Dicke Verluste im Angstmonat MaiDax rauscht runter

Der deutsche Aktienmarkt legt im Mai eine Bilderbuchentwicklung hin - zumindest für Anhänger von Börsenweisheiten: Getreu dem Motto "Sell in May and go away" rutscht der Markt im vermeintlichen Wonnemonat kräftig ab. Von den seit Jahresanfang kräftigen Kursgewinnen bleibt da nur wenig übrig.
Die Sorgen um die Entwicklung in Spanien haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag einmal mehr kräftig belastet. Im späten Handel drohte der Leitindex Dax sogar unter den Durchschnittskurs der vergangenen 200 Tage zu fallen, schaffte aber exakt auf der charttechnisch wichtigen Kursmarke von 6208 Punkten die Tageswende. Dennoch verbuchte der deutsche Aktienmarkt mit fast 500 Punkten Verlust die schlechteste Mai-Entwicklung seiner Geschichte.
Der Dax beendete den Handelstag dank eines letzten Aufbäumens in der Schlussauktion mit einem Kursverlust von 0,3 Prozent bei 6264,38 Punkten. Auf Monatssicht verlor der Leitindex damit 7,3 Prozent und machte der Börsianerregel "Sell in May and go away" alle Ehre. Der MDax verlor 0,6 Prozent auf 10.147,82 Zähler. Der TecDax ging dagegen quasi unverändert aus dem Handel bei 751,01 Zählern.
Börsianer machten für die Kursverluste vor allem die Euro-Schuldenkrise verantwortlich. Dabei missfällt ihnen vor allem die Ratlosigkeit der Verantwortlichen in den Hauptstädten der EU und am EU-Sitz in Brüssel. "Man hat den Eindruck, die Politiker hätten noch nicht begriffen, wie brenzlig die Lage ist", kritisierte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research das Krisenmanagement. EZB-Chef Mario Draghi forderte denn auch die Regierungen der Euro-Zone auf, eine klare Vision für die Zukunft der Währungsunion zu entwerfen. Die Notenbank könne das durch Inaktivität entstandene Vakuum nicht füllen, fügte der Italiener bei einer Anhörung im Europäischen Parlament in Brüssel hinzu.
Doch auch von konjunktureller Seite aus den USA hatten Börsianer am Donnerstag nichts zu lachen. Eine enttäuschende Arbeitsmarktentwicklung, ein nach unten revidiertes Wirtschaftswachstum sowie sehr verhaltene Einkaufsmanager sorgten durch die Bank für lange Gesichter.
Vorhang für die "Joe-Show"
Auf der Unternehmensseite stand die Hauptversammlung der Deutschen Bank im Fokus des Interesses. Denn dort verabschiedete sich die alte Führungsriege um Josef "Joe" Ackermann von den Aktionären. Einen Tag später tritt dann die neue Mannschaft um Anshu Jain und Jürgen Fitschen ihre Jobs an. Allerdings rätseln selbst Insider, was von der neuen Doppelspitze zu erwarten ist. Die Aktien des Primus unter den heimischen Kreditinstituten beendete den Handel mit einem Kursaufschlag von 0,9 Prozent.
Ein positiver Analystenkommentar trieb SAP 1,0 Prozent nach oben fast an die Gewinnerspitze. UBS senkte zwar das Kursziel von 56 auf 51 Euro, erhöhte jedoch die Handlungsempfehlung von "Neutral" auf "Buy". Als mutig und riskant bezeichnete die UBS den geplanten Verkauf von Ariba durch SAP. Die Integration sei mit hohen Risiken verbunden, weil SAP nicht nur eine, sondern zwei Cloud-"Kulturen" pflege. Wenn sie aber erfolgreich sei, dürften Anleger mit der Zeit hohe Renditen einfahren.
Der Pharmakonzern Merck legte dank einer positiven Analysteneinschätzung 0,7 Prozent zu. Die LBBW blieb bei ihrer Einschätzung "Halten", hob aber das Kursziel von 77 auf 80 Euro an.
Die Metro profitierte als stärkster Dax-Titel weiter von ihrem Verkauf der verlustreichen Aktivitäten in Großbritannien. Die Papiere des Handelskonzerns legten um 1,6 Prozent zu, nachdem sie am Vortag als einziger Dax-Titel Zuwächse verzeichnet hatten.
Am schwächsten entwickelten sich die Papiere von ThyssenKrupp, die sich um 3,9 Prozent verbilligten.
HeidelbergCement wurden 2,0 Prozent leichter gehandelt. Die Analysten von Morgan Stanley hatten die Aktien des Baustoffherstellers auf "Equalweight" von "Overweight" herabgestuft. Sie zogen Lafarge dem deutschen Wettbewerber vor, die Franzosen seien stärker als HeidelbergCement in den wachstumsstarken Schwellenländern engagiert.
Im TecDax ragten die Aktien von Nordex mit einem Plus von 6,5 Prozent hervor. Die Titel profitierten laut Händlern von der Verhängung von Strafzöllen in den USA gegen chinesische Windkraftanlagen-Betreiber. Das US-Handelsministerium hatte am Vorabend kritisiert, die Preise für die Anlagen seien wegen staatlicher Subventionen zu niedrig. "Für Nordex eröffnen sich da vielleicht neue Chancen im US-Geschäft", begründete ein Händler das Kaufinteresse der Anleger.
Kursabschläge für die Dividendenausschüttung mussten Anleger bei Baywa und Stada berücksichtigen, die das Kursminus der beiden Unternehmen rechnerisch teils aufwiegt. Agrarhändler Baywa schüttete 60 Cents je Aktie aus und beendete den Handel mit einem Minus von 21,5 Cent oder 0,8 Prozent. Beim Arzneikonzern Stada konnten sich Anleger über eine Gewinnausschüttung von 0,37 Euro je Aktie freuen, der Kursabschlag zum Handelsschluss von 3,1 Prozent oder 74 Cents fiel jedoch deutlich stärker aus.