Wirtschaft
(Foto: imago/Karina Hessland)

Wall Street leicht im Plus: Dax trägt kleinen Gewinn ins Wochenende

Mit einem positiven Abschluss verabschiedet sich der deutsche Leitindex ins Wochenende. Die 10.000er-Marke hält und auf Wochensicht bleibt ein kleiner Gewinn. Kurstreiber ist bis zuletzt die Hoffnung auf eine vorerst ausbleibende Zinswende in den USA.

Nach einem schwungvollen Start geriet der Dax mit dem Options-Verfall am Mittag unter Druck. Der Index gab damit fast seine ganzen Gewinne vom Vormittag wieder ab. Eine solche Bewegung war im Vorfeld auf Grund des hohen Open-Interest in den 10.000er Dax-Optionen schon erwartet worden. Für etwas Verunsicherung sorgte zudem, dass die Türkei über ihrem Gebiet eine Drohne unbekannter Herkunft abgeschossen hat. Bis zum Ende konnte er jedoch ein kleines Plus behaupten und so deutlich oberhalb der 10.000er-Marke ins Wochenende gehen.

Stützend wirkte die zunehmende Gewissheit, dass eine Zinserhöhung in den USA aufgrund schwächerer Wirtschaftsdaten immer unwahrscheinlicher wird. Größere Kursgewinne seien lediglich dadurch verhindert worden, dass der Markt noch auf das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal wartet. Die Daten aus Peking werden am kommenden Montag veröffentlicht.

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"Das Ausbleiben der Zinserhöhung in den USA hat dem Dax in der vergangenen Woche Rückenwind gegeben", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research die Börsenwoche. "Ab Mitte Oktober geht es auch in Deutschland nun in die Quartalssaison. Dort wird sich entscheiden, wie weit die Jahresendrally den Dax führen kann."

Keine negativen Auswirkungen hatten fallende Verbraucherpreise in der Eurozone. Die jährliche Inflationsrate habe im September bei minus 0,1 Prozent gelegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag mit. Damit bestätigte Eurostat eine erste Schätzung. Das ist der erste Rückgang des Preisniveaus seit März. Im Vormonat waren die Verbraucherpreise noch leicht um 0,1 Prozent gestiegen.

Frankfurt: VW können sich nicht vom Dax-Ende lösen

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Der Dax schloss 0,4 Prozent höher auf 10.104 Punkten. Für den MDax ging es hingegen 0,3 Prozent nach unten auf 19.641 Zähler. Um 0,7 Prozent verbesserte sich der TecDax, der damit auf 1741 Punkte anstieg. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,8 Prozent nach oben auf 3264 Punkte.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten erneut die Versorger-Aktien: RWE stiegen um 3,0 Prozent und lagen damit an der Dax-Spitze. Auch Eon konnten sich um 1,7 Prozent verbessern.

Die Vorzugsaktien von Volkswagen verloren am Dax-Ende 2,1 Prozent und stoppten nur knapp vor der 100-Euro-Marke. Der Marktanteil des vom Abgasskandal geplagten Konzerns ging im September in Europa zurück. Die Aktien von BMW und Daimler schlossen 0,3 und 0,7 Prozent tiefer.

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Weiter im Blick stand die Übernahmewelle im Immobiliensektor. Der Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) hatte seine Unterstützung für die Übernahme von LEG Immobilien durch Deutsche Wohnen zurückgezogen. Stattdessen sprach sich ISS nun für das Vonovia-Gebot für Deutsche Wohnen aus. Bereits zuvor hatten sich Aktionäre wie der niederländische Pensionsfonds PGGM dafür ausgesprochen. "Die Wahrscheinlichkeit eines Vonovia-Wohnen-Deals steigt damit", sagte ein Händler. LEG gaben um 1,6 Prozent nach, Deutsche Wohnen verloren 0,5 Prozent und Vonovia schlossen mit einem Minus von 1,7 Prozent auf dem vorletzten Dax-Rang.

Im MDax wurde Hugo Boss nach der gesenkten Prognose für das Gesamtjahr von deutlichen Kursverlusten heimgesucht. Die Aktie büßte rund elf Prozent ein. Bei Boss steht vor allem das Geschäft in den Schwellenländern unter Druck. Der Konzern rechnet dort mit einer weiteren Abschwächung und geht nur noch von einem währungsbereinigten Umsatzplus zwischen 3 und 5 Prozent aus nach einem bislang mittleren einstelligen Betrag.

USA: Wall Street hält Vortagesgewinne fest

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Mit leichten Gewinnen konnten die US-Aktienmärkte den letzten Handelstag der Woche beenden und damit zwischenzeitliche Verluste wettmachen. Unterstützung kam von den internationalen Börsen, wo es zum Wochenschluss mehrheitlich weiter bergauf geht. Für Zuversicht sorgt zudem, dass der S&P-500-Index am Donnerstag die psychologisch wichtige 2.000er Marke wieder deutlich überwinden konnte.

Der Dow-Jones-Index legt um 0,4 Prozent zu auf 17.216 Punkte, der S&P-500 um 0,5 Prozent auf 2033 Zähler. Die Nasdaq-Indizes zeigen sich gut behauptet und gewannen 0,3 Prozent auf 4487 Punkte.

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Fast überall sind es Spekulationen über weitere geld- und konjunkturpolitische Maßnahmen, die die Kurse treiben. In den USA war es zuletzt die Hoffnung auf eine weiter verzögerte Zinsanhebung, die für Aktienkäufe sorgte. Neue kurz vor dem Börsenstart gemeldete Daten zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung bringen diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse, weil sie wie erwartet ausgefallen sind. Die Industrieproduktion ist im September zum Vormonat um 0,2 Prozent gesunken, spricht also eher gegen eine schnelle Zinserhöhung. Dagegen hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im Oktober wesentlich stärker als erwartet aufgehellt. Der an der Universität Michigan berechnete Index stieg laut der ersten Umfrage auf 92,1 Punkte. Ökonomen hatten lediglich einen Wert von 89,5 erwartet. Daneben lieferte die Berichtssaison dem Markt weiter Impulse.

 

GE hat im Zuge seiner Rückbesinnung auf das Kerngeschäft erwartungsgemäß einen Umsatzrückgang verbucht. Der Nettogewinn sank zwar deutlich auf 2,5 Milliarden Dollar nach 3,5 Milliarden Dollar im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Der bereinigte Gewinn fiel allerdings immer noch besser aus als von Analysten geschätzt. Die Aktie stieg um 3,4 Prozent und war stärkster Gewinner im Dow-Jones-Index. Am anderen Ende der Kurstafel standen Caterpillar mit einem Minus von 1,6 Prozent. Hier belasteten die anhaltenden Sorgen um die Konjunktur in China.

Ein erwartet schwaches Quartalsergebnis drückte den Kurs des Ölfeldausrüsters Schlumberger um 2,2 Prozent. Die Aktie des Chipherstellers AMD reduzierte sich um 1,5 Prozent. Der Konzern hat für das dritte Quartal einen unerwartet hohen Fehlbetrag ausgewiesen. Etwas kursstützend wirkt aber offenbar, dass AMD über überraschend hohe Barmittel von 755 Millionen Dollar verfügt.

Mattel verspricht dicke Dividende

Mattel legten um 6,0 Prozent zu. Der Spielzeughersteller hat zwar den achten Umsatzrückgang in Folge gemeldet und auch die Marken-Ikone Barbie verkaufte sich erneut schlecht. An der üppigen Dividende will Mattel aber keine Abstriche machen. "Wir haben genug Liquidität, um die Dividende zu bedienen", sagte Chef Chris Sinclair dem "Wall Street Journal".

Yum Brands profitierten davon, dass das Unternehmen einen aktivistischen Investor an Bord holt, der sich für die Abtrennung des mit Problemen kämpfenden China-Geschäfts ausspricht. Die Aktie verbesserte sich um 4,2 Prozent. Yum hat allerdings auch den Gewinnausblick gesenkt wegen ungünstiger Entwicklungen auf der Währungsseite.

Die Twitter-Aktie legte um 4,8 Prozent zu. Steve Ballmer ist jetzt einer der größten Aktionäre bei dem Kurznachrichtendienst. Wie der ehemalige Microsoft-Chef am Freitag mitteilte, hält er einen Anteil von 4 Prozent. Ballmer hat den Anteil nach eigener Aussage in den vergangenen Monaten erworben. Der Wert der Beteiligung liegt aktuell bei mehr als 800 Millionen Dollar.

Asien: Sattes Plus in Tokio

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Gewinne an der Wall Street haben auch den meisten asiatischen Aktienmärkten Auftrieb verliehen. So beendete der Tokioter Nikkei-Index den Handel mit einem Plus von 1,1 Prozent. Die Börse in Shanghai legte sogar 1,4 Prozent zu.

An der Tokioter Börse standen Immobilienaktien im Mittelpunkt. Hintergrund ist die Vermutung, dass die japanische Notenbank bei ihrer Sitzung am 30. Oktober die Geldpolitik weiter lockern und dies der Branche zugutekommen könnte. So legten die Papiere von Mitsui Fudosan um 1,7 Prozent zu.

Devisen: US-Dollar deutlich fester

Der Euro bewegt sich nach seinem Donnerstagausflug heran an die Marke von 1,15 US-Dollar wieder in niedrigeren Gefilden. Die Gemeinschaftswährung notiert am Morgen bei 1,1384 Dollar.

Der Greenback macht auch zum japanischen Yen Boden gut, nachdem ein Vertreter der US-Notenbank eine Zinserhöhung der Federal Reserve noch im laufenden Jahr als durchaus möglich bezeichnet hatte. William Dudley, Präsident der New Yorker Fed-Filiale, sagte, er glaube nach wie vor, dass die Zinsen noch vor Ende des Jahres erhöht werden könnten. Der Dollar steigt auf 119,15 Yen, nachdem er am Donnerstag bis auf gut 118 Yen abgerutscht war.

Rohstoffe: Ölpreise legen kräftig zu

Mit den Ölpreisen geht es aufwärts. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostet am Nachmittag 50,31 US-Dollar. Das sind 58 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im November steigt um 88 Cent auf 47,26 Dollar.

Händler erklären die steigenden Ölpreise mit der freundlichen Stimmung an den Aktienmärkten zum Wochenschluss. Kursgewinne an den Börsen in den USA und in Asien hätten für mehr Risikofreude gesorgt und die Ölpreise mit nach oben gezogen, sagte Analyst Ric Spooner von CMC Markets. Außerdem gebe es am Ölmarkt die Hoffnung, dass aufgrund der niedrigen Ölpreise die Produktionsmengen in Förderstaaten außerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sinken wird.

Quelle: n-tv.de

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