Wirtschaft
(Foto: imago/Hans-Günther Oed)

Wall Street deutlich im Minus: Dax stürzt unter 10.500er Marke

Die Talfahrt des deutschen Leitindex hält nicht nur an - sie beschleunigt sich sogar. Mit einem Verlust von mehr als zwei Prozent fällt der Dax an der Frankfurter Börse unter 10.500 Punkte. Sorgen um China und die offene US-Zinswende verunsichern die Anleger.

Schwach gestartet und am Ende nochmal deutlich nachgelassen: Einen weiterer Tag mit Verlusten - den sechsten in Folge - verzeichnete der deutsche Leitindex Dax. Am Ende stand ein dickes Minus von 2,3 Prozent, dass den Index auf 10.432 Punkte rutschen ließ. Zum Tagestief wurde sogar die 10.400er-Marke getestet. Das Jahreshoch aus dem April war damit schon um fast 2000 Punkte unterschritten.

"Die laufende Dax-Korrektur ist eine logische Folge der Unsicherheit um China, unklarer Signale aus den USA und einer zu deutlichen Rally seit Oktober 2014", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research gegenüber n-tv.de. Aber die Rally sei nun zu rund 50 Prozent korrigiert. Das Gros der Anleger befinde sich weiter im Käuferstreik, sagte ein Aktienhändler. Bisher hätten die Kunden recht damit, zu warten. Als Anlaufmarke der aktuellen Bewegung werde der Bereich von 10.000 bis 10.200 Punkte genannt. Erst auf diesem Niveau sei damit zu rechnen, dass Käufer an den Markt zurückkämen.

Aber auch andere europäische Börsen litten: Für den Aktienmarkt in London, in dem die Öl- und Minenwerte stark vertreten sind, ging es bereits den achten Tag in Folge nach unten. Dies ist nach Aussage aus dem Handel die längste Verlustserie seit November 2011. Seit Jahresbeginn handelt der britische Aktienindex FTSE-100 bereits knapp im Minus. Börsianer fragen sich, wann die Käufer zurückkehren.

Die Fragezeichen bezüglich der Geldpolitik der US-Notenbank werden größer. Das am Mittwochabend veröffentlichte Fed-Protokoll wurde an den Finanzmärkten als "taubenhaft" interpretiert. Eine länger akkommodierende Geldpolitik der US-Notenbank ist zwar grundsätzlich positiv für die Finanzmärkte. Allerdings sind die Ursachen für eine mögliche Verzögerung - eine chinesische Wachstumsschwäche und daraus resultierende einbrechende Rohstoffpreise - kein Kaufargument für Aktien.

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Laut IG wird an den Märkten ein Zinsschritt nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent nach 48 Prozent vor dem Protokoll eingepreist. Die Commerzbank sieht die Fed in einem Dilemma: "Zwar bleibt die Inflation noch niedrig und bestehen Abwärtsrisiken aufgrund der Sorgen um China und des festeren Dollar, aber die Entwicklung der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt macht es immer schwieriger, einen ersten Zinsschritt weiter hinauszuschieben", so Analystin Antje Praefcke.

Die Societe Generale erwartet zwar nach wie vor einen Zinsschritt im September, räumte aber ein, dass dieser unsicherer geworden sei. Eine Verschiebung ins nächste Jahr schließen die Analysten aus - dafür seien die US-Wachstumsaussichten zu gut. Bliebe als Alternative eine Zinserhöhung im Oktober bzw. Dezember. Im Oktober finde aber keine Pressekonferenz statt, und der Dezember erscheine ebenfalls ungünstig wegen einer möglichen Wachstumsverlangsamung im ersten Quartal.

Deutschland: Aktien der Deutschen Börsen landen ganz hinten

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Der Dax schloss am Ende 2,3 Prozent tiefer auf 10.432 Punkten. Der MDax verlor 2,5 Prozent auf 19.883 Zähler. Einen noch deutlicheren Verlust verzeichnete der TecDax mit minus 3,6 Prozent auf 1686 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 büßte 2,2 Prozent ein.

Nicht zu viel einbilden sollten sich Anleger auf die auffällige Stärke der RWE-Aktie. Der Versorger kann sich dem Ausverkauf am Markt zwar nicht entziehen, verlor aber am wenigsten von allen Dax-Werten. Daraus sollten keine Rückschlüsse auf eine neue relative Stärke geschlossen werden, sagte ein Händler: "Eine starke Aktie ist auch stark, wenn der Markt gut läuft". RWE verloren 0,2 Prozent, Eon sanken um 1,2 Prozent.

Weit hinten im Ende des Dax landeten Deutsche Telerkom mit einem Minus von 3,6 Prozent. Schlusslicht waren hingegen Deutsche Börse mit minus 3,7 Prozent.

Im MDax profitierten die Kion-Aktien nur vorübergehend von einem optimistischen Kommentar der französischen Großbank Societe Generale. Die Papiere des Gabelstaplerherstellers fielen nach anfänglichen Gewinnen um 2,0 Prozent.

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Positiv überrascht reagierte der Handel - zunächst - auf die leicht erhöhte Prognose von Sixt. "Nach den Zahlen von Sixt Leasing gestern hatte man nicht unbedingt mit einer Prognoseerhöhung gerechnet", sagte ein Händler. Die Leasing-Tochter von Sixt hatte am Vortag Zahlen vermeldet und vor allem mit einem Rückgang der Ebit-Marge für Fragezeichen gesorgt. Sixt geht von einem "signifikanten" nach einem "leichten" Anstieg der Umsätze aus. Die Aktie legte im SDax anfangs gut zu, rutschte aber am späten Vormittag ins Minus und schloss 2,7 Prozent leichter.

USA: Dow Jones rutscht deutlich ins Minus

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Die Angst vor einer globalen Wirtschaftsschwäche griff weiter um sich. Bereits den dritten Tag in Folge belasteten diese Sorgen die Stimmung. Dabei geht es vor allem um die befürchtete Schwäche der chinesischen Wirtschaft und den scheinbar endlos fallenden Ölpreis. Von erhöhter Unsicherheit und großer Nervosität berichteten Händler.

Der Dow-Jones-Index hat seit Mitte Juli rund 1.200 Punkte abgegeben. Erstmals seit Ende Oktober fiel er unter 17.000 Punkte. Auf Tagesbasis verlor er 2,1 Prozent auf 16.991 Stellen. Der S&P-500 gab 2,1 Prozent auf 2.036 Punkte nach, der Nasdaq-Composite sogar 2,8 Prozent auf 4.877 Punkte. Der Umsatz an der NYSE stieg auf 928 (Mittwoch: 844) Millionen Aktien. Dabei entfielen auf nur 509 (820) Kursgewinner 2.684 (2.329) -verlierer, unverändert gingen 69 (106) Titel aus dem Handel.

Am Aktienmarkt gerieten vor allem Medien-, Technologie-, Konsum- und Finanzwerte unter Druck. Schwächster Dow-Wert waren Disney mit einem Minus von 6 Prozent. Bernstein hat die Aktie wie auch Time Warner auf Marketperform abgestuft. Time Warner verloren 5 Prozent. Bernstein sagt, der Sektor insgesamt müsse neu bewertet werden und verweist auf die Folgen des "Cord Cutting", bei dem Kunden TV-Verträge bei Kabelanbietern kündigen und auf Alternativen im Internet ausweichen. Viacom, 21st Century Fox und CBS fielen zwischen 3,7 und 6,3 Prozent.

Dagegen ragten Eli Lilly mit einem Plus von gut 4 Prozent positiv heraus. Der Pharmariese hat Daten veröffentlicht, wonach das Diabetes-Medikament Jardiance das Risiko verringert, Herzattacken oder Schlaganfälle zu erleiden.

Das Datenspeicherunternehmen NetApp hat die Markterwartungen im abgelaufenen Quartal übertroffen und mehr verdient als Analysten vorhergesagt hatten. Die Aktie gewann 3,4 Prozent. Der Bekleidungs- und Accessoires-Anbieter Stage Stores hat dagegen die Gewinnprognose verfehlt. Den in Texas ansässigen Konzern habe sowohl ein schwacher mexikanischer Peso wie auch "eine konjunkturelle Abschwächung in Teilen von Texas, Louisiana, Oklahoma und New Mexico belastet", wie CEO Michael Glazer ausführte. Der Kurs brach um 29 Prozent ein.

Für Gesprächsstoff sorgten Übernahmegelüste von Valeant. Das kanadische Pharmaunternehmen übernimmt für 1 Milliarde Dollar Sprout Pharmaceuticals. Sprout hat gerade erst im dritten Anlauf die Zulassung für sein Präparat Addyi - das "Viagra für Frauen" - erhalten, das die weibliche Libido steigern soll.

Devisen: Euro steigt wieder über 1,12 Dollar

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Der Euro hat an die deutlichen Gewinne vom Vorabend angeknüpft und ist über die Marke von 1,12 US-Dollar gestiegen. Am Nachmittag erreichte die Gemeinschaftswährung 1,1221 Dollar. Das ist über einen halben Cent mehr als am Morgen und der höchste Stand seit Ende Juni. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag bei 1,1183 (Mittwoch: 1,1041) Dollar festgesetzt.

Die Entwicklung am Devisenmarkt steht ganz im Schatten der Geldpolitik in den USA. Nach wie vor herrscht unter Anlegern Rätselraten über den Zeitpunkt der ersten US-Zinserhöhung seit mehr als neun Jahren. Als sicher gilt ein Zinsschritt noch in diesem Jahr. Die Frage ist nur: Wird er bereits im September oder erst im Dezember erfolgen? Hinweise der US-Währungshüter auf die ungewöhnlich schwache Inflation in den USA deutet der Markt als Signal für den späteren Dezember-Termin, woraufhin der Dollar unter Druck geriet, während der Euro kräftig zulegen konnte.

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Die politische Krise in der Türkei hat die türkische Lira auf einen neuen Tiefstand geschickt. Für einen Dollar mussten nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg zeitweise 3,0031 Lira bezahlt werden. Damit wurden erstmals mehr als drei Lira für einen Dollar fällig. Die Lira verliert seit Monaten an Wert. Gegenüber dem Dollar büßte die türkische Währung innerhalb eines Monats mehr als zehn Prozent ein, seit Jahresbeginn fast 30 Prozent.

In China hat die Notenbank derweil den Yuan deutlich höher gefixt als am Vortag. Der offizielle Referenzkurs wurde mit 6,3915 nach zuletzt 6,3963 Yuan pro Dollar festgelegt. Aktuell geht der Dollar bei 6,3845 Yuan um. Die Zentralbank erlaubt eine Schwankungsbreite von 2 Prozent um das Wechselkursfixing. Auch zum Yen neigt der Greenback nach dem Fed-Protokoll zur Schwäche. Der Dollar fällt auf 123,95 Yen nach Wechselkursen um klar über 124 Yen am Vortag.

Rohstoffe: Ölpreise weiter unter Druck

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Die Ölpreise bleiben auf Talfahrt und haben zum Teil den tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren erreicht. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Oktober fiel um 54 Cent und lag Donnerstagmittag bei 40,26 Dollar. Zeitweise fiel der WTI-Preis bei 40,21 Dollar sogar auf den tiefsten Stand seit März 2009. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 46,48 US-Dollar. Das waren 68 Cent weniger als am Mittwoch und so wenig wie seit Jahresbeginn nicht mehr.

Am Vortag waren die Preise noch stärker gefallen, nachdem bekannt wurde, dass die US-Ölreserven in der vergangenen Woche überraschend um 2,6 Millionen auf 456,2 Millionen Barrel gestiegen waren. Volkswirte hatten einen Rückgang erwartet. "Mit einem überraschenden Anstieg der Lagerbestände und ausbleibenden Anzeichen irgendeiner Dämpfung des Angebots setzt sich der Abwärtsdruck fort", sagte Michael McCarthy, Chefstratege bei CMC Markets in Sydney.

Die Ölpreise befinden sich bereits seit Anfang Juli mehr oder weniger stark auf Talfahrt. Ursache ist ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt. Vor allem die hohen Fördermengen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und die Schieferölproduktion in den USA sorgen für die Ölschwemme. Gleichzeitig ist die Nachfrage angesichts nachlassender Konjunktur in wichtigen Verbraucherländern wie China eher mau.

Asien: Kurskapriolen in Shanghai, Nikkei mit Verlusten

An den ostasiatischen Börsen ist Trübsal geblasen worden. Praktisch alle Handelsplätze meldeten mehr oder weniger starke Verluste. Anleger einte die Sorge über den konjunkturellen Ausblick der Weltwirtschaft angesichts der weiter fallenden Rohstoffpreise. Der Ölpreis gab weiter nach. Die am Vortag veröffentlichten Protokolle der USA-Notenbank Fed nährten zudem Zweifel, ob schon im September mit einer Zinsanhebung gerechnet werden kann.

Am Aktienmarkt setzten sich die Kurskapriolen in Shanghai fort, der Composite schloss 3,4 Prozent tiefer bei 3664 Punkten. In Hongkong gab der HSI mit 1,8 Prozent ebenfalls deutlicher ab und wechselte zudem gemäß Definition nun in den Bärenmarktmodus. Für etwas Unruhe sorgte in China auch der Umstand, dass die Zentralbank erneut hohe Summen in das Finanzsystem gepumpt hat. "Das vorherrschende Thema ist, dass Schwellenländer derzeit bei Anlegern nicht gut gelitten sind", sagte Marktstratege Shane Oliver von AMP Capital.

In Tokio gab der Nikkei-225 um 0,9 Prozent auf 20.034 Zähler nach. "Ein globaler Konjunkturabschwung wird allgemein erwartet", sagte Marktstratege Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. In Sydney sank der Leitindex S&P/ASX-200 auf Jahrestief - belastet von der Talfahrt bei den Rohstoffpreisen.

Unter den Einzelaktien stiegen die in Tokio schwer gewichteten Softbank um 2,2 Prozent, nachdem Präsident Nikesh Arora Titel des Unternehmens erworben hatte - ein Umstand, der als Vertrauensbeweis gewertet wurde. Ansonsten standen in Tokio vor allem Exportwerte unter Druck, die unter der Aufwertung des Yen litten.

Quelle: n-tv.de

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