Wirtschaft
Konjunkturdaten spielten angesichts der grundsätzlich guten Stimmung kaum eine Rolle.
Konjunkturdaten spielten angesichts der grundsätzlich guten Stimmung kaum eine Rolle.(Foto: picture alliance / dpa)

9900er-Marke geknackt: Dax steigt zehnten Tag in Folge

Wankelmütig aber am Ende doch erneut stark zeigt sich heute Deutschlands Leitindex: Das Ausmaß der Gewinne wird nur von einer kleinen Delle am Nachmittag beschränkt - Ursache sind enttäuschte Hoffnungen auf baldige Geldspritzen der EZB.

Heute setzte der Leitindex seine Klettertour den nunmehr zehnten Tag in Folge fort - das erste Mal in diesem Jahr. Die Marke von 9900 Punkten fällt früh am Tage - zwar drückten zwischenzeitlich Spekulationen über den weiteren Kurs der Europäischen Zentralbank die Stimmung etwas. Neue Meldungen ließen die Hoffnungen auf weitere Geldspritzen der EZB schwinden: Die Nachrichtenagentur Market News International (MNI) berichtete mit Verweis auf informierte Personen, dass sich die europäische Notenbank mit einem Beschluss zum Kauf von Staatsanleihen Zeit lassen wolle. Am Ende jedoch bleibt ein gesunder Zuwachs.

Der Dax schloss mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 9916 Punkten. Der MDax verlor 0,1 Prozent und steht bei 17.033 Zählern. Rund 0,1 Prozent gewann der TecDax und stieg auf 1342 Punkte.

Konjunkturdaten spielten angesichts der grundsätzlich guten Stimmung kaum eine Rolle. Schon am Dienstag hatte das sehr schwache US-Verbrauchervertrauen die Kurse nur für kurz belastet. Am Mittwoch wurden neue, gemischt ausgefallene Konjunkturdaten der "Sorgenkinder Frankreich und Italien" kaum registriert. Das französische Verbrauchervertrauen stieg im November etwas stärker als gedacht, das italienische Pendant fiel dagegen zurück.

Energie-Titel holen auf

Jahresendrally

Die Statistik belegt, dass historisch betrachtet die Monate November und Dezember die stärksten Börsenmonate des Jahres sind - insbesondere, wenn der Aktienmarkt bis dahin gut performt hat. Allerdings tritt dieser Effekt zwar häufig, aber nicht zuverlässig auf und ist auch nicht umfassend erklärbar.

Experten ziehen als Ursache für die "Jahresendrally" verschiedene Möglichkeiten in Betracht:

  • Eine allgemein positivere Grundstimmung der Anleger zum Jahreswechsel.
  • Investoren beziehen in der Regel zum Jahresanfang frisches Risikokapital und könnten zum Jahresende dazu neigen, sich Aktien zuzulegen.
  • Im Dezember könnten verstärkt Zinserträge aus festverzinslichen Anlagen angelegt werden.
  • Phänomen "Window-Dressing": Fondsmanager könnten bereits über den Jahresverlauf gut gelaufene Aktien ankaufen, um ihr Portfolio positiver darzustellen.

Im Dax zählten die Banken-Titel - Deutsche Bank und Commerzbank - mit Kursgewinnen von 1,4 und 0,7 Prozent zu den stärkeren Werten. Dax-Spitzenreiter waren am Ende Lanxess mit einem Plus von 3,4 Prozent.

Weiter steil aufwärts ging es für die Papiere der Energieversorger, die sich seit Jahresbeginn unterdurchschnittlich im Dax entwickelt hatten. Die Aktien von RWE stiegen um 3,0 Prozent und die von Eon um 1,7 Prozent. Tags zuvor waren beide bereits um mehr als 3 Prozent geklettert. Die Energiebranche stellt sich gegen die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Deckelung von klimaschädlichen CO2-Emissionen in deutschen Kohlekraftwerken.

Um 1,4 Prozent rückten die T-Aktien vor. Der Telekomkonzern lotet eine Trennung von seinem Mobilfunkgeschäft Everything Everywhere (EE) in Großbritannien aus. Die Telekom betreibt das Geschäft zusammen mit dem französischen Wettbewerber Orange. Die beiden verhandeln derzeit mit der britischen BT Group.

Auf der Verliererseite standen Continental, die 1,1 Prozent nachgaben und das Dax-Schlusslicht bildeten. Auch Volkswagen landeten im hinteren Teil der Dax-Rangliste und verzeichneten einen Verlust von 0,4 Prozent.

Für Aufsehen an der Börse sorgte der Kurseinbruch bei Thomas Cook. Der überraschende Abgang von CEO Harriet Green nach einer erfolgreichen Restrukturierung des Unternehmens schockiert die Anleger. "Ich habe immer gesagt, dass ich zu einem anderen Unternehmen mit neuen Herausforderungen wechsele, wenn meine Arbeit erledigt ist", versuchte Green zu beruhigen. Erfolglos: der Kurs knickt um 19 Prozent ein. Die TUI-Aktie verlor im Sog von Thomas Cook 2,3 Prozent.

Nachholbedarf bei Zalando-Anlegern

Die Übernahme griechischer Regionalflughäfen durch den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat auf den zweiten Blick einigen Anlegern missfallen. Die Aktien fielen einen Tag nach Bekanntgabe des Deals um 2,5 Prozent und waren Schlusslicht im MDax. "Einige Analysten haben den Deal wohl als zu teuer kritisiert", begründete ein Händler das Kursminus. Fraport und sein griechischer Partner hatte am Vortag den Zuschlag für den Betrieb von 14 Flughäfen bekommen, nachdem das Konsortium mit 1,23 Milliarden Euro die höchste Offerte abgegeben hatte.

Zalando sprangen nach soliden Quartalszahlen um 15,7 Prozent auf 23,22 Euro. Das ist der höchste Kurs seit dem ernüchternden Börsengang Anfang Oktober. "Die wesentlichen Kurstreiber eines Wachstumsunternehmens, Umsatz und Bruttomarge, haben die Erwartungen erfüllt", sagte ein Händler.

Quelle: n-tv.de

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