Wirtschaft
Kurssprung über volle 432 Prozent: Nicht jeder hat die Studienergebnisse bei Celator Pharmaceuticals rechtzeitig mitbekommen.
Kurssprung über volle 432 Prozent: Nicht jeder hat die Studienergebnisse bei Celator Pharmaceuticals rechtzeitig mitbekommen.(Foto: AP AP)

Dow schließt auf Jahreshoch: Dax schwächelt vor Fed-Entscheidung

Nichts zu gewinnen gibt es am zweiten Tag der Handelswoche für den Dax. Die Vorgaben der Übersee-Börsen in Japan und den USA sind mau. Die Anleger halten sich vor der Fed-Sitzung zurück. In den USA sorgen starke Impulse für Bewegung.

Nicht aus der Verlustzone kamen die wichtigsten deutschen Aktien während des gesamten Handelstages. Und so verbuchte der Leitindex Dax auch am Ende ein Minus von 0,6 Prozent und schloss bei 9934 Zählern. Das waren 56 Punkte weniger als am Vortag. Die da noch überschrittene 10.000-Punkte-Marke blieb heute unerreicht. Das Umfeld für den Aktienmarkt hatte sich leicht eingetrübt, die Vorgaben der asiatischen Börsen wurden eher negativ gewertet, auch die schwache Wall Street konnte keine Impulse geben.

Die Währungshüter der Bank of Japan hatten zwar wie erwartet die Geldpolitik bestätigt, allerdings keinerlei zusätzliche Indikationen über weitere Lockerungsmaßnahmen geliefert. Gleichwohl zeigten sie sich beim wirtschaftlichen Ausblick vorsichtiger. Der Yen hatte mit Aufschlägen auf die geldpolitische Entscheidung der japanischen Notenbank (BoJ) reagiert - in der Regel ein negatives Zeichen für die Aktienmärkte. Negativ wurde auch die Entwicklung des Ölpreises gewertet, der weiterhin eine anhaltende Korrelation zum Aktienmarkt aufweist.

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Gegen steigende Kurse sprach auch die Zurückhaltung der Anleger vor der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve am Mittwochabend (MEZ). Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der aktuellen Sitzung wird am Markt derzeit gerade einmal mit 4 Prozent eingepreist. Viel spannender für den Markt wird der Ausblick werden. Nach zuletzt besseren Wirtschaftsdaten könnte die US-Notenbank die Zinsfantasie wieder beflügeln. Zuletzt wurde an den Finanzmärkten gerade einmal eine Erhöhung im laufenden Jahr eingepreist. Zu Jahresbeginn hatten die Fed-Projektionen noch bis zu 4 Schritte angedeutet.

Die Nachrichtenlage war vergleichsweise dünn. Die Berichtssaison neigt sich so langsam ihrem Ende entgegen.

Frankfurt: VW, BASF und Linde unter Druck

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Der Dax schloss am Ende 0,6 Prozent leichter auf 9934 Punkten. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es X,X Prozent nach unten auf 19.920 Zähler. Ein Minus von 0,8 Prozent verzeichnete der TecDax, der auf 1631 Punkte fiel. Der Eurozonen-Index mit deutscher Beteiligung, Euro-Stoxx-50, verlor 0,8 Prozent auf 3068 Punkte.

Zu den größten Verlierern im Dax zählte Volkswagen. Profi-Investoren verklagen den Autobauer wegen der Abgasaffäre auf rund 3,3 Milliarden Euro Schadensersatz. "Das ist keine gute Nachricht, obwohl es erwartet werden konnte", sagt ein Börsianer. VW-Titel verloren 2,2 Prozent.

Ebenfalls weit hinten im Dax landeten Linde. Das US-Analysehaus Bernstein Research hatte Linde auf "Underperform" nach "Marketperform" gesenkt. Die Aktien sanken um 2,8 Prozent. Auch BASF hatten die Analysten abgestuft, ihr Votum lautet nun "Marketperform" nach "Outperform". Das Papier gab in der Folge 0,8 Prozent nach.

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Im SDax zog der Kurs der Sixt-Aktie um 3,3 Prozent an, der der Tochter Sixt Leasing verbesserte sich um 2,9 Prozent. Das dürfte die Reaktion auf die Ankündigung des Autovermieters sein, sein Kapital herabzusetzen. Zu diesem Zweck will Sixt Stamm- und Vorzugsaktien im Gegenwert von insgesamt bis zu 50 Millionen Euro zurückkaufen und diese dann einziehen. Zudem schüttet der Konzern eine Sonderdividende aus und erhöht die Basisdividende. Die Gesamtausschüttungssumme steigt um etwa ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr.

Ebenfalls zulegen konnten im SDax anfangs Schaeffler. Positiv kamen an der Börse die Geschäftszahlen an, die Aktie notierte am Ende jedoch 0,5 Prozent im Minus. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen erhöhte sich vor Sondereffekten um 115 Millionen Euro auf 1,676 Milliarden und fiel damit knapp 10 Prozent höher als die Markterwartung aus. Die Aktionäre werden in Folge mit einer Sonderdividende bedacht, für 2015 sollen insgesamt 0,50 Euro je Aktie ausgezahlt werden und damit deutlich mehr als die erwarteten 0,40 Euro je Aktie.

USA: Apple verleiht US-Börsen Auftrieb

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Der anstehende Zinsentscheid der US-Notenbank ließ auch die Anleger in New York vorsichtig agieren. Die Nervosität ließ im späteren Verlauf der Sitzung allerdings nach, und die Kurse verringerten ihre Verluste oder rückten sogar in positives Terrain vor. Der Dow-Jones-Index schloss - aufgrund der Zeitumstellung in den USA eine Stunde früher als gewohnt - 0,1 Prozent höher bei 17.252 Punkten. Das weltweit beachtete Börsenbarometer erreichte damit den bislang höchsten Schlusskurs des laufenden Jahres. Im Hintergrund hätten vor allem die Aktien von Apple gestützt, die 2,1 Prozent gewann, nachdem sich Morgan Stanley zuversichtlich zum iPhone-Absatz geäußert hatte. Der S&P-500 gab dagegen um 0,18 Prozent auf 2015,93 Punkte ab. Der Nasdaq-Composite büßte 0,5 Prozent ein. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schüttelte seine Anfangsverluste fast ab. Er schloss mit minus 0,01 Prozent bei 4367,08 Punkten.

Anleger zeigen sich vor allem vorsichtig wegen der bevorstehenden Zinsentscheidung der Federal Reserve (Fed), die ihren Beschluss am Mittwoch mitteilen wird. Zwar ist eine Zinserhöhung unwahrscheinlich, doch umso mehr Aufmerksamkeit dürften das Statement der Fed und die Aussagen von Notenbank-Chefin Janet Yellen finden. Die Fed versuche, den Juni im Blick zu behalten für eine mögliche Zinserhöhung, meinte Aaron Kohli von BMO Capital Markets.

Bei den aktuellen Konjunkturdaten lieferte der Empire-State-Index eine positive Überraschung. Er lag statt der befürchteten minus 10 mit 0,62 leicht im Plus nach minus 16,64 im Februar. Der Index beruht auf der Befragung von Produzenten im Bundesstaat New York. Die Erzeugerpreise wie auch der Einzelhandelsumsatz, jeweils für den Februar, lagen dagegen im Rahmen der Prognosen.

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Sorgen bereitete der Wall Street der Ölpreis, der bereits den zweiten Tag in Folge nachgab. Von der optimistischen Stimmung der Vorwochen ist bei Öl aktuell kaum noch etwas zu spüren. Der Preis für die US-Sorte WTI kam 2,3 Prozent bzw 0,84 Dollar zurück auf 36,34 Dollar. Rohöl der Nordseesorte Brent ermäßigte sich um 2 Prozent beziehungsweise 0,79 Dollar auf 38,74 Dollar. Nachdem der Fokus der Marktteilnehmer in den vergangenen Wochen stärker auf den Rückgang der US-Ölproduktion und den dadurch möglichen Abbau des Überangebots gerichtet gewesen sei, scheine nun wieder das aktuelle Überangebot stärker Beachtung zu finden, so die Analysten der Commerzbank.

Bei den Einzelwerten verzeichnete der Kurs bei Celator Pharmaceuticals nach positiven Studienergebnissen zu einem Blutkrebsmedikament einen Riesensatz von sage und schreibe 432 Prozent. Dagegen verloren die Aktien von Dover 1,4 Prozent. Das Industrieunternehmen senkte den Ausblick für das erste Quartal. Es seien "tiefere Einschnitte" als bislang gedacht notwendig.

Children's Place rückten um 8,2 Prozent vor. Die Kinderbekleidungskette hatte im vierten Quartal die eigenen Gewinnziele und die optimistische Erwartung des Marktes übertroffen. Grundlage war ein starkes Wachstum des Einzelhandelsumsatzes um flächenbereinigt 6,7 Prozent. Die Dividende erhöhte das Unternehmen um ein Drittel.

Die Unsicherheit darüber, wann der Pharmahersteller Valeant seine Geschäftszahlen für 2015 veröffentlicht, setzte den Kurs stark unter Abgabedruck. Das Papier durchbrach den Wert von 50 Dollar, den Leerverkäufer im Oktober als Zielmarke anvisiert hatten. Nach dem Rekordhoch vom August, als die Aktie mit 262 Dollar gehandelt wurde, schien dieses Ziel noch in weiter Ferne. Die Aktie stürzte nun um 51,5 Prozent auf 33,51 Dollar ab.

Asien: Minuszeichen überwiegen

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Die Börsen in Asien und Australien verzeichneten leichte Abgaben. Nach der Sitzung der Bank of Japan (BoJ) ging es mit den Kursen abwärts. Die Entscheidung der Notenbank, die Zinsen unverändert zu lassen, war von den Märkten mehrheitlich erwartet worden. Die BoJ zeigte sich aber etwas pessimistischer in Bezug auf die konjunkturelle Tendenz. Sie ergänzte in ihrer Erklärung das Wort "Trend" für die aktuelle Entwicklung. Dies werteten Volkswirte als Hinweis, dass die Wirtschaft noch nicht auf den Erholungspfad zurückgekehrt sei. Die BoJ senkte zugleich ihre Inflationserwartungen.

In Tokio rutschte der Nikkei-225 mit den Aussagen in negatives Terrain, nachdem er sich zuvor noch wenig verändert gezeigt hatte. Japans Leitindex gab um 0,7 Prozent nach und schloss bei 17.117 Punkten. Auch an den anderen Handelsplätzen gaben die Indizes im Anschluss an die BoJ-Entscheidung nach. In Sydney ging es um 1,4 Prozent nach unten, der Shanghai Composite verlor 0,2 Prozent auf 2864 Punkte und der Hang-Seng-Index in Hongkong gab um 0,7 Prozent auf 20.284 Zähler nach.

Die BoJ beließ das Zinsniveau mit minus 0,1 Prozent weiter im negativen Bereich, betonte allerdings zugleich frühere Aussagen, dass weitere Senkungen möglich seien, sollte dies notwendig werden. Die Analysten von Capital Economics rechnen im April mit weiteren Schritten der japanischen Notenbank. "Es gibt aktuell einen deutlichen Gegenwind für das Ziel der BoJ, die Inflation wieder auf 2 Prozent zu bringen", so die Experten. Sie erwarten eine weitere Senkung der Zinsen auf der Sitzung im April auf minus 0,3 Prozent und eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms von 80 Billionen auf 90 Billionen Yen.

Rohstoffe: Iran belastet Ölpreise

Die Ölpreise setzten ihre Abwärtstendenz fort. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI reduzierte sich am späten Nachmittag um 1,20 Dollar oder 3,2 Prozent auf 35,98 US-Dollar. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,27 Dollar oder 3,1 Prozent auf 39,49 US-Dollar.

Händler verwiesen zur Begründung für die weiter fallenden Preise auf Aussagen des iranischen Ölministers, wonach sich das Land an einem einfrieren der Fördermenge auf dem Januar-Niveau nicht beteiligen wird. "Wenn man die Fördermenge einfriert, dann schenkt man dem Iran Marktanteile", sagte Energie-Analystin Virendra Chauhan von Energy Aspects. "Die Realität ist, dass es vor Dezember keine Senkung der Fördermenge geben wird".

Der Goldpreis verblieb auf dem niedrigeren Stand vom Montag, als er gegenüber dem Tageshoch rund 30 Dollar je Feinunze abgegeben hatte. Zuletzt wurde die Feinunze mit 1233 Dollar bezahlt.

Devisen: Euro über 1,11 US-Dollar

Der Kurs des Euro ist ohne klare Richtung geblieben und hat um 1,11 US-Dollar geschwankt. Am Nachmittag lag die Gemeinschaftswährung bei 1,1113 Dollar und damit leicht über dem Niveau vom Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1109 (Montag: 1,1119) US-Dollar festgesetzt.

Das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der EU (Brexit) hat die Währung des Vereinigten Königreichs auf Talfahrt geschickt. Das Pfund verbilligte sich um ein Prozent auf 1,4165 Dollar. Laut einer Umfrage für den "Daily Telegraph" liegt das Lager der "Brexit"-Befürworter zwei Prozentpunkte vor dem Lager der "Brexit"-Gegner.

Größere Bewegung gab es am südafrikanischen Devisenmarkt. Ein US-Dollar kostete erstmals in diesem Monat wieder über 16 Rand. Die südafrikanische Währung war stark unter Druck geraten, nachdem sich eine Polizeibehörde entschlossen gezeigt hatte, Finanzminister Pravin Gordhan dazu zu bringen, im Zuge aktueller Ermittlungen eine Aussage zu machen. In dem Fall geht es um Gordhans vorherige Tätigkeit als Chef der Steuerbehörde. Bereits in der Vergangenheit hatten Unsicherheiten um den Posten des südafrikanischen Finanzministers den Devisenmarkt bewegt.

Quelle: n-tv.de

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