Wirtschaft
Die Skyline von Frankfurt: Dienstag ist die Deutsche Bank (der Doppelturm ist links im Bild) dran. Investoren trauen dem Finanzinstitut im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von gut einer Milliarde Euro zu.
Die Skyline von Frankfurt: Dienstag ist die Deutsche Bank (der Doppelturm ist links im Bild) dran. Investoren trauen dem Finanzinstitut im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von gut einer Milliarde Euro zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Börsen-Ausblick: Dax und Dow bekommen gut zu tun

Zahlenflut und Notenbanken - in der kommenden Woche gibt es für Börsianer ein richtiges Potpourri, von allem etwas. In punkto Unternehmenszahlen haben die USA die Nase vorn. Jetzt wird es aber auch in Europa ernst: die großen Geldhäuser öffnen die Bücher.

Konjunkturdaten en masse, eine Flut von Quartalszahlen und gleich drei wichtige Notenbanksitzungen - von Durchatmen kann an den internationalen Aktienmärkten in der nächsten Woche keine Rede sein. "Beim Dax und Dow ist angesichts dieses straffen Programms in den kommenden Tagen alles drin," erklären Marktbeobachter. Langfristig dürfte es jedoch bergauf gehen, prognostizieren die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) - dank anhaltend niedriger Leitzinsen und einer allenfalls marktschonenden Reduzierung der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank.

Während die Wall Street ihre Rekordjagd in der vorigen Woche wieder aufgenommen hat, ist der Dax noch rund 300 Punkte von seinem Allzeithoch von 8557,86 Zählern entfernt. Zuletzt hatten enttäuschende Firmenbilanzen dem deutschen Leitindex zugesetzt: BASF gab die Hoffnung auf eine Belebung in diesem Jahr auf, SAP legte schwache Zahlen vor. Siemens schockte vor der Bilanzvorlage am Donnerstag mit einer Gewinnwarnung. "Die Dax-Berichtssaison ist sehr holprig angelaufen", konstatierten die LBB-Analysten. "Sollte sich diese Tendenz fortsetzen, könnte der Dax zunächst in eine Konsolidierung übergehen." Auf Wochensicht verlor er ein Prozent.

Bessere Bilanzen aus den USA

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Etwas besser sah es in punkto Bilanzen dagegen in den USA aus: "Die   ersten Ergebnisse der Unternehmen waren gut", fasst Gecam-Portfoliomanager Daniel Zindstein zusammen. Vor allem bei Facebook waren die Anleger angesichts starker Umsatz- und Gewinnzahlen völlig aus dem Häuschen: die Aktien hatten fast 30 Prozent an Wert gewonnen. "Zudem übertraf General Motors die Gewinnschätzungen der Analysten um 9,8 Prozent, Dow Chemical um 2,9 Prozent und Coca Cola um 1,4 Prozent", rechnet LBBW-Investmentanalyst Clemens Bundschuh vor. Der Dow war am Dienstag auf ein neues Rekordhoch von 15604,22 Zählern geklettert, danach trat er aber auf der Stelle. Nach rund der Hälfte der US-Bilanzsaison legen in der neuen Woche die Pharmariesen Pfizer und Merck & Co am Dienstag und der Versicherer AIG sowie Ölmulti Exxon Mobil am Donnerstag ihr Quartalszahlen vor.

In Europa wird es bei den Geldhäusern ernst. Analysten schauen bei der Bilanz der Deutschen Bank und von Barclays am Dienstag vor allem auf das Investmentbanking. Insgesamt trauen Investoren der Deutschen Bank im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von gut einer Milliarde Euro zu. Das wäre etwa die Hälfte dessen, was der Konzern zu Jahresbeginn geschafft hat, aber ein wenig mehr als im Vorjahresquartal.

Auch die spanische Großbank Santander präsentiert am Dienstag ihre Zwischenbilanz, im weiteren Wochenverlauf folgen dann unter anderem BBVA, BNP Paribas, Lloyds und Societe Generale. Bei den spanischen Instituten ist die große Frage, ob sie angesichts der heimischen Rezession noch mehr faule Kredite schultern müssen. Am Freitag muss die Allianz zeigen, ob sie das Wachstum in der Vermögensverwaltung halten kann. Am Mittwoch stehen Zahlen von VW und Bayer an.

Geldpolitik bleibt Dauerthema

Tonangebend sind in den kommenden Tagen auch die Notenbanken: Federal Reserve, Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England kommen zu ihren Zinssitzungen zusammen. Analysten gehen allerdings davon aus, dass die Treffen eher unspektakulär verlaufen dürften. Die anstehenden Datenschwergewichte aus den USA - wie die vorläufigen BIP-Zahlen am Mittwoch oder der Arbeitsmarktbericht am Freitag - dürften das Bild einer im zweiten Quartal schwächelnden, aber jetzt wieder anziehenden US-Wirtschaft bestätigen, schreibt die Commerzbank-Analystin Antje Praefcke in einem Kommentar. "Insofern besteht für die Fed noch kein Grund, eine schnelle Reduzierung der Anleihekäufe (QE3) zu signalisieren, auch wenn sich der Markt natürlich noch mehr 'Forward Guidance' von ihr am Mittwoch erhofft."

Auch hinsichtlich der EZB-Sitzung am Donnerstag warten die Investoren mit Spannung auf neue Hinweise zur Dauer der Niedrigzinsphase, auf die sich die Währungshüter Anfang Juli festgelegt hatten. EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, die Notenbank werde ihren konjunkturstützenden Kurs so lange wie nötig fortsetzen und den Schlüsselzins in der Eurozone wohl noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau halten. Nun dürfte die Interpretation dieser Aussagen im Mittelpunkt stehen, zusätzliche expansive Maßnahmen seien nach den zuletzt besseren Stimmungsindikatoren in der Währungsunion nicht zu erwarten, prognostizierte Commerzbank-Analyst Christoph Balz. Ähnliches galt für die Bank of England (BoE), die bereits auf ihrer letzten Sitzung darauf verzichtet hatte, ihre Staatsanleihenkäufe auszuweiten.

Quelle: n-tv.de

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