Wirtschaft
Der Dax startet deutlich schwächer in den Tag.
Der Dax startet deutlich schwächer in den Tag.(Foto: REUTERS)

Miese Stimmung: Dax stabilisiert sich

Die Regierungskrise in Portugal und enttäuschende chinesische Konjunkturdaten sorgen für schlechte Laune am deutschen Aktienmarkt. "Die Krise ist wieder da", klagt ein Händler. Passend dazu wird ein Börsengang kurzfristig abgesagt.

Der deutsche Leitindex entfernt sich weiter von der 8000 Punkte-Marke. Der Dax verlor am Schluss 1 Prozent auf 7829 Punkte. Am Vormittag war er noch auf 7730 Punkte gefallen, erholte sich dann allerdings wieder. Der MDax gab 0,9 Prozent auf 13.608 Zähler ab. Der TexDax büßte 0,7 Prozent auf 944 Punkte ein. Dabei waren im Dax sowie im MDax zeitweise alle Aktien im Minus, was äußerst selten ist.

Die bereits leichtere Tendenz von der Wall Street beschleunigte sich am Morgen an den asiatischen Märkten noch, nachdem der Konjunkturindex der chinesischen Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor im Juni auf ein Neun-Monats-Tief gefallen war. Das drücke auf den Dax, sagt Marktstratege Stan Shamu von IG. Dazu rückten dann die Probleme der Euro-Schuldenkrise, insbesondere in Portugal und Griechenland, wieder stärker in den Fokus. Hinzu kämen Ägypten und der steigende Ölpreis als Belastung.

Problemländer müssen höhere Zinsen zahlen

In Portugal warnte Ministerpräsident Pedro Passos Coelho vor politischer Instabilität. Zuvor war nach dem Finanzminister auch der Außenamtschef des Landes zurückgetreten. "Besonders prekär ist die Situation dadurch, dass der Außenminister gleichzeitig der führende Vertreter des wichtigsten Koalitionspartners des portugiesischen Ministerpräsidenten ist", so die Analysten der Essener National-Bank.

"Und plötzlich ist sie wieder da, die europäische Schuldenkrise", sagte Dirk Gojny von der National-Bank - und fügte hinzu: "Damit steht ein zentrales Thema für den heutigen Handelstag fest." Die Rendite der portugiesischen Bonds stieg zeitweise um über 100 Basispunkte auf 7,77 Prozent, Investoren verlangen also beim Kauf dieser Papiere höhere Zinsen. Portugal steht derzeit unter dem Euro-Rettungsschirm und ist deswegen nicht auf die Kreditaufnahme am Anleihemarkt angewiesen. Allerdings will sich das Land im Laufe des nächsten Jahres wieder selbstständig refinanzieren.

Auch die Renditen in Griechenland, Spanien und Italien zogen an, die Renditen der deutschen Langläufer fielen dagegen auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Wochen. "Solange die Situation in Portugal nicht geklärt wird, dürfte sich die Lage nicht nachhaltig stabilisieren", sagte ein Händler.

Störfeuer für die Börsen kam zudem aus Griechenland. Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis hatte die Debatte um einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland nach der Bundestagswahl neu angeheizt. Die Europäische Zentralbank und die Bundesregierung forderten Griechenland dagegen hartnäckig zu weiteren Reformschritten auf.

In Griechenland drehe sich derzeit alles um die Frage, ob der Internationale Währungsfonds seine Auffassung über die Schuldentragfähigkeit des Landes ändern und aus dem Hilfsprogramm aussteigen werde, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Wenn das kein Déjà-vu ist." Es gebe sogar erste Anzeichen für Ansteckungseffekte bei spanischen und italienischen Anleihen.

In keinem guten Zustand ist nach wie vor das Umfeld für Börsengänge. Am Dienstagabend sagte die Immobiliengesellschaft Deutsche Annington den Gang aufs Parkett in letzter Minute doch noch ab. Mit "anhaltend ungünstigen Marktentwicklungen" begründete das Unternehmen die Absage. Ursprünglich sollte die Aktie am Mittwochmorgen den Handel aufnehmen. Händler hatten schon in den vergangenen Tagen berichtet, es gebe so gut wie keine Nachfrage nach den Papieren.

Bank-Aktien verlieren kräftig

Insbesondere Finanzwerte kamen unter Druck. Während einige Händler auf die Sorgen um Portugal und den Turbulenzen an den dortigen Kapitalmärkten verwiesen, nannten andere die Abstufungen der langfristigen Bonitätsnoten von Barclays, Credit Suisse und Deutsche Bank durch Standard & Poor's als Grund.

Schwächster Dax-Titel waren Commerzbank mit minus 5,3 Prozent. Die Papiere der Deutschen Bank verbilligten sich um 1,4 Prozent, die der Allianz um 2,3 Prozent.

Lufthansa-Aktien büßten 3,8 Prozent ein. "Der Kurs wird in die Zange genommen", sagte ein Händler. Belastet werde die Stimmung zum einen von der Streikgefahr bei German Wings und zum anderen vom steigenden Ölpreis. Adidas-Aktien fielen um 2,1 Prozent zurück. Die Deutsche Bank habe die Einstufung für die Papiere gesenkt, so ein Händler.

Im SDax kleiner Werte stürzten die Anteile an Heidelberger Druck um 5,3 Prozent auf 1,80 Euro ab. Der verlustreiche Druckmaschinenhersteller hat eine Wandelanleihe im Volumen von 60 Millionen Euro platziert. Ebenfalls gemieden werden deutsche Immobilienwerte, wobei sich GSW Immobilien mit minus 1,9 Prozent am MDax-Ende wiederfanden. Händler nannten den abgesagten Börsengang von Deutsche Annington in der Branche als wichtigsten Belastungsfaktor.

Quelle: n-tv.de

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