Wirtschaft
Die Inflation in der Eurozone ist derzeit äußerst niedrig.
Die Inflation in der Eurozone ist derzeit äußerst niedrig.(Foto: dpa)

Optimistische Anleger: Dax setzt auf Zinssenkung

Am Frankfurter Aktienmarkt dominieren die grünen Vorzeichen. Der Dax hält sich stabil über der Marke von 9000 Punkten. Börsianer stellen sich derzeit vor allem eine Frage: Senkt die EZB die Zinsen?

Die wichtigsten deutschen Aktienindizes sind freundlich in die neue Woche gegangen. Der Dax gewann 0,3 Prozent auf 9037 Punkte, während der MDax 0,5 Prozent auf 16.007 Zähler zulegt. Der TecDax legte 0,2 Prozent zu und stieg damit auf 1139 Punkte.

Händler sahen als Grund für die zuversichtliche Stimmung unter anderem Spekulationen auf eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank. Nach dem deutlichen Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone könnte die EZB am Donnerstag den Leitzins für die Währungsunion senken. "Alle Aufmerksamkeit richtet sich auf die Frage, ob die EZB die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik öffnet", so die Credit Agricole. "Eigentlich halten das alle für sehr unwahrscheinlich, dass die EZB schon in dieser Woche an der Zinsschraube drehen wird", sagte ein Händler. Doch angesichts einer zuletzt deutlich rückläufigen Inflationsrate in der Eurozone erscheint eine Senkung des Zinssatzes so wahrscheinlich wie lange nicht mehr. Seit die Spekulationen in der vergangenen Woche aufgeflammt sind, hat der Euro in der Spitze fast vier US-Cent verloren.

Helaba-Experte Ralf Umlauf ging allerdings nicht davon aus, dass die Notenbanker schon in dieser Woche an der Zinsschraube drehen werden. "Gegen eine unmittelbare Zinssenkung spricht zum einen die Tatsache, dass das moderate konjunkturelle Erholungsszenario intakt ist, zum anderen fehlt eine verbale Vorbereitung eines Zinsschrittes", argumentierte er. Auch die Analysten der Metzler-Bank waren skeptisch. Der Donnerstag als Termin für eine Zinssenkung sei verfrüht - "wir können uns aber gut vorstellen, dass es zu einer verbalen Ankündigung für eine Senkung im Dezember oder Januar kommt."

Ryanair drückt Lufthansa-Kurs

Positiv wirkten sich zudem gute chinesische Konjunkturdaten aus. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für die Dienstleistungsbranche war im Oktober auf 56,3 von 55,4 Punkten im Vormonat gestiegen – und damit auf den höchsten Stand seit 13 Monaten.

Andere Händler verwiesen auf gute Vorgaben aus den USA. Die Wall Street hatte am Freitag nach einem richtungslosen Handel fester geschlossen.

Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von K+S mit einem Plus von 9,2 Prozent. Die HSBC hatte die Titel von "Underweight" auf "Neutral" hochgestuft. Die Mehrzahl der Analysten sei noch sehr pessimistisch für den Wert, so ein Händler. "Wenn die Zahlen am 14. Dezember nicht katastrophal ausfallen, werden viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt."

Lufthansa schlossen nach schwachem Verlauf 0,3 Prozent im Plus. Billigflieger Ryanair hatte zum zweiten Mal binnen weniger Monate seine Gewinnprognose gesenkt.

Mit einem Minus von 0,4 Prozent lag die Siemens-Aktie eher schwächlich im Gesamtmarkt. "Einige Anleger gehen auf Nummer sicher vor den Quartalszahlen am Donnerstag", sagte ein Händler. Ein zweiter Händler stimmt dem zu und verweist auf einen zurückhaltenden Kommentar seines Hausanalysten. Danach dürften die Zahlen keinen Kurstreiber für das Papier liefern. Auch stellt sich der Analyst auf einen zurückhaltenden Ausblick für 2014 ein. Von dem gesenkten Erwartungsniveau aus, könne sich das Unternehmen dann in der Folge wieder nach oben arbeiten.

Im MDax reagierten Anleger mit Käufen auf den Zwischenbericht von Fuchs Petrolub. Die Aktien des Schmierstoffherstellers kletterten um 5,7 Prozent. Die Investoren hätten mit schlechteren Zahlen gerechnet, sagte ein Händler. Daher seien die Titel zuletzt auch so unter Druck geraten. An den vergangenen fünf Handelstagen hatten Fuchs Petrolub mehr als vier Prozent eingebüßt. Börsianer bezweifelten allerdings, dass die Erholungsrally von Dauer sein dürfte. "Insgesamt hört sich der Ausblick doch sehr vorsichtig an", so ein weiterer Händler. Der Konzern hatte wegen der Eurostärke sein Wachstumsziel für dieses Jahr in Frage gestellt.

Unter Druck standen Stada, die sich nach einer Herunterstufung um 5,2 Prozent verbilligen. Die Deutsche Bank hatte die Titel auf "Hold" von "Buy" gesetzt.

Die Prognosesenkung bei SMA Solar sorgte zunächst für einen Kursrutsch von 10 Prozent. Doch wenige Minuten später erholten sich die Titel wieder und gingen schließlich 2,9 Prozent fester aus dem Handel. "Das Schlagwort Prognosesenkung hat die Anleger erst einmal ordentlich verschreckt. Aber auf den zweiten Blick erscheinen die SMA-Zahlen schon gar nicht mehr so schlimm - vor allem die Aussagen für 2014 stimmen die Anleger offenbar versöhnlich", sagte ein Händler. Für 2014 erwartet SMA einen Umsatzanstieg auf 1 bis 1,3 Milliarden Euro und den Sprung in die Profitabilität.

Quelle: n-tv.de

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