Wirtschaft
Immerhin gelang dem Dax ein freundlicher Tagesschluss.
Immerhin gelang dem Dax ein freundlicher Tagesschluss.(Foto: dpa)

Größter Wochenverlust seit April: Dax schließt wackelig im Plus

Der Dax stabilisiert sich nach den jüngsten Verlusten zum Xetra-Schluss. Allerdings steht auf Wochensicht mit Minus 1,72 Prozent der größte Verlust seit Mitte April in den Orderbüchern.

Mangels neuer Impulse haben sich die europäischen Börsen zum Wochenschluss nur zögerlich bewegt. Viele Aktienanleger haben inzwischen ihre Zweifel, was ein überzeugendes Comeback der US-Konjunktur angeht. Sie agieren daher vorsichtig. Der scharfe Kursrutsch vom Vortag wurde so auch nur unwesentlich korrigiert. Für den Rückgang am Vortag hatten Aussagen eines US-Notenbankmitglieds gesorgt. Er hatte angedeutet, die Fed könnte möglicherweise die Zinsen früher als bisher erwartet anheben. Gebremst wurde der Handel auch durch Konjunkturdaten aus Frankreich. Die Stimmung blieb somit angeschlagen.

Der Dax, der seit Montag auf ein Minus von rund 1,6 Prozent kommt, rückte bis zum Xetra-Schluss um 0,1 Prozent auf 9815 Zähler vor. Der EuroStoxx50 notierte 0,1 Prozent leichter bei 3227 Punkten.

Anleger rätseln über US-Zinspolitik

Für Verunsicherung sorgten zuletzt die US-Konsumausgaben im Mai. Sie zeigten, dass sich die Amerikaner trotz sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Einkommen bislang zurückhalten. Anfang der Woche erlitten Anleger bereits einen "Mini-Schock", nachdem die erste Schätzung für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) enttäuscht hatte, wie David Kohl von Julius Bär zusammenfasste. "Das verdirbt den Appetit auf risikoreiche Anlagen."

Rückenwind bekommt die US-Konjunktur hingegen weiterhin von Liquiditätsspritzen der Zentralbank Fed. Bislang peilen die meisten Geldpolitiker eine Zinserhöhung erst für nächstes Jahr an. Auch in Europa sind die Schleusen der Europäischen Zentralbank weit geöffnet. "Der Markt ist gerade im Zwiespalt zwischen lockerer Geldpolitik und den schwelenden Krisen im Irak und der Ukraine", sagte Stratege Robert Halver von der Baader Bank. Es sei schwer, eine klare Richtung zu finden.

Die Verfassung der US-Konjunktur ist entscheidend für die weitere Zinspolitik der Notenbank. Bislang peilen die meisten Geldpolitiker eine Zinserhöhung erst für nächstes Jahr an. Am Donnerstag ließen die Äußerungen von US-Notenbanker James Bullard allerdings aufhorchen: Er rechnet bis Ende 2015 mit einer deutlich anziehenden Inflation auf 2,4 Prozent.

In diesem Fall könnten frühere Zinserhöhungen wahrscheinlicher werden, da sich die Fed eine Inflationsrate von zwei Prozent zum Ziel gesetzt hat. "Die erste Zinsanhebung könnte nun bereits im Frühjahr kommenden Jahres stattfinden, nicht erst im Sommer", sagte ein Händler.

Wasserstandsmeldungen aus Frankreich

Anleger mussten am letzten Handelstag der Woche auch eine Reihe weiterer Konjunkturdaten verarbeiten: So ist Frankreich bei der Revision des BIP zum ersten Quartal zwar mit einem blauen Auge davongekommen - es verharrte genau auf der Nulllinie. Händler werteten die Zahlen aber dennoch negativ, da nur Regierungsausgaben und der Lageraufbau bei Unternehmen vor einem Rückgang bewahrt hätten.

Zudem rutschen die Erzeugerpreise ins Minus, die Arbeitslosigkeit verharrt derweil auf einem Rekordhoch. Der Einbruch der französischen Wirtschaftsdaten und der drohende Rückfall in die Rezession hatten die Märkte schon zuvor belastet. Leicht positiv wird indes der Anstieg des Konsums in Spanien gewertet.

Analystenstimmen bewegen

Zu den Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von RWE, die sich nach einem Analystenkommentar von Macquarie um 1,5 Prozent auf 31,65 Euro verteuerten. Die Experten nahmen die Bewertung der Titel mit "Overweight" und einem Ziel von 37 Euro auf.

Fresenius Medical Care (FMC) profitierten dagegen vom Ausbau des Dialyseangebots in den USA. Für rund 600 Millionen Dollar kauft das Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an Sound Inpatients Physicians, einem Netzwerk von Krankenhausärzten in Amerika. Die Aktien notierten 1,8 Prozent fester.

Deutsche Börse gewannen 2,5 Prozent und markierten damit die Dax-Spitze. "Der Kurs profitiert von der Diskussion um die so genannten Dark Pools", sagte ein Händler. Sollte die in den vergangenen Jahren an den verschiedenen Märkten zersplitterten Aktienumsätze wieder zusammengeführt werden, könnte die Deutsche Börse einer der Gewinner der Entwicklung werden.

Auf der Verliererseite litten die Chemiewerte unter einem schwachen Ausblick von Dupont. Bayer und BASF verloren 0,4 bzw. 0,5 Prozent. Der amerikanische Chemiekonzern hat wegen seines schleppend verlaufenden Agrargeschäfts die Gewinnprognose gesenkt. Für das Gesamtjahr erwartet Dupont nur noch ein operatives Ergebnis von vier Dollar je Aktie, zuvor war das Unternehmen von 4,10 Dollar je Anteilsschein ausgegangen. Dupont-Aktien fielen im nachbörslichen US-Handel um rund vier Prozent.

Vossloh kippt Prognose

Für Enttäuschung sorgte auch der Bahntechnikkonzern Vossloh, der seine Jahresziele begraben musste. Statt eines Gewinns rechnet das Unternehmen 2014 nun mit einem operativen Minus (Ebit) von 150 bis 180 Millionen Euro. Der neue Vorstand will den Konzern umbauen, die daraus entstehenden Kosten belasten die Bilanz. Die Aktie verlor im SDax 9,6 Prozent.

Adidas notierten 1,1 Prozent höher. Der Aktienkurs zog im Schlepptau deutlicher Kursgewinne von Nike an. Der US-Rivale hat im abgelaufenen Quartal ein überraschend kräftiges Umsatzplus von 13 Prozent verbucht. Nike konnte bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertreffen. Positiv hebt ein Teilnehmer zudem die Tatsache hervor, dass Nike höhere Preise durchsetzen konnte.

Mediaset: Kursrakete in Mailand

Der Kompromiss zur Vergabe der TV-Rechte für die erste italienische Fußballliga hievte Mediaset derweil an die Spitze des Mailänder Auswahlindex. Die Aktien des Konzerns des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verbuchten ein Kursplus von vier Prozent. Einem Insider zufolge teilen sich Mediaset und Rivale Sky Italia in den kommenden drei Spielzeiten die Rechte zur Live-Übertragung der Begegnungen der acht wichtigsten Teams der "Serie A". Der Schwestersender von Sky Deutschland dürfe darüber hinaus die Spiele der übrigen zwölf Erstligisten exklusiv zeigen. Mediaset übertrage zwar künftig weniger Spiele und müsse dafür mehr zahlen, sagten Börsianer. Dennoch sei der Kompromiss akzeptabel.

Die Aussicht auf zusätzliche Bestellungen des Flugzeugbauers Airbus gaben unterdessen Rolls-Royce Holdings Auftrieb. Die Aktien des britischen Triebwerk-Herstellers stiegen um 2,2 Prozent auf 1069 Pence.

In Paris notierten Airbus 1,6 Prozent höher. Einem Reuters-Exklusivbericht zufolge steht Airbus kurz vor der Entscheidung, die neue Version des Flugzeug-Typs A330 mit Rolls-Royce- statt wie bisher mit General Electric-Triebwerken auszurüsten. Der Airbus-Aufsichtsrat müsse die Entscheidung noch absegnen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Quelle: n-tv.de

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