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Die trübe Stimmung ist wie weggeblasen.
Die trübe Stimmung ist wie weggeblasen.(Foto: dpa)

Fed zündet Kursfeuerwerk: Dax springt über 9800

Der Kurseinbruch zum Wochenbeginn scheint vergessen - der Dax fliegt förmlich wieder über die Marke von 9800 Punkten. Schub geben die Aussagen der US-Notenbank Fed. Die Deutsche-Bank-Aktie kümmert sich nicht um Dementis.

Mit einem Kursfeuerwerk hat der deutsche Aktienmarkt den Handel beendet. Erleichtert reagierten die Anleger auf das Ergebnis der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank. Zwar wurde im Fed-Kommuniqué der Passus gestrichen, dass die Zinsen noch "für eine beträchtliche Zeit" niedrig bleiben. Zum Ausgleich hieß es aber, dass man bei der Straffung der Geldpolitik "geduldig" vorgehen werde. Zusätzlich gestützt wurde die Stimmung durch den zweiten Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex in Folge.

Der Dax gewann 2,8 Prozent auf 9.811 Punkte. Die US-Notenbank habe auf ihrer Sitzung den richtigen Ton angeschlagen - nicht zu falkenhaft und nicht zu taubenhaft, hieß es im Handel. Die Commerzbank geht davon aus, dass die Fed am 17. Juni 2015 erstmals die Leitzinsen anheben wird. Als hilfreich für die Marktstimmung erwies sich auch die anhaltende Stabilisierung des Rubels und kräftige Kursgewinne an der Moskauer Börse. Händler sehen nun wieder die Chance auf eine durch die Russland-Krise unterbrochene Fortsetzung der Jahresendrally.

"Eine Woche vor Heiligabend ist der Weihnachtsmann nun auch an den globalen Aktienmärkten angekommen", sagte Marktstratege Stan Shamu vom Broker IG.

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Fed-Chefin Janet Yellen hatte am Vorabend angedeutet, dass die seit längerem erwartete erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise vermutlich nicht vor dem zweiten Quartal 2015 stattfinden wird. Laut Yellen wird es wahrscheinlich noch nicht auf "einer der beiden nächsten Sitzungen" - also im Januar oder März - soweit sein. An den Märkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank Mitte 2015 die Zinswende einläuten wird.

Die daraufhin einsetzende euphorische Reaktion an der Wall Street am Vorabend habe gezeigt, wie nervös die Anleger vor den Fed-Aussagen gewesen seien, sagte IG-Experte Shamu. Kurssprünge gab es auch an den asiatischen Börsen.

Staatsanleihenkäufe der EZB dürften Euro schwächen

Ein weiterer Beobachter erinnerte daran, dass EZB-Direktor Benoit Coeure ein klares Signal für breit angelegte Staatsanleihekäufe gegeben hatte. Dies dürfte den Euro weiter schwächen, wovon der Dax mit seinen exportstarken Unternehmen profitiere. "Die Weichen für eine Weihnachtsrally sind gestellt", prognostizierte der Experte. Auch aus der deutschen Wirtschaft kamen positive Signale: Die Stimmung hellte sich laut dem Ifo-Geschäftsklima im Dezember wie erwartet das zweite Mal in Folge auf. Dagegen fanden die Aussagen von Kremlchef Wladimir Putin auf seiner Jahrespressekonferenz in Moskau am Donnerstag kaum Widerhall.

Dazu kommt eine Rally der Öl-Werte. Nach längerer Durststrecke kam es zu einer kräftigen Erholung von Ölpreis und Aktien. Der US-Energie-Sektor sprang über 4 Prozent nach oben. "Die Untergewichtung der Fonds im Öl-Sektor ist auf Allzeittief", sagt ein Händler: "Das könnte sie noch tagelang zu Käufen zwingen". Der Euro-Stoxx-50 dürfte den Dax daher kräftig outperformen, da Ölwerte dort hoch gewichtet sind.

Ifo-Index macht Freude

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Zudem unterstreicht der Anstieg im ifo-Index das gute Geschäftsklima in Deutschland. Er legte auf 105,5 Punkte zu, die Geschäftserwartungen zogen ebenfalls weiter an. Sie sind wichtig für das Investitionsverhalten der Unternehmen. Zuletzt hatte bereits der ZEW-Index die Erwartungen klar übertroffen.

Der nächste große Termin für die Börsen ist nun der große Verfalltermin am Terminmarkt am Freitag. Händler gehen aber davon aus, dass der größte Teil der Positionen bereits bis Mittwoch geschlossen wurde. Professionelle Teilnehmer dürften daher nicht mehr für erratische Kursbewegungen und erhöhte Volatilität sorgen.

Selbst Griechenland kann bei dem guten Nachrichtenumfeld nicht belasten. Wie erwartet war dort die Wahl des griechischen Präsidenten durch das Parlament im ersten Durchgang gescheitert. Die notwendige Zweidrittelmehrheit, nämlich 200 von insgesamt 300 Stimmen, wurde nicht erreicht. An der Börse wird davon ausgegangen, dass frühestens die dritte Wahlrunde eine Entscheidung liefern wird. Ansonsten drohen im Januar Neuwahlen.

Henkel nach Strafzahlung im Minus

Bei Einzelaktien war fundamental wenig los. Die Papiere von SAP zogen 3,8 Prozent an, nachdem die US-Börsen die Quartalsergebnisse des Mitbewerbers Oracle positiv aufgenommen hatten. Eon gewannen 4 Prozent nach einer Kaufempfehlung durch die Societe Generale.

Allianz zogen mit dem gesamten Banken- und Versicherungssektor an und gewannen 2,5 Prozent. Die Bekanntgabe des Verkauf des Privatkundengeschäfts von Fireman's Funds durch die Allianz für 365 Millionen Dollar spielte bei der Kursfindung keine Rolle. Telekom stiegen nach einer positiven Sektorstudie der Credit Suisse 4,1 Prozent.

Die Deutsche Bank wies einen Bericht, wonach Co-Vorstandschef Anshu Jain einen Verkauf der Postbank für denkbar hält, zurück. "Es ist unverantwortlich, über eine Veräußerung irgendwelcher Geschäftsbereiche zu spekulieren", teilte die Bank mit. Dennoch war die Deutsche-Bank-Aktie mit 4,1 Prozent der stärkste Dax-Wert.

Jenoptik-Titel profitierten von dem guten Marktsentiment und der Aussicht auf ein besseres Geschäftsjahr 2015. Das Unternehmen strebt eine überproportionale Steigerung des EBITDA an. Die Aktie gewann 5,6 Prozent. QSC machten gleich einen Satz von 21,1 Prozent. Ausgelöst wurde die Bewegung durch einen Bericht im "manager magazin", wonach United Internet den Kauf des QSC-Netzes prüfe. "Diese Überlegung ist nicht neu", sagte Adrian Pehl, Analyst bei equinet. Die entscheidenden Fragen seien, wieviel United Internet bezahle und wieviel Geld in das Netz investiert werden müsse.

Quelle: n-tv.de

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