Wirtschaft
Erst steil nach oben, dann wieder runter geht es am Nachmittag mit dem Dax.
Erst steil nach oben, dann wieder runter geht es am Nachmittag mit dem Dax.(Foto: picture alliance / dpa)

EZB kann nicht beflügeln: Dax schmiert nach Rekordhoch ab

Erst top, dann flop: Zunächst lassen Aussagen von EZB-Chef Draghi den Dax in die Höhe schießen und am Nachmittag ein neues Rekordhoch markieren. Die Ernüchterung folgt aber auf dem Fuße: Der Leitindex fällt wie ein Stein - und schließt mit einem satten Minus.

Mit den Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi wurden die Märkte einmal mehr durcheinandergewirbelt. Nachdem der Dax zunächst auf ein neues Allzeithoch von 10.084 Punkten gestiegen war, fiel er danach wieder wie ein Stein.

Am Ende schloss der Dax mit einem Verlust von 1,2 Prozent bei 9851 Punkten. Der Nebenwerteindex MDax verlor 0,9 Prozent auf 16.969 Zähler, der TecDax notierte 0,5 Prozent im Minus bei 1357 Punkten.

Marktteilnehmer sagten, dass die Erwartungen an die EZB hochgespannt gewesen sein. Bei der ersten Erwähnung des Wortes "Staatsanleihen" von Draghi dürften Computerhändler den Markt gekauft und auf das neue Allzeithoch getrieben haben. Die Ernüchterung sei dann auf dem Fuße gefolgt, als man dem EZB-Chef tatsächlich zugehört habe. Draghi sagte, dass die Wirkung der Langfristtender abgewartet werden soll. Dies habe zu sofortigen Verkäufen der Aktien-Indizes und Eindeckungen von Euro-Shorts geführt. Der Euro legte darauf deutlich um knapp einen Cent auf 1,24 Dollar zu.

Die Fantasie auf weitere Maßnahmen hätte er aber aufrechterhalten für das erste Quartal des kommenden Jahres, sagten Teilnehmer. Die Inflationserwartungen wurden weiter nach unten genommen. Die Aktienmärkte dürften daraufhin mittelfristig weiter steigen.

Conti halten sich wacker

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Konjunkturabhängige Werte aus der Automobilbranche zählten heute zu den Favoriten im Dax. Daimler, VW und Conti legten zwischenzeitlich jeweils rund 1,6 Prozent zu, büßten aber mit dem Trend zunehmend ihren Gewinn wieder ein. Lediglich Conti verbuchten am Ende noch ein Plus von 0,9 Prozent.

Spitzenreiter im Dax waren erneut die Papiere von Infineon, die um 3,0 Prozent stiegen. Bereits am Vortag hatten die Titel dank optimistischen Tönen des US-Konkurrenten Microchip mehr als drei Prozent zugelegt.

Airline-Aktien standen im Fokus, nachdem Europas größter Billigflieger Ryanair seine Gewinnprognose abermals nach oben schraubte. Lufthansa gehörten daher auch mit einem Plus von 1,0 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax - obwohl die Fluggesellschaft von einem neuen Pilotenstreik betroffen ist.

Größte Verlierer im Dax waren Commerzbank-Aktien, die um satte 3,3 Prozent nachgaben. Auch Adidas schnitten mit einem Verlust von 2,5 Prozent schwach ab - in den vergangenen sechs Monaten hat die Aktie des Sportartikelherstellers damit mehr als 21 Prozent an Wert verloren.

Rheinmetall an MDax-Spitze

Ebenfalls nach oben ging es für die Aktien von Tui Travel, die sich in London um vier Prozent verteuerten. Der britische Reiseanbieter zieht mit einem überraschend kräftigen Gewinnplus in die Fusion mit der deutschen Mutter Tui. Tui war mit einem Plus von 2,6 Prozent der zweitgrößte MDax-Gewinner. Bis Ende des Jahres soll die Verschmelzung von Tui Travel mit dem Mutterkonzern aus Hannover vollzogen werden. Dadurch entsteht der größte Reisekonzern der Welt.

An der MDax-Spitze landeten am Ende Rheinmetall: Die Analysten von Close Brothers Seydler hatten der Aktie auf die Sprünge geholfen. Die Titel stiegen um bis zu 4,7 Prozent auf 36,19 Euro. Die Experten hatten Rheinmetall auf "buy" von "hold" hochgestuft und das Kursziel auf 46 von 32 Euro erhöht.

Für Enttäuschung sorgte der neue Kuka-Großaktionär Voith, der sich mit einer Beteiligung von 25,1 Prozent zufriedengibt. Im MDax fielen die Titel des Roboterbauers um 4,7 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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