelne Signale - wie etwa die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe - seien recht gut ausgefallen. Dies habe der Erwartung eines vorgezogenen "Fed-Exits" Vorschub geleistet. Andere Daten - wie zum Beispiel der Empire-State-Index oder der Philly-Fed-Index - deuteten dagegen eine unerwartet zähe Konjunkturerholung an der US-Ostküste an.

Hinzu kam die auslaufende Quartalsberichtssaison der Unternehmen, die in den Vorwochen noch als starker Impulsgeber fungiert hatte. Der deutsche Leitindex Dax konnte im späten Handel einen Teil seiner zwischenzeitlichen Verluste aufholen, schloss allerdings mit minus 0,73 Prozent klar in der Verlustzone bei 8376,29 Punkten. Am Vortag hatte der Leitindex auf dem höchsten Stand seit Ende Mai geschlossen. Der MDax fiel um 0,93 Prozent auf 14.717,59 Punkte zurück. Der TecDax verlor 0,95 Prozent auf 1032,15 Punkte.

Die übrigen wichtigen Börsen in Europa gaben ebenfalls nach: Der Eurostoxx50 schloss 0,57 Prozent tiefer bei 2835,86 Punkten. Die Leitindizes in Paris und London verloren zwischen einem halben und eineinhalb Prozent. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mehr als ein Prozent unter dem Vortagesschluss.

"Die Investoren sind wegen der Fed nervös und machen sich Sorgen, dass sie die Kontrolle über das lange Ende der Zinskurve verloren hat", hieß aus dem Handel.  In Folge stiegen die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Februar 2012.

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"Einige der Zahlen aus den USA sind zwar schlechter als erwartet ausgefallen, aber nicht so schlecht, dass eine Drosselung der US-Wertpapierkäufe auf die lange Bank geschoben wird", sagte ein Börsianer. Die Analysten der Helaba urteilten ähnlich und wiesen darauf hin, dass der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia trotz des Rückgangs auf plus 9,3 Punkte von plus 15,0 Zählern im Vormonat noch immer deutlich im Expansionsbereich liege. Auch das Stimmungsbarometer der Fed von New York deute auf ein robustes Wachstum hin.

Das Thema "Fed-Exit" dominiert derzeit sämtliche Anlageentscheidungen: "Investoren erwägen die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs der US-Notenbank aus den Wertpapierkäufen", begründete Stan Shamu von IG Markets die allgemeine Zurückhaltung am Markt.

Schwächster Wert im Dax blieben wie bereits am Morgen die Aktien von RWE: Der Energieversorger hatte zu Wochenbeginn schrumpfende Gewinne in der Kraftwerkssparte vorgelegt und die Rückstellungen für die Endlagersuche um weitere 400 Millionen Euro aufgestockt. Beobachter verwiesen zudem auf negative Analystenkommentare, die zusätzlichen Druck aufbauten. RWE-Aktien gingen am Abend mit einem Abschlag von 2,9 Prozent bei 20,74 Euro aus dem Handel. Die Aktien von Eon notierten unterdessen lediglich 0,4 Prozent schwächer bei 12,29 Euro. Der größte deutsche Energieversorger hatte am Dienstag seine Zwischenbilanz vorgelegt.

Weit oben auf der Verliererliste tauchen die Aktien des größten deutschen Stahlkonzerns auf: Nach einer Herunterstufung durch Barclays weiteten die Papiere von ThyssenKrupp ihre Verluste aus. Die Aktien beendeten den Tag 0,9 Prozent schwächer bei 16,46 Euro. Der sich hinziehende Verkauf der Stahlwerke in Übersee macht dem Konzern offenbar weiter zu schaffen. Zusätzlich belastet werden die Aktien von einer möglicherweise bevorstehenden Kapitalerhöhung. Der Verschuldungsgrad steige und die Unsicherheit wegen der Stahlwerke bleibe bestehen, urteilten die Analysten von Barclays. Sie stuften die Titel herunter auf "underweight" von "market weight".

Coba-Einstieg nach der Wahl?

Die Papiere der Commerzbank knüpften mit plus 0,54 Euro an ihre jüngste Erholung an. Börsianer verwiesen unter anderem auf neuerliche Übernahmespekulationen am Markt. Demnach könne ein asiatischer Investor nach der Bundestagswahl einen Einstieg erwägen.

Zahlen kamen von Nachzüglern aus der zweiten Reihe: Nordex-Aktien reagierten im TecDax mit einem Kurssprung von 17,26 Prozent auf einen erhöhten Ausblick.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hält es nach dem zweiten Quartal für "anspruchsvoller", 2013 die Gewinnzone zu erreichen. Im Handel wurde dies als Gewinnwarnung interpretiert. Vorstandssprecher Wolfgang Prock-Schauer räumte ein, dass eine Kapitalmaßnahme nicht ausgeschlossen werden könne, sollte die derzeitige Restrukturierung keine Wirkung zeigen. Die Papiere verloren 2,9 Prozent.

Im MDax standen Tui mit einem Minus von viereinhalb Prozent am Indexende. Auch europaweit zeigten sich die Titel aus dem Reise- und Freizeitsektor wegen der Unruhen in Ägypten sehr schwach. Stahlwerte zählten ebenfalls zu den Verlierern. Klöckner & Co verloren 3,39 Prozent, Salzgitter verbilligten sich um 3,30 Prozent. Die Aktien von GSW Immobilien verteuerten sich nach Zahlen um ein knappes Prozent. Die Immobiliengesellschaft hatte im ersten Halbjahr von höheren Mieten und Zukäufen profitiert.

Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,50 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,04 Prozent auf 132,95 Punkte. Der Bund Future verlor 0,54 Prozent auf 140,09 Punkte. Der Euro notierte zuletzt bei 1,3265 US-Dollar. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,3297 (Mittwoch: 1,3243) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,7521 (0,7551) Euro gekostet.

Zur Wochenmitte hatte der deutsche Aktienmarkt noch von den positiven Konjunkturdaten aus der Eurozone profitiert. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,27 Prozent bei 8438,12 Punkten und baute damit seine Gewinnserie der vergangenen vier Handelstage auf gut zwei Prozent aus. Bereits am Vortag hatte der Leitindex auf dem höchsten Stand seit Ende Mai geschlossen. Der MDax stieg zur Wochenmitte um 0,51 Prozent auf 14 855,42 Punkte. Der TecDax gewann 1,13 Prozent auf 1042,05 Punkte.

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Quelle: n-tv.de

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