Wirtschaft
Das neue Allzeithoch lautet: 11.229 Punkte.
Das neue Allzeithoch lautet: 11.229 Punkte.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch Wall Street mit Allzeithochs: Dax stellt neuen Fabel-Rekord auf

Das ist der Impuls, auf den Börsianer gewartet hatten: Die Aussagen von Fed-Chefin Yellen zur US-Zinspolitik treiben die Kurse an der Wall Street an. In der Folge erwacht auch der Dax aus seinem Schlummer und steigt auf deutlich über 11.200 Punkte - Rekord.

Als ob er nicht schon hoch genug ist: Wie eine Rakete zischte der deutsche Leitindex Dax am späten Nachmittag los und ließ bisherige Rekordstände mickrig erscheinen. Das neue Allzeithoch lautet: 11.229 Punkte.

Auslöser waren die Aussagen der US-Notenbankchefin Janet Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senat: Bei diesen wurde deutlich, dass es nach wie vor keine Eile für eine Zinserhöhung gibt. Zuerst hatten danach an der Wall Street die Aktienkurse zugelegt - in ihrem Fahrwasser war dann auch der Dax kräftig gestiegen. "Janet Yellen war nicht mehr ganz so taubenhaft wie sonst, aber das war nach den starken Arbeitsmarktdaten im Dezember und Januar auch nicht zu erwarten", sagte ein Beobachter.

Die Fed-Chefin habe sich jedoch mit dem Hinweis, eine Änderung des Ausblicks der US-Notenbank ziehe nicht notwendigerweise auch eine Zinserhöhung nach sich, ein "Hintertürchen" offen gelassen. Möglicherweise habe man diesen Hinweis an der Wall Street "pro Aktien" ausgelegt. In dieses Bild passe auch der Rückgang der Renditen von US-Staatsanleihen nach den Aussagen der Fed-Chefin.

Zuvor hatte sich der Dax über weite Teile des Handelstages eher behäbig gezeigt: Nach zurückhaltendem Start im frühen Handel und leichten Verlusten am Vormittag verharrte der deutsche Leitindex Dax lange Zeit im Niemandsland zwischen Gewinn und Verlust.

Ein Grund: Das Thema Griechenland hatte seine Brisanz verloren - selbst die Erfolgsmeldung aus Brüssel, dass sich die Finanzminister der Eurogruppe für eine Verlängerung des aktuellen Hilfsprogramms für Griechenland ausgesprochen haben, ließ den Dax kalt. Aber auch die Berichtssaison hat ihren Höhepunkt überschritten.

Deutschland: Dax ist wieder ein Rekord-Brecher

Der Dax schloss nach einem neuen Rekordstand bei 11.228 Punkten am Ende mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 11.206 Zählern - übrigens, wenn wundert das noch, ist auch dies ein neuer Schlussrekord. Der vierte in Folge. Bereits am Vortag hatte der deutsche Leitindex um 0,7 Prozent zugelegt und ein Allzeithoch bei 11.159 Punkten markiert.

Der Nebenwerte-MDax hingegen sank um 0,1 Prozent und schloss auf 19.827 Zählern. Auch er hatte am Montag ein neues Rekordhoch aufgestellt und war bis auf 19.852 Punkte gestiegen.

Der technologielastige TecDax notierte nahezu unverändert bei 1570 Punkten, der Euro-Stoxx-50 stieg satte 0,8 Prozent auf 3549 Zähler.

Deutsche Aktien: RWE und Eon räumen ab

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Im Dax waren mit RWE und Eon die beiden Stromproduzenten die größten Kursgewinner. RWE stiegen um 3,8 Prozent und Eon um 2,8 Prozent. Gestärkt wurden sie von Neuigkeiten aus Brüssel: Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatte heute dafür votierte, das Angebot an Zertifikaten zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) von 2018 an schrittweise zu verknappen. Deren Preise waren in der Vergangenheit stark gefallen, was auch die Aktien der Versorger belastet hatte. Wird die Zahl der Zertifikate begrenzt, dürfte der Preis für die Zertifikate wieder steigen - was wiederum dem Kursen von RWE und Eon zugute käme.

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Mit Verlusten kämpften hingegen die Automobil-Werte im Dax: Volkswagen-Aktien verloren 1,1 Prozent, BMW 0,9 Prozent. Daimler notierten in der allgemeinen Aufbruchsstimmung am Ende allerdings 0,2 Prozent im Plus.

Nach einer Verkaufsempfehlung trennten sich Anleger von Metro-Aktien. Die Titel gaben 2,6 Prozent nach und landeten damit am Ende des MDax. Das Bankhaus Lampe hatte die Aktien des Handelsriesen auf "Verkaufen" von "Halten" heruntergenommen.

Weit hinten im MDax landeten auch die Aktien des Flugzeugbauers Airbus: Sie ließen 1,9 Prozent nach. Heute wurde bekannt, dass sich die Fluggesellschaft Korean Air mit Airbus als ihrem technischen Partner um ein milliardenschweres Projekt für den Bau neuer Kampfjets für die südkoreanische Luftwaffe bewirbt.

Im TecDax stiegen Telefonica Deutschland trotz eines Gewinneinbruches um 0,9 Prozent nach oben. Noch stärker zeigten sich die Aktien der Manz AG - nach Verlusten aufgrund der abgeschriebenen Solarsparte verspricht der Apple-Zulieferer für 2015 wieder Gewinne. Manz legten 4,9 Prozent zu.

Die Aixtron-Aktie gewann im TecDax ebenfalls trotz schwacher Zahlen um 6,3 Prozent. Damit waren die Aktien Spitzenreiter des Tech-Index. Nach Einschätzung aus dem Handel waren für die Kursfindung aber weniger die Geschäftszahlen als vielmehr Shorteindeckungen verantwortlich.

USA: Dow Jones nach Yellen mit neuem Allzeithoch

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An der Wall Street hatten sich US-Anleger vor der Anhörung von US-Notenbankchefin Yellen zunächst zurückgehalten, danach ziehen die Kurse jedoch an - und treiben auch hier die Indizes auf neue Allzeithochs.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss um 0,5 Prozent im Plus bei 18.209 Punkten. Zuvor hatte er nur drei Punkte höher ein neues Allzeithoch markiert. Der breiter gefasste S&P-500 legte 0,3 Prozent zu auf 2115 Zähler - sein neues Allzeithoch wurde kurz vorher bei 2117 Punkten gesetzt. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,14 Prozent auf 4968 Punkte.

Bei den Einzelwerten standen die Aktien von Home Depot im Fokus. Sie legen 4 Prozent zu, nachdem der Gewinn der weltgrößten Baumarktkette im abgelaufenen Quartal um mehr als ein Drittel auf 1,38 Milliarden Dollar gestiegen ist. Zudem kündigte der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm über 18 Milliarden Dollar an.

Rohstoffe: Ölpreise geben weiter nach

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Die Ölpreise gaben leicht nach. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete zum New Yorker Handelsschluss 58,66 US-Dollar und damit 24 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 17 Cent auf 49,28 Dollar.

In den USA bewegen sich die Lagerbestände an Rohöl auf einem Rekordniveau, während die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) trotz der niedrigen Preise ihre Produktion nicht gekürzt haben. Beobachter gehen daher davon aus, dass die Ölpreise wegen des weltweiten Überangebots vorerst nicht auf ihr Niveau von mehr als 100 Dollar aus dem vergangenen Sommer zurückkehren.

Devisen: Eurokurs nur kurzzeitig mit heftigen Bewegungen

Der Kurs des Euro hat nur mit kurzfristigen Schwankungen auf Aussagen zur künftigen Geldpolitik der US-Notenbank Fed reagiert. Am Abebd kostete die Gemeinschaftswährung 1,1340 US-Dollar, nur minimal mehr als am Vortag.

Asien: Nikkei steigt und steigt

Die Börse in Tokio hat angesichts des schwachen Yens fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 0,7 Prozent auf 18.603 Zähler. Das ist der höchste Stand seit dem 20. April 2000. Der breit gefasste Topix verbesserte sich um 0,4 Prozent auf den Stand von 1508 Punkten. Viele Investoren zeigten sich vor der Fed-Sitzung dennoch etwas zurückhaltend.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag 0,2 Prozent im Plus. Während in Shanghai die Börse nach den chinesischen Neujahrsfeiern weiterhin geschlossen blieb, verbuchte auch der Aktienmarkt in Südkorea Zuwächse.

Quelle: n-tv.de

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