Wirtschaft
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Starke Signale der US-Industrie: Dax setzt Höhenflug fort

An der Börse sind die Vorzeichen weiter grün. Nach dem kräftigen Sprung am Vortag bleibt die Richtung dieselbe. Händler verweisen auf Konjunkturhoffnungen - und die weiter hohe Liquidität. Doch so ganz erklären können sie das große Plus nicht.

Anleger greifen weiter Aktien zu. Sie lassen sich von der Aussicht auf steigende Unternehmensgewinne locken. Diese wiederum fußen auf diffusen Hoffnungen auf ein Anziehen der US-Konjunktur sowie Anzeichen chinesischer Stimuli für die heimische Wirtschaft.

Der deutsche Leitindex Dax beendet letztlich den Handel 1,2 Prozent fester bei 9449 Punkten. Der MDax legte 0,9 Prozent auf 16.407 Stellen zu. Der TecDax stiegt um 1,3 Prozent auf 1236 Zähler. Der Eurozonen Leitindex Eurostoxx 50 klettert 1,0 Prozent auf 3130 Punkte. Im späten Handel waren die Europas Börsen von den Tageshochs deutlich zurückgekommen.  "Wir folgen den US-Vorgaben", sagte ein Händler dazu.

In den USA überraschten die Bestellungen der Industrie: Die Aufträge für für langlebige Güter zogen im Februar auf Monatssicht um 2,2 Prozent. Ökonomen hatten nicht einmal einen halb so starken Zuwachs erwartet. Die Deka-Bank verwies jedoch darauf, dass die Auftragseingänge für Investitionsgüter (ohne Verteidigung und Flugzeugbau) überraschend sanken und die Auslieferungen nur geringfügig zunahmen. Allerdings sei die Entwicklung der Unternehmenskredite seit Ende Januar stark aufwärtsgerichtet und kündet von einer sich bessernden Investitionsdynamik der Unternehmen.

Es bleibt etwas rätselhaft

Als Kurstreiber wertet ein anderer Händler vor allem, dass trotz überwiegend solider Konjunktursignale aus den USA die Zinsen dort nicht stärker steigen. "Kurzfristig werden die Märkte weiter steigen", sagte Anlagestratege Evan Lucas vom Brokerhaus IG Markets.

Die Stimmung der deutschen Verbraucher bleibt indes gut. Zwar rechnen die Bürger mit einer weiteren Erholung der Wirtschaft und planen mehr neue Anschaffungen, doch die Erwartungen an die Entwicklung der Einkommen gehen zurück. Der GfK-Konsumklimaindex stagnierte im April bei 8,5 Punkten.

Hinzu kamen erfreuliche Nachrichten aus Südeuropa: Die spanische Zentralbank rechnet für 2014 mit einem höheren Wachstum als die Regierung, und die Stimmung der italienischen Verbraucher hatte sich im März deutlich aufgehellt.

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Alles in allem sorgt der Umfang der Gewinne im Handel aber auch für Ratlosigkeit: "Am Montag wusste niemand wirklich, warum die Kurse einbrechen. Und gestern wusste niemand schlüssig zu erklären, warum die Kurse wieder so stark steigen", sagte der Händler.

Umstufungen im Blick

Im Dax schlossen alle Werte im Plus: Allen voran kletterten Daimler um 2,8 Prozent. Adidas verteuerten sich um 2,7 Prozent. Der Sportartikelhersteller profitiert von der sich nicht weiter verschärfenden krim-Krise. Russland ist eines der wichtigsten Länder für Adidas, die dort bereits seit Jahrzehnten Marktführer sind. ThyssenKrupp zogen 2,6 Prozent an. K+S legten in der Hoffnung auf steigende Kalipreise 2,2 Prozent zu.

Merck gewannen 1,2 Prozent. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern plant einen Aktiensplit im Verhältnis 2:1, so dass sich die Anzahl der Merck-Papiere verdoppeln würde. Der Preis der Papiere wird sich damit in etwa halbieren. "Der Preis für eine Merck-Aktie liegt bereits seit einem Jahr konstant deutlich über 100 Euro - durch einen Aktiensplit wollen wir die Aktie vor allem für Privatanleger attraktiver machen", begründete Konzernchef Karl-Ludwig Kley die Pläne. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 9. Mai über den Schritt entscheiden.

Die SAP-Papiere zogen ebenso 1,2 Prozent. Mit der Übernahme des US-Softwareanbieters für Zeitarbeit-Management Fieldglass will SAP seine Palette für Personalmanagement in der Datenwolke (Cloud) vervollständigen.

Am unteren Ende lagen - aber immer noch mit einem Mikro-Gewinn - Lufthansa. Das Unternehmen hat für Donnerstag bereits fast 600 Flüge gestrichen. Annulliert werden an den Flughäfen Frankfurt und München so gut wie alle innerdeutschen Flüge und Europaverbindungen. Üblicherweise stehen bei der Lufthansa an einem Wochentag 1800 Flüge auf dem Flugplan. Im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst will Verdi an diesem tag mehrere Flughäfen bestreiken. Allein in Frankfurt soll der Ausstand elf Stunden dauern.

Ein Händler sieht die größere "Gefahr" indes vom seit Freitag drohenden Pilotenstreik ausgehen. "Ein einziger Streiktag an den deutschen Flughäfen dürfte die Lufthansa-Aktie nicht stärker belasten. Aber ein Streik aller Piloten über mehrere Tage tut dem Unternehmen schon weh", sagt er.

Airbus glückt Landung auf Kapitalmarkt

In der zweiten Reihe verteuern sich Leoni um 5,4 Prozent. Close Brothers Seydler ist nach der Analystenkonferenz zuversichtlich, dass das Unternehmen 2014 seine Ziele erreichen wird. Aus Sicht der Bank ist die Ebit-Prognose für das laufende Geschäftsjahr konservativ, die für 2016 erscheine allerdings zu ambitioniert. In jedem Fall sei der positive Trend im Automobilmarkt immer noch intakt. Dies gelte vor allem für das Premium-Segment, wie die positiven Umsatzerwartungen von BMW oder Mercedes zeigten. Vor diesem Hintergrund sei der jüngste Kursrückgang der Leoni-Aktie ein guter Einstiegspunkt, um zu kaufen oder die Position auszubauen.

Auch die DZ-Bank geht weiter von tendenziell guten Nachrichten zum Markt als auch zum Unternehmen selbst aus. Die Aktie dürfte davon profitieren, wenn sich das Anlegerinteresse stärker auf die Entwicklung 2015/2016 richte. Für 2014 korrigieren die Analysten die Erwartungen leicht nach unten. Nach den jüngsten Kursrückgängen sei die Aktie attraktiv bewertet.

Stada setzen die Erholung nach ihrem blutigen Montag fort und kommen getrieben von einer Kaufempfehlung um weitere 2,7 Prozent zurück. Hier hatte zu Wochenbeginn das kassierte Jahresziel die Anleger schockiert.

Airbus erhöhten sich um 1,7 Prozent. Der Luft- und Raumfahrtkonzern ist nach nahezu fünf Jahren an den Euro-Kapitalmarkt zurückgekehrt. Das Unternehmen hat eine Anleihe über eine Milliarde Euro mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Kupon von 2,375 Prozent aufgelegt. Dies sei der geringste je gezahlte Kupon. Insgesamt seien Order von institutionellen Investoren für 3,8 Milliarden Euro eingegangen, teilte das Unternehmen mit. Fraport legen trotz des anstehenden Streiks 1,5 Prozent zu.

Gagfah stellt Dividende in Aussicht

Gagfah schlossen beinahe unverändert. Der Wohnungskonzern will nach der milliardenschweren Refinanzierung seine Anleger künftig wieder an der Gewinnentwicklung beteiligen. Für 2014 bekräftigte Vorstandschef Thomas Zinnöcker das Ziel, erstmals nach vier Jahren wieder eine Dividende zahlen zu wollen - sie soll zwischen 20 und 25 Cent je Aktie liegen. Für 2015 könnten es dann schon 40 bis 50 Cent sein

Kuka verloren 2,8 Prozent. "Der Ausblick von Kuka deckt sich mit den durchschnittlichen Erwartungen am Markt", sagt ein Händler. Die vorgeschlagene Dividende von 0,30 Euro je Aktie liege indes leicht unter seiner Schätzung von 0,35 Euro.

Im TecDax klettern SMA Solar 5,9 Prozent. Bechtle zogen 3,7 Prozent an. LPKF erhöhten sich um  3,3 Prozent.

Im SDax waren Zooplus gefragt und gingen 4,4 Prozent fester aus dem Handel. Der Tierfutter-Händler hatte die Rückkehr in die Gewinnzone bekanntgegeben. Das operative Ergebnis habe ihre Erwartungen übertroffen, schrieben die Analysten des Bankhauses Close Brothers Seydler.

Derweil ging das Rätselraten bei Air Berlin weiter. Die Krisen-Airline hatte ihre Bilanzvorlage um eine Woche auf morgen verschoben. Seitdem hielten sich Gerüchte über Fusionen und den Abschied vom Parkett. Doch nun scheint auch der neue Termin zu wackeln. Offenbar ist der Verhandlungsbedarf enorm. Das Papier hebt dies alles 1,5 Prozent ins Plus.

CAToil legten um 8,7 Prozent zu. Die unter anderem auf Schiefergasbohrungen spezialisierte Ölbohrfirma ist in Russland in Westsibirien, am Kaspischen Meer und in der Wolga-Ural-Region aktiv. Seit Anfang März hatten die Titel fast 25 Prozent verloren.

Abgestraft wurden dagegen Europas größter Fotoentwickler Cewe. Weil der Ausblick laut Händlern enttäuschte, verloren die Titel rund sieben Prozent. Anleger nutzten die Gelegenheit, um Kasse zu machen, sagte ein Börsianer. Seit Jahresbeginn haben die Cewe-Titel mehr als 30 Prozent zugelegt. Der SDax kommt im selben Zeitraum nur auf ein Plus von fast vier Prozent.

Quelle: n-tv.de

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