Wirtschaft
Biite nicht drängeln, sondern immer schön der Reihe nach.
Biite nicht drängeln, sondern immer schön der Reihe nach.(Foto: picture alliance / dpa)

Immer den US-Börsen hinterher: Dax schwimmt sich frei

Zunächst sieht es so aus, als gelänge nach dem rabenschwarzen Dienstag gar nichts. Bestenfalls vielleicht den Status Quo zu erhalten. Denn das "italienische Problem" ist nicht aus der Welt. Aber dann geht doch was. Einen Stimmungswandel will das keiner nennen.

Der deutsche Aktienmarkt hat sein Kursplus am Nachmittag überraschend ausgebaut. Von einem Stimmungswandel könne deshalb überhaupt keine Rede sein, der Markt sei vor allem "technisch" getrieben, sagte ein Händler: "Die Anleger halten sich zurück, denn sie haben Angst, wieder auf dem falschen Fuß erwischt zu werden." Dieser Zustand dürfte nun mindestens einige Wochen andauern. Diese Ansicht teile viele Marktteilnehmer.

Der Dax nahm ein Plus von 1,0 Prozent und damit 7.675 Punkte mit in den Feierabend. Am Vortag hatte er 2,3 Prozent eingebüßt. Der MDax schaffte ein Plus von 1,1 Prozent auf 13.140 Zählern. Der TecDax machte 0,5 Prozent Boden gut auf einen Stand von 908 Zähler.

Den Anlegern sitzt der Schock des Wahlausgangs in Italien aber weiter tief in den Knochen. Eine positiv verlaufene italienische Anleiheauktion sorgte zumindest dafür, dass der Abwärtsdruck sich nicht verstärkte. Von einer Beruhigung an den Finanzmärkten im Zusammenhang mit Italien wollten Händler deshalb aber nicht sprechen. "Das italienische Problem bleibt ja erst einmal", sagte ein Börsianer. Die politische Entwicklung in Rom und die unklaren Mehrheitsverhältnisse im Parlament würden weiterhin mit Argusaugen beobachtet.

Gute Nachfrage nach italienischen Anleihen

Die mit Spannung erwartete Auktion italienischer Staatsanleihen war entgegen allen Befürchtungen gut nachgefragt. Wie erwartet, forderten die Investoren aber eine höhere Risikoprämie von dem Schuldner. Italien muss dafür die Zeche für die unsichere politische Situation in Folge der Wahlen zahlen. Die Finanzmärkte nahmen den Anstieg der Zinskosten jedoch gelassen auf.

"Die Auktion war eher positiv", sagte ein Händler. Viele seien einfach nur erleichtert, fügte Nick Stamenkovic, Rentenstratege bei RIA Capital Markets in Edinburgh, hinzu. Die Überzeichnung zeige, dass einige Anleger an die Bildung einer Koalition glaubten. Johannes Rudolph, Anleihen-Analyst von HSBC Trinkaus, erklärte: "Die gute Nachricht ist, dass der Markt nicht mit Panik auf die Wahlergebnisse aus Italien reagiert hat." Die Rendite für die zehnjährigen Titel sei zwar angestiegen und damit sei es für Italien teurer als gedacht geworden. "Aber insgesamt war die Nachfrage gut und die Auktion erfolgreich."

Klar negativ wurde von den Finanzmärkten dagegen die Nachricht bewertet, dass die US-Ratingagentur Moody's wegen der instabilen politischen Lage in Rom die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens erwägt. Die Agentur warnt vor dem Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Europa. Sollte Moody's tatsächlich die Kreditwürdigkeit Italiens herunterstufen, würden sich die Kosten für die Refinanzierung der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone an den Kapitalmärkten noch weiter erhöhen.

USA steuern auf Fiskalklippe zu

Aber nicht nur die Italien-Wahl lag den Anlegern auf dem Magen. Für Verunsicherung sorgten auch die am Freitag drohenden Ausgabenkürzungen in den USA. Derzeit zeichnet sich kein Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten ab. Die Kürzungen haben ein Volumen von 1,2 Bill. Dollar über einen Zeitraum von neun Jahren und könnten das US-Wachstum im laufenden Jahr um schätzungsweise 0,5 Prozentpunkte belasten. Dazu kamen enttäuschende US-Daten zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter. Mit einem Minus von 5,2 Prozent sind sie im Januar zwar weniger stark gefallen als die erwarteten 5,5 Prozent. Allerdings ist der Vormonatswert deutlicher nach unten revidiert worden.

Geschäftsergebnisse großer europäischer Unternehmen spielten angesichts der neu aufgeflammten Schuldenkrise weiterhin nur die zweite Geige.

Übernahmefantasie bei KDG raus

Bei den MDax-Titeln brachen die Aktien von Kabel Deutschland um 3,7 Prozent ein. Händler begründeten dies mit einem möglichen Aus für die geplante Übernahme durch Vodafone. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" hat Vodafone seine Übernahmepläne auf Eis gelegt.  

Salzgitter-Aktien zogen 6,1 Prozent an. Der Stahlkonzern hat seine eigenen Prognosen verfehlt, hofft für 2013 aber auf eine Ertragswende.

EADS gewannen um 6,5 Prozent an. Der Luft- und Raumfahrtkonzern hatte nach einem Gewinnanstieg seine Dividende angehoben. Die Aktien der O2-Muttergesellschaft Telefonica Deutschland drehten nach der Vorlage von Geschäftszahlen mit 2,4 Prozent ins Minus. Die Aktien werden 18. März in den paneuropäischen Stoxx600 aufsteigen.

Im SDax fielen die Aktien von Air Berlin um 3,9Prozent. Die Fluggesellschaft kündigte eine Wandelschuldverschreibung über 120 Mio. Euro an.

Quelle: n-tv.de

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