Wirtschaft
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Donnerstag, 18. Mai 2017

Wall Street schließt im Plus: Dax testet die 12.500 - und dreht

Nach den deutlichen Verlusten am Mittwoch gibt der Dax weiter nach und fällt unter die 12.500er-Marke. Die politische Gemengelage in den USA ist der Grund. Erst als die Wall Street in positives Terrain dreht, erholt sich der Dax etwas.

Am deutschen Aktienmarkt ist am Donnerstag keine Langeweile aufgekommen. Zunächst setzte der Dax seinen am Mittwoch eingeschlagenen Abwärtstrend fort und markierte bei 12.490 Punkten sein Tagestief. Dann setzte eine Erholung ein, die am frühen Nachmittag aber wieder vorbei war. Erst im späten Geschäft - und mit einer positiven Wall Street - änderte sich das Blatt erneut. Die "Russland-Affäre" von US-Präsident Donald Trump beschäftigte die Anleger: "Die große Frage ist: Was passiert in Amerika? Die Anleger haben auf Trump und seine Pläne gesetzt. Wenn die nicht kommen, können wir uns hier warm anziehen", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil. "Enttäuschte Hoffnungen", sagte auch n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

Der Dax schloss 0,3 Prozent im Minus bei 12.590 Punkten. Am Montag war der Leitindex gestiegen, am Dienstag minimal gefallen - bei einem neuen Allzeithoch von 12.842 Stellen -, ehe er am Mittwoch 1,4 Prozent eingebüßt hatte. Der MDax verabschiedete sich 0,2 Prozent schwächer mit 24.647 Zählern. Der TecDax gab 0,1 Prozent auf 2196 Stellen nach.

"Die gegenwärtige Reaktion beim Dax ist erst einmal eine mehr als notwendige Korrektur der scharfen und schnellen Rally zuvor", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Auslöser ist Donald Trump, so wie er seit November Auslöser einer sagenhaften Rally - speziell bei US-Aktien - war." Saurenz weiter: "Von einem Börsenbeben zu sprechen, ist jedoch bisher völlig überzogen. Dies wäre der Fall, wenn der Dax schnell Richtung 11.000 Zähler fällt. Sollten sich die Verwerfungen um Trump verstärken, könnte die Reaktion jetzt ein sanfter Vorgeschmack auf einen sehr ungemütlichen Sommer am Aktienmarkt werden", erläuterte der Marktstratege.

Trump, Trump, Trump

Die Entwicklungen um die "Russland-Affäre" von US-Präsident Trump scheinen immer mehr Fahrt aufzunehmen. Nach den jüngsten Enthüllungen im Zuge der Entlassung von FBI-Direktor James Comey soll nun ein Sonderermittler tätig werden. Er soll die möglichen Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam mit Russland untersuchen. Zudem macht verstärkt der Begriff "Amtsenthebung" in Washington die Runde.

Einerseits wird nun gewarnt, Trumps Politik-Chaos könnte die Party an den hoch bewerteten US-Börsen nun abrupt beenden. Andererseits verwiesen Marktteilnehmer auch auf das Motto, nach dem politische Börsen kurze Beine haben. "Denn mittelfristig können wir davon ausgehen, dass selbst ein Rücktritt oder ein erfolgreiches Impeachment des US Präsidenten keine realwirtschaftlichen Folgen hätte", hieß es von Seiten der Commerzbank.

Devisen: Dollar-Schwäche ebbt ab

Der Dollar konnte sich indes erholen und seine Talfahrt erst einmal beenden. Der Euro gab etwas nach, notierte am Abend mit 1,1122 Dollar rund 0,4 Prozent schwächer als zur Wochenmitte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1129 Dollar fest nach 1,1117 Dollar am Mittwoch. Am vergangenen Freitag lag der Euro noch unter 1,09 Dollar.

Devisen-Analysten schlossen einen weiteren Anstieg der Gemeinschaftswährung nicht aus. Sollte die Unterstützung bei 1,1095 Dollar halten, sei ein Sprung über die Marke von 1,12 Dollar möglich, hieß es.

Dax: Merck - Cryan

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Im Dax stand die Deutsche Bank im Fokus, die zur Hauptversammlung geladen hatte. Die Führung des Instituts musste sich dabei unangenehmen Fragen stellen. Mit ISS schlug sich der einflussreichste Stimmrechtsberater erneut auf die Seite einer kritischen Aktionärin, die Sonderprüfungen zu zwei besonders großen Rechtsstreitigkeiten des Geldhauses fordert: dem Skandal um manipulierte Zinsen und der Geldwäsche-Affäre in Russland. Deutsche-Bank-Titel drehten rund 0,5 Prozent ins Plus.

Merck gaben dagegen etwa 2 Prozent ab. Die Erwartungen seien voll erfüllt worden, hieß es von Handelsseite zu den veröffentlichten Quartalszahlen. Allerdings habe der Markt beim Ausblick mehr erwartet.

MDax: Rheinmetall gewinnt Großauftrag

Rheinmetall büßten rund 1 Prozent ein. Der Automobiltechnik- und Rüstungskonzern hatte einen Großauftrag zur Herstellung von Gehäusen für Elektromotoren von Pkw erhalten. Auftraggeber ist ein namentlich nicht genannter, weltweit tätiger deutscher Automobilhersteller, wie Rheinmetall mitteilte. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro bei einer Laufzeit von sieben Jahren.

Evonik legten 0,4 Prozent zu. Baader Helvea hat die Aktien des Chemiekonzerns auf die Kaufliste genommen.

TecDax: Wirecard verdient mehr

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Wirecard hatte im ersten Quartal auch unter dem Strich den Gewinn deutlich gesteigert und dabei von der zunehmenden Digitalisierung der Zahlungsprozesse profitiert. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte der Zahlungsdienstleister. Wirecard-Titel schlossen rund 1 Prozent fester.

SDax: Anleger strafen Grammer ab

Zu einem deutlichen Kurseinbruch von in der Spitze mehr als 10 Prozent bei Grammer führten Aussagen von Aufsichtsratschef Klaus Probst in der "Wirtschaftswoche". Probst sagte, die Aufträge hätten sich im ersten Quartal halbiert. Grund sei eine tiefsitzende Skepsis der Kunden aus der Autoindustrie gegenüber dem Großinvestor Hastor. Er hatte schon bei VW durch verweigerte Belieferungen für einen Produktionsstillstand gesorgt. Zum Handelsschluss betrug der Abschlag noch etwa 2 Prozent.

Ebenfalls rund 2 Prozent gaben Zooplus nach. Im Handel wurde vor allem auf die Ertragsentwicklung bei Zooplus geschaut. Diese hatte, wie erwartet, im ersten Quartal unter dem Produktmix gelitten.

Europa: Fiat im Visier der Behörden

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In London stiegen die Aktien von Burberry etwa 2,5 Prozent. Der Hersteller kostspieliger Trenchcoats und Handtaschen hatte im vergangenen Jahr fast 400 Millionen Pfund Gewinn gemacht und erhöht die Dividende.

Fiat Chrysler verloren rund 4 Prozent. "Nach der EU-Kommission gibt es jetzt auch ernsthafte Kläger gegen Fiat", sagte ein Händler mit Verweis auf Berichte, wonach auch das US-Justizministerium Klagen wegen falscher Emissionswerte vorbereitet. "Die EU ist eben ein zahnloser Tiger, was die fehlende Entschädigung europäischer Käufer bei VW gezeigt hat", so der Händler: "Die US-Justiz ist da ein ganz anderes Kaliber."

USA: Trump bleibt das Thema

Abschütteln konnten die US-Börsen das Politchaos in Washington zwar nicht. Nach dem schwächsten Handelstag seit zehn Monaten am Vortag ist es am Donnerstag mit den Indizes dennoch wieder etwas nach oben gegangen. Etwas Rückenwind kam von gut ausgefallenen Konjunkturdaten, wenngleich diese angesichts der Skandalserie um US-Präsident Donald Trump allenfalls die zweite Geige spielen.

Der Dow-Jones-Index legte um 0,3 Prozent zu auf 20.663 Punkte, der S&P-500 kam um 0,4 Prozent voran und der Nasdaq-Composite, klares Schlusslicht am Mittwoch, erholte sich um 0,7 Prozent.

Bei den US-Einzelwerten waren Papiere des führenden Einzelhändlers Wal-Mart gefragt. Dieser steigerte seinen Umsatz im zurückliegenden Quartal etwas stärker als erwartet und rechnet für das laufende Quartal mit einer weiteren Beschleunigung. Der Kurs zog um 3,2 Prozent an.

Die Papiere des Netzwerkausrüsters Cisco Systems verbilligten sich dagegen um rund sieben Prozent, da er mit seiner Umsatzprognose die Anleger enttäuschte. Die Erlöse dürften im laufenden Quartal um vier bis sechs Prozent sinken, erwartet das Unternehmen. Zudem will Cisco weitere 1100 Stellen streichen, was zu einer Sonderbelastung vor Steuern von 150 Millionen Dollar führt.

Rohstoffe: Gold und Öl billiger

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Der Goldpreis kam nach seiner jüngsten "Trump-Rally" deutlicher zurück, zusätzlich belastet vom steigenden Dollar. Die Feinunze kostete mit 1248 Dollar ein Prozent weniger als am Vorabend. Am Vortag hatte der Goldpreis mit den Trump-Schlagzeilen den höchsten Settlementstand seit Ende April erklommen.

Volatil ging es am Ölmarkt zu. Die Ölpreisrally des Vortages schien zunächst auszulaufen, ehe die Preise wieder den Weg nach oben antraten. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 49,33 Dollar und damit ein Dreiwochenhoch.

Ein stützender Faktor dürfte gewesen sein, dass auf dem US-Öldrehkreuz Cushing die Vorräte gesunken sind. Das ging aus Daten des Branchendienstes Genscape hervor. Markteilnehmer rechnen in den nächsten Tagen bis zum Opec-Treffen am 25. Mai mit einem sprunghaften Handel am Ölmarkt. Bei dem Treffen sollen die Opec-Länder der Vereinbarung Russlands und Saudi-Arabiens zustimmen, die Förderdrosselung zeitlich auszuweiten.

Asien: Deutliche Verluste beim Nikkei

Die sich immer weiter drehende Spirale politischer Unsicherheiten in den USA führte auch an den ostasiatischen Aktienmärkten zu deutlichen Kursverlusten. "Der Markt beginnt einzupreisen, dass sich die angekündigte Steuerreform der Trump-Regierung wohl deutlich nach hinten verschieben wird", so Stratege Zhu Huani von der Mizuho Bank.

Den größten Abschlag verzeichnete die Börse in Tokio, wo der Nikkei-Index 1,3 Prozent auf 19.554 Punkte nachgab. Der Shanghai Composite reduzierte dagegen vergleichsweise nur unwesentlich. In Australien ging es für den S&P/ASX 00 1,4 Prozent nach unten.

Abermals abwärts hieß es für die Versicherer in Tokio. Sie leiden unter den fallenden Renditen am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen war am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit einem Monat abgerutscht. Dai-Ichi Life fielen zeitweise rund 5 Prozent und T&D Holdings etwa 4 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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