Wirtschaft
(Foto: imago/ITAR-TASS)

Wall Street mit Verlusten: Dax stürzt kurz vor Schluss in die Tiefe

Fiasko zum Handelsende: Zunächst sieht es so aus, als könne der Dax sein Vortagesniveau oberhalb der 10.000er-Marke zumindest halten. Doch am Nachmittag geht es steil bergab mit dem Index. Vor allem der stark aufwertende Euro belastet die Börse.

Zunächst konnte der Dax am Nachmittag die 10.000-Punkte-Marke wieder überschreiten und sich in der Nähe des Vortagesniveaus halten. Doch am Nachmittag war die milde Stimmung vorüber: Schritt für Schritt ging es immer weiter runter mit dem Index, der am Ende 1,2 Prozent auf 9916 Punkte einbrach. Der langsam, aber stetig aufwertende Euro bereitete laut Händlern europäischen Börsen zunehmend Schwierigkeiten.

Auch von der Wall Street kamen im Laufe des Handels zunehmend negative Impulse - nach einer Reihe von Quartalszahlen von Großkonzernen. Während die Aktien von Delta Airlines und der Bank of America zulegen, gaben die Kurse von JP Morgan, Intel und Wells Fargo nach. Trübe waren neue Konjunkturdaten aus den USA ausgefallen. Der Einzelhandel hat im September weniger umgesetzt als erwartet und die Erzeugerpreise sind noch stärker zurückgegangen als befürchtet.

Auf Unternehmensseite mehrten sich die Umsatz- und Gewinnwarnungen aus Deutschland. Der Medizintechnikhersteller Drägerwerk hatte nach einem schwachen dritten Quartal die Jahresprognose erneut kassiert. Die Software AG wird in diesem Jahr das Umsatzziel verfehlen. Am Dienstag war der Kurs von Leoni nach einer Gewinnwarnung des Automobilzulieferers um mehr als 30 Prozent abgesackt.

Frankfurt: Vonovia nach Fusions-Durcheinander am Dax-Ende

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Der Dax schloss am Ende 1,2 Prozent auf 9916 Punkte. Verluste von 0,7 Prozent waren beim MDax zu beobachten, der auf 19.587 Zähler absackte. Der technologielastige TecDax verlor sogar 2,0 Prozent auf 1692 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,7 Prozent auf 3221 Punkte runter.

Unter den Einzelwerten stand Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia im Fokus. Vonovia will die Nummer zwei der Branche, Deutsche Wohnen, schlucken und damit einen Branchenriesen mit mehr als einer halben Million Wohnungen schaffen. Vonovia fährt damit der Deutschen Wohnen in die Parade, die gerade selbst ein Übernahmeangebot für den kleineren Rivalen LEG Immobilien angekündigt hat. Deutsche Wohnen schlossen 2,1 Prozent fester, Vonovia verloren 5,2 Prozent und LEG 3,2 Prozent.

Keine wirklichen Kurstreiber für Eon sahen Händler im Verkauf des norwegischen Öl- und Gasgeschäfts. "Das war schon lange erwartet worden und der Verkaufspreis reißt einen nicht vom Hocker", sagte ein Händler. Analysten hätten mit einem Verkaufserlös zwischen ein und zwei Milliarden Euro gerechnet. Mit den aktuell erzielten 1,6 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) liege man so gerade unterhalb dieses erwarteten Mittelwertes.

Die Eon-Aktie verbesserte sich dennoch deutlich um 3,3 Prozent und schloss an der Dax-Spitze. Auch RWE konnten zulegen und lagen mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent auf Platz sechs im Dax.

Im TecDax rutschten Drägerwerk um fast 19 Prozent ab. Beim Medizintechnikkonzern laufen die Geschäfte schlechter als erwartet. Der Vorstand kassierte nach einem operativen Verlust im dritten Quartal erneut seine Jahresprognose.

Wall Street: Verluste nach freundlichem Auftakt

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Die US-Börsen drehten nach einem eher freundlichem Start im Verlaufe des Handels in die Verlustezone. Zu verarbeiten sind negative Vorgaben aus Asien, neue US-Konjunkturdaten und eine Reihe von Quartalsberichten. Zudem war am Dienstag eine mehrtägige Gewinnserie mit moderaten Verlusten zu Ende gegangen. Einzig der aktuelle Ausblick im "Beige Book" gab Anlass für verhaltenen Optimismus

Der Dow-Jones-Index notiert 0,9 Prozent leichter auf 16.924 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500 verliert 0,5 Prozent auf 1994 Punkte, der Nasdaq-Composite muss 0,3 Prozent abgeben.

Von Konjunkturseite kommen positive Signale zumindest für jene Anleger, die darauf hoffen, dass die US-Zinsen zunächst nicht erhöht werden. Diese Hoffnung hatte in der jüngsten Vergangenheit für Rückenwind am Aktienmarkt gesorgt. Sowohl die schwachen Einzelhandelsumsätze im September wie auch die rückläufigen Erzeugerpreise sprechen nicht für eine baldige Zinserhöhung durch die US-Notenbank, denn sie werfen eher Konjunktursorgen auf.

Unternehmensseitig sind eine Reihe von Geschäftsberichten zu verarbeiten - unter anderem von der Bank of America, Wells Fargo und BlackRock. Bereits am Vorabend nach Handelsschluss öffneten J.P. Morgan, Intel und CSX die Bücher.

Bank of America ziehen um 0,8 Prozent an. Das Geldhaus hat im dritten Quartal erneut überraschend viel verdient, mehr als von Analysten erwartet. Wells Fargo fallen dagegen um 0,7 Prozent, obwohl die Bank trotz der anhaltenden Herausforderungen durch das Niedrigzinsumfeld im dritten Quartal etwas mehr Gewinn gemacht hat als von Analysten geschätzt. Auch die Einnahmen stiegen stärker als gedacht.

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Bei JP Morgan stieg hauptsächlich dank einer Steuergutschrift der Gewinn auf 6,8 Milliarden Dollar bzw 1,68 Dollar je Aktie. Bereinigt betrug das Ergebnis je Aktie aber nur 1,32 Dollar, während Analysten mit 1,37 Dollar gerechnet hatten. Der Kurs kommt um 2,5 Prozent zurück.

Auch die Zahlen des Chipherstellers Intel sorgten zunächst für eine negative Kursreaktion. Im späteren Verlauf stiegen sie jedoch um 2,4 Prozent. Das Unternehmen leidet nach wie vor unter dem rückläufigen PC-Geschäft, wobei höhere Chippreise und eine gestiegene Nachfrage nach größeren Computern diesen negativen Effekt zumindest milderten.

Ein deutliches Plus verzeichnet die Aktie des Speicherchipherstellers SanDisk. SanDisk gewinnen 11,2 Prozent und Micron gut 3,5 Prozent.

Delta Air Lines hat den Startschuss zu einer vielversprechenden Bilanzsaison der US-Fluggesellschaften gegeben. Das Ergebnis stieg etwas stärker als von Analysten erwartet dank dem Verfall der Ölpreise, der Delta höhere Margen bescherte. Der Delta-Kurs steigt um 1,8 Prozent.

Asien: Nikkei gibt deutlich nach

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Wegen schwacher Vorgaben der Wall Street und Sorgen um die chinesische Konjunktur ist die Börsen in Japan unter Druck geraten. In Tokio schloss der Nikkei-Index mit rund 1,9 Prozent im Minus auf 17.891 Punkten.

In der Volksrepublik war die Stimmung ebenfalls negativ, da Inflationszahlen auf eine weitere Abkühlung der Wirtschaft hindeuteten. Der Shanghai-Composite schloss mit minus 0,9 Prozent bei 3262 Punkten. Auch an anderen Aktienmärkten gab es Minuszeichen: Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans sank um 0,5 Prozent.

In Tokio standen Stahlkocher auf dem Verkaufszettel, denn sie sind besonders stark in China engagiert. So gaben die Papiere von JFE Holdings um 5,2 Prozent nach. Für Nikon ging es um 5,3 Prozent nach unten. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung "Nikkei" schreibt das Unternehmen wegen eines enttäuschenden Kameraabsatzes weniger Gewinn als erwartet.

Devisen: Euro über 1,14 Dollar

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Der Kurs des Euro ist gestützt durch gedämpfte US-Zinserhöhungserwartungen knapp an die Marke von 1,15 US-Dollar gestiegen. Am späten Abend kletterte die europäische Gemeinschaftswährung auf 1,1484 Dollar. In der Nacht hatte der Euro noch zeitweise bei 1,1378 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,1410 (Dienstag: 1,1374) Dollar fest.

Eine Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank (Fed) wird nach Einschätzung von Beobachtern in diesem Jahr immer unwahrscheinlicher. So hatte sich auch Fed-Mitglied Daniel Tarullo gegen eine Leitzinsanhebung noch in diesem Jahr ausgesprochen. Er will erst Hinweise für eine steigende Inflation sehen.

Rohstoffe: Goldpreis zieht an

Die Ölpreise schwanken über den Tag deutlich und geben am späten Nachmittag leicht ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete zuletzt 49,15 US-Dollar. Das waren 24 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 0,1 Prozent auf 46,64 Dollar.

Marktbeobachter sprachen von einem vergleichsweise ruhigen Handel zur Wochenmitte. Die Anleger hielten sich vor der Veröffentlichung neuer Daten zu den Ölreserven in den USA zunächst zurück. Der Markt rechnet mit dem dritten Anstieg der Lagerbestände an Rohöl in Folge.

Der Goldpreis zog weiter an und notiert auf dem höchsten Stand seit Anfang Juli. Mit 1180 Dollar notiert die Feinunze nun über dem Hoch vom 24. August von gut 1170 Dollar. Die Marke war als Widerstand eingestuft worden.

Quelle: n-tv.de

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