Wirtschaft
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Zuversichtliche Anleger: Dax überwindet 9000 Punkte

Nach schwachem Start arbeitet sich der deutsche Leitindex Dax Stück für Stück vor. Für Zuversicht sorgen nicht nur Nachrichten aus Deutschland.

Positiv aufgenommene Konjunkturindikatoren Deutschland, der Eurozone und den USA haben den Dax angeschoben. Wie vom Handel erhofft, erwiesen sich die Einkaufsmanagerindizes als echte Kurstreiber.

"Aufatmen ist angesagt", so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Die Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen waren fehl am Platz. Die schwächere Währung verhilft der deutschen Wirtschaft zu einem neu hinzugewonnenen Wettbewerbsvorteil. Rezessionsängste sind jedenfalls nicht angebracht."

Der Dax legte 1,9 Prozent auf 9047 Punkte zu. "Die Gefahr eines längerfristigen großen Kursabschwungs hat damit weiter nachgelassen", sagt Thorsten Grisse, Marktanalyst der Commerzbank.Der MDax gewann 0,7 Prozent auf 15.693 Zähler. Auch für die Technologiewerte ging es unter dem Strich nach oben: Der TecDax stieg 0,1 Prozent auf 1209 Punkte. Er wurde vor allem vom Kurseinbruch des Lasertechnikspezialisten LPKF belastet.

In den USA haben in der vergangenen Woche so wenige Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt wie zuletzt im Mai 2000. Starke Unternehmenszahlen kamen unter anderem von Caterpillar, einem besonders stark konjunkturabhängigem US-Konzern. "Die Zahlen vertreiben die Furcht vor einer Rezession", sagt ein Händler.

Einkaufsmanangerindex

Der Einkaufsmanagerindex ist ein viel beachtetes Konjunkturbarometer für die gesamtwirtschaftliche Lage. Für den Index werden Manager, die für ihre Unternehmen im Einkauf tätig sind, zur aktuellen Geschäftslage ihrer Betriebe befragt. Dabei werden wichtige Kenngrößen wie Auftragslage, Produktion, Exportaufträge, Beschäftigung und Einkaufspreise erhoben. Über der Schwelle von 50 Zählern wird Wachstum signalisiert.

Zuvor waren nach den deutschen auch die europäischen Einkaufsmanagerindizes besser als erwartet ausgefallen. Die schwachen französischen Daten scheinen damit überwunden, sie hatten am Morgen den Dax im Minus starten lassen.

"Nach den vielen Stimmungsindikatoren handelt es sich jetzt endlich um die ersten ernstzunehmenden Daten aus der Realwirtschaft", sagt ein Händler. Der Markt habe auf Indikationen gewartet, wie das vierte Quartal in der Wirtschaft angelaufen ist. "Mittlerweile merkt der Markt, dass der Kurseinbruch in Folge der deutschen Industrieproduktion übertrieben war, weil sie durch Ferieneffekte verzerrt war", so ein anderer Händler. Auch der Ifo-Index kommende Woche dürfte daher besser als befürchtet ausfallen: "Die meisten Euro-Ausländer hatten auf eine bevorstehende Rezession und damit fallende Kurse gesetzt". Heftige Eindeckungskäufe vor allem aus den USA könnten nun folgen.

Die Indizes für die Industrie und Dienstleistungen aus dem Euro-Raum hatten zuletzt sehr negativ überrascht und zum jüngsten Abverkauf an den Börsen beigetragen. Doch einige Börsianer bleiben skeptisch. "Deutschland hat den Tag gerettet, aber die Stimmung ist immer noch pessimistisch, und ich rechne mit weiteren Kursverlusten", sagt ein Londoner Händler.

Einen überzeugenden von der Bank HSBC ermittelten Einkaufsmanager-Index gab es über Nacht bereits aus China. Die Aktivität in der chinesischen Industrie hat im Oktober leicht zugelegt, was die Sorgen über das Tempo des Wirtschaftswachstum dämpft. Allerdings gab es auch einen Wermutstropfen: "Während sich der verarbeitende Sektor im Oktober zu stabilisieren scheint, zeigt die Wirtschaft insgesamt weiter Anzeichen einer nicht ausreichenden effektiven Nachfrage", warnt HSBC-Volkswirt Qu Hongbin.

Für Gesprächsstoff sorgte auch der EZB-Bankenstresstest. Am Sonntag werden die Ergebnisse veröffentlicht. Die geprüften Institute sollen am Donnerstag erfahren, ob und wie sie bestanden haben. "Die Erwartungen der Anleger an den Stresstest sind hoch, da dieser von der EZB als wichtige Orientierungshilfe für den Bankensektor angekündigt wurde", sagt Vincent Papa vom Finanzverband CFA. "Bei einigen europäischen Banken könnten wir Eigenkapitallücken sehen."

Auf der Verliererseite ragten mit LPKF Laser ein Wert aus dem TecDax heraus: Nach einer Gewinn- und Umsatzwarnung brach der Kurs um 23 Prozent ein. Vorsichtig waren die Anleger auch bei SMA Solar: Der Kurs fiel um 7,3 Prozent, das Unternehmen legt voraussichtlich am 6. November die Zahlen zum abgelaufenen Quartal vor.

Angeführt wurden die Gewinner im Dax von ThyssenKrupp und SAP, die beide knapp 3 Prozent gewannen.

Bei den Nebenwerten konnte der Triebwerksbauer MTU mit der Aufstockung der Jahresprognose glänzen. Die Titel gewannen im MDax 1,7 Prozent. Die Steigerung von Gewinn und Umsatz trieb die Aktien von Krones um 3,9 Prozent nach oben.

Quelle: n-tv.de

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