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Die jüngste Erholung der Aktienkurse erweist sich immer mehr als sogenannte Bärenmarkt-Rally.
Die jüngste Erholung der Aktienkurse erweist sich immer mehr als sogenannte Bärenmarkt-Rally.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wall Street schließt im Plus: Dax stürzt nach Bärenmarkt-Rally tief

Die Bären sind los an der Frankfurter Börse: Nach der jüngsten Erholung sorgen schwache US-Konjunkturdaten, billiges Öl und ein starker Yen für schlechte Stimmung unter den Anlegern. Die Wall Street profitiert dagegen von den steigenden Ölpreisen.

Arg gebeutelt beendete der deutsche Aktienmarkt diesen Handelstag. Nach einem bereits schwachen Auftakt und dürftigen Verlauf mit Verlusten von mehr als zwei Prozent drückten schwache US-Konjunturdaten den Dax noch tiefer in die Verlustzone. Am Ende betrug das Minus 2,6 Prozent, der Dax schloss bei 9168 Punkten.

Der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Service-Gewerbe in den USA im Februar war "überraschend sogar in die Kontraktionszone gerutscht", wie ein Händler sagte. Damit hat der Dax seit Montag die 9500er-, 9400er-, 9300er- und 9200er-Marken unterschritten. Einziger Gewinner im Leitindex waren die Aktien von Fresenius.

Die jüngste Erholung der Aktienkurse erweist sich immer mehr als sogenannte Bärenmarkt-Rally. Also lediglich als zwischenzeitliche Erholung in einem ansonsten dominierenden Abwärtstrend. Ein wieder fallender Ölpreis, die Gefahr eines Austritts Großbritanniens aus der Eurozone und ein steigender Yen belasteten die europäischen Märkte zusätzlich. Der Yen gilt als sicherer Währungshafen und ist zum Euro auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen.

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Der Rückgang des Britischen Pfunds und die schwache Wirtschaft Großbritanniens erzeugten negative Effekte auf die Konjunktur der Eurozone. "Etwa 7,6 Prozent der deutschen Exporte an Gütern und Dienstleistungen gehen in das Vereinigte Königreich", sagt Jochen Stanzl von CMC Markets. Mit Blick auf einen möglichen "Brexit", einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, gingen Investoren in Deckung. Das britische Pfund ist zum US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit fast sieben Jahren gefallen.

Der Ölpreis fiel, konnte sich am späten Nachmittag jedoch wieder etwas erholen. Der saudische Ölminister Ali al-Naimi hatte am Dienstag gesagt, er rechne nicht mit einer reduzierten Förderung der Ölproduzenten, um so das weltweite Überangebot abzubauen. Die offiziellen US-Lagerbestandsdaten zeugten von einem Rückgang der Bestände, was den Preis entlastete.

Frankfurt: Fresenius einsam an der Dax-Spitze

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Der Dax schloss 2,6 Prozent leichter auf 9168 Punkten. Für den MDax ging es 2,3 Prozent nach unten auf 18.611 Zähler. Heftige Verluste beim TecDax, der 5,1 Prozent einbrach auf 1536 Punkte. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 verschlechterte sich um 2,6 Prozent auf 2813 Punkte.

Besonders heftig erwischte es im Dax die exportorientierten Auto-Titel: VW landeten mit einem Minus von 4,6 Prozent ganz hinten, BMW verloren 4,0 Prozent, Zulieferer Continental 4,6 Prozent und Daimler 4,1 Prozent.

Die Titel von Fresenius legten hingegen 3,4 Prozent zu und waren damit einziger Gewinner im Dax. Der Gesundheitskonzern hatte im vergangenen Jahr dank des brummenden Geschäfts mit Nachahmerpräparaten in den USA einen Rekordgewinn eingefahren.

Zu den Verlierern zählten hingegen auch die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care (FMC) - Tochter von Fresenius - mit einem Abschlag von 3,0 Prozent. FMC hat das dritte Jahr in Folge weniger Gewinn gemacht. 2015 ging der Überschuss um zwei Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar zurück.

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Einen Tag nach Bekanntwerden der Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Börse und der LSE ging es für das Papier der Deutschen Börse um 3,8 Prozent nach unten. Nach Ansicht von Equinet benachteilige das geplante Umtauschverhältnis die Aktionäre der Deutschen Börse. Und nicht zuletzt dürften die kartellrechtlichen Hürden recht hoch sein. Equinet hat daraufhin die Einstufung für das Papier auf "Neutral" von "Accumulate" gesenkt. Die LSE-Aktie notierte in London 3,5 Prozent im Minus.

Als "grob inline" bis "etwas unter Erwartung" liegend wurden die Geschäftszahlen von Airbus eingestuft. Vor allem die Gewinnziffern hätten die Erwartungen nicht ganz erreicht. "Die waren aber zugegebenermaßen sehr hoch", sagte ein Händler. Auch die Dividende von 1,30 Euro liege leicht unter den Prognosen von 1,36 Euro. Für die Airbus-Aktie ging es im MDax 1,3 Prozent nach unten.

Im TecDax brachen die Aktien von Wirecard um rund 22 Prozent ein. Nachrichten zu dem Unternehmen lagen nicht vor. Händler verwiesen aber auf eine sehr kritische Studie des weitgehend unbekannten Research-Hauses Zatarra. Bei Wirecard hieß es, in der Studie stecke "keinerlei Wahrheit". Im Handel war man ebenfalls vorsichtig: "Das Haus ist nicht als renommiertes Analysehaus bekannt", so ein Händler.

USA: Wall Street dreht ins Plus

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Die US-Börsen präsentierten sich zunächst ebenfalls schwächer. Händler machten dafür den erneuten Ölpreis-Rückgang um zeitweise mehr als vier Prozent verantwortlich. Im Handelsverlauf drehte sich der Wind nach der Vorlage der aktuellen US-Lagerdaten aber, und Öl kostete mehr als am Dienstag. Daraufhin drehten die US-Indizes am Abend in den grünen Bereich. Händler verwiesen dazu vor allem auf Aktien der Bankenbranche. Diese stünden angesichts des weiter niedrigen Ölpreises, niedriger Zinsen und der Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten weiter im Fokus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent höher bei 16.485 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte um 0,4 Prozent zu auf 1930 Zähler. Der Nasdaq Composite gewann 0,9 Prozent auf 4543 Stellen.

Anteilsscheine von JP Morgan stiegen um 0,3 Prozent. Die Großbank hat ihre Rückstellungen für erwartete Ausfälle von Krediten an Firmen der Öl- und Gasbranche um 500 Millionen Dollar aufgestockt. Zudem waren zuletzt die Einnahmen im Investmentbanking gesunken.

Bei den Autobauern GM und Ford ging es um 2,0 beziehungsweise 2,7 Prozent bergab. Grund dafür war unter anderem eine Mitteilung von Morgan Stanley, wonach die beiden US-Konzerne besonders von den Risiken eines zyklischen Abschwungs in wichtigen Märkten betroffen wären.

Boeing-Aktien verloren 0,9 Prozent. Goldman Sachs hat das Kursziel für den Flugzeugbauer gesenkt.

Asien: Starker Yen belastet japanische Aktien

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Der erneute Rückgang der Ölpreise in der ersten Tageshälfte hat auch die asiatischen Börsen belastet. In Tokio schloss der Nikkei-Index knapp 0,9 Prozent tiefer bei 15.915 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans lag 1,2 Prozent im Minus. Zu den größten Verlierern zählte der Aktienmarkt in Australien mit einem Abschlag von 2,1 Prozent. Auch in Hongkong wurde der Markt durch den Energiesektor nach unten gezogen. Die chinesische Leitbörse in Shanghai legte dagegen um 0,9 Prozent zu.

In Tokio machte dem Aktienmarkt auch der Anstieg der Landeswährung Yen zu schaffen, der die Exporte verteuert. Die Anteilsscheine von Honda gaben daher um rund zwei Prozent nach. Gegen die allgemeine Abwärtstendenz legten allerdings die Aktien der japanischen Banken wieder zu, die jüngst unter die Räder gekommen waren. Die Papiere der Institute Mitsubishi UFJ Financial und Sumitomo Mitsui Financial stiegen jeweils knapp ein Prozent.

Rohstoffe: Ölpreise erholen sich

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Die Ölpreise knüpften an den Rückgang vom Vortag an und fielen zunächst weiter. Am Markt habe die Hoffnung auf eine Begrenzung der hohen Fördermenge an Rohöl einen Dämpfer bekommen, erklärten Händler die fallenden Preise. Allerdings drehten die Ölpreise am Abend wieder ins Plus. Die offiziellen US-Lagerbestandsdaten zeugten von einem Rückgang der Bestände, was die Preise entlastete.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April kostete zum US-Handelsschluss 34,48 US-Dollar. Das waren 3,6 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,2 Prozent auf 32,26 Dollar.

Das wichtige Förderland Iran will sich offenbar nicht an einer von Russland und Saudi-Arabien angestrebten Begrenzung der Fördermenge beteiligen. Irans Ölminister hatte das anvisierte Einfrieren der Fördermenge auf dem Januar-Niveau als "unrealistische Forderung" bezeichnet. Im weiteren Handelsverlauf dürfte die Entwicklung der Ölreserven in den USA stärker in den Fokus rücken. Experten gehen davon aus, dass die Lagerbestände an Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt auf ein neues Rekordhoch steigen werden.

Devisen: Euro erobert 1,10-Dollar-Marke zurück

Der Euro hat sich nach zwischenzeitlichen Verlusten fangen können und verharrte am Abend knapp unter dem Stand des Vortages. Am späten Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,1011 US-Dollar. Zeitweise war der Euro bis auf 1,0957 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,0981 (Dienstag: 1,1002) Dollar fest.

Der Dollar kostete damit 0,9107 (0,9089) Euro. Der Handel zwischen Euro und Dollar verlief zur Wochenmitte zweigeteilt: Am Vormittag stand der Euro zunächst unter Druck, weil der Dollar seinen Anstieg der vergangenen Tage fortsetzte.

Tagesverlierer waren zur Wochenmitte Währungen von Ländern, die stark in der Rohstoffproduktion engagiert sind. Deutliche Abschläge verzeichneten die Währungen Norwegens, Russlands und Südafrikas. Ausschlaggebend war die schlechte Stimmung an vielen Rohstoffmärkten, allen voran am Ölmarkt.

Quelle: n-tv.de

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