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Allgemeine Richtungssuche: Dax und Dow können sich nicht entscheiden

Hüpfende Indizes, dramatische Kurssprünge - damit hatten Börsianer gerechnet, angesichts zweier brisanter Termine: das Sondertreffen zur Griechen-Krise und die Ukraine-Gespräche ins Minsk. Doch es tut sich wenig. Nicht nur der Dax schließt neutral.

Die Bemühungen um eine Lösung des griechischen Schuldenstreits und einen Waffenstillstand in der Ostukraine hielten die Aktienanleger am Mittwoch in Atem. Im Blick standen zum einen das Sondertreffen der Eurogruppe. Im weißrussischen Minsk sollte über einen Waffenstillstand für die Ostukraine verhandelt werden.

Hoffnung herrschte an der Börse, dass die Themen griechische Schuldenkrise und der "Grexit", also der Austritt Griechenlands aus dem Euro, bald vom Tisch sind. Die Euro-Finanzminister befassten sich in Brüssel mit dem Streit um die griechischen Schulden, am Donnerstag findet dann ein informeller EU-Gipfel statt. Im Vorfeld des Eurogruppen-Treffens pochte Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis erneut auf einen Schuldenschnitt. Allerdings sei nicht zu erwarten, dass es bereits zu abschließenden Festlegungen komme, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Der Dax befreite sich am Nachmittag nur vorübergehend aus der Verlustzone und notierte am Ende nahezu unverändert bei 10.752 Punkten. Der Nebenwerte-Index MDax verlor 0,2 Prozent und sank auf 18.867 Zähler, der TecDax legte hingegen 0,3 Prozent zu und lag bei 1504 Punkten. Der Eurozonen-Index Euro-Stoxx-50 verlor 0,3 Prozent und fiel auf 3372 Zähler.

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Dabei hatte man sich im Handel auf ein möglicherweise hochvolatiles Geschäft eingestellt. Es wurde angenommen, dass die Kurse stark auf politische Verlautbarungen und Marktspekulationen reagieren würden.

Wall Street bleibt am Boden, Tokio geschlossen

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,04 Prozent tiefer auf 17.862 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte unverändert auf 2068 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte getrieben von Kursgewinnen von Apple 0,3 Prozent auf 4801 Stellen vor.

Apple-Anteilsscheine verteuerten sich um 2,3 Prozent auf 124,88 Dollar. Der iPhone-Hersteller wird nach Auffassung seines Großinvestors Carl Icahn an der Börse deutlich unter Wert gehandelt. Die Aktie des US-Technologiekonzerns sollte seiner Meinung nach bei 216 Dollar notieren.

Bei den Einzelwerten stand auch das Möbelhaus Pier 1 im Blick der Anleger. Das Unternehmen kappte wegen schwächelnder Geschäfte zum Jahresauftakt und steigender Kosten die Ziele für 2015. Die Aktie brach 24 Prozent ein.

Um mehr als sechs Prozent legten dagegen die Anteilsscheine der Drogeriekette Rite Aid zu, die für den Kauf des Arznei-Dienstleisters EnvisionRx zwei Milliarden Dollar hinblättert.

Der Limonaden- und Snackkonzern Pepsico kauft eigene Aktien in großem Stil zurück. Bis 2018 will der Coca-Cola-Rivale dafür zwölf Milliarden Dollar ausgegeben. Anleger honorierten das mit einem Kursplus von gut zwei Prozent.

In Japan blieben die Börsen am Mittwoch wegen eines Feiertags geschlossen. Die Mehrheit der übrigen ostasiatischen Börsen profitiert zur Wochenmitte von der Hoffnung auf eine Lösung für die griechische Schuldenkrise. Der Schanghai-Composite schloss 0,5 Prozentpunkte im Plus bei 3158 Punkten. Zu den Verlierern gehört der Aktienmarkt in Hongkong, wo Kursverluste des Schwergewichts HSBC den Hang Seng um 0,9 Prozent nachgeben lassen und fiel auf 24.321 Punkte.

Euro in Wartestellung, Ölpreise lassen nach

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Der Euro notiert büßte am Nachmittag etwas an Wert ein, sank zwischenzeitlich unter die 1,13-Dollar-Marke, aber erholte sich danach leicht. Aktuell verliert er 0,1 Prozent auf 1,1308 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1314 Dollar festgesetzt. Eine Einigung beim Eurogruppen-Treffen in Brüssel dürfte eine größere Erholung im Euro auslösen.

Die Ölpreise befanden sich nach einem Anstieg am Morgen ab dem Vormittag wieder im Rückwärtsgang. Am späten Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 55,00 US-Dollar. Das waren 1,43 Dollar weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 1,42 Dollar auf 48,60 Dollar.

Nach der Internationalen Energieagentur hat auch die US-Behörde Energy Information Administration ihre Erwartungen für die amerikanische Ölindustrie etwas zurückgenommen. Als Grund gilt der Ölpreisverfall seit vergangenem Sommer, der die Förderung weniger lukrativ macht und die Investitionen sinken lässt.

Merck geben nach Analystenkommentar ab

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Größte Dax-Gewinner waren RWE, die 1,3 Prozent zulegten. Stark zeigten sich auch Adidas mit einem Plus von ebenfalls 1,3 Prozent.

K+S fanden sich auf Platz drei wieder mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent. Hier stützten positive Aussagen eines Konkurrenten auf dem Düngemittel-Markt, das norwegische Unternehmen Yara, zum ersten Quartal.

Auf der Verlierseite landeten unter anderem Merck, die 0,4 Prozent abgaben. Die WGZ-Bank hatte ihre Einstufung von "Halten" auf "Verkaufen" gesenkt. Die Merck-Aktie sei in den vergangenen Monaten besser gelaufen als der Dax, sagte die WGZ-Bank. Der Kursanstieg sei vor allem der "aktienmarktfreundlichen Politik der EZB" zu verdanken.

Größter Verlierer im Dax war die Aktie der Deutschen Post, die 1,7 Prozent nachgab. Auch Deutsche Telekom und Continental ließen nach um 0,9 und 1,1 Prozent.

Kuka nach satten Gewinnen der Renner

Im MDax schossen Kuka um bis zu neun Prozent auf ein Rekordhoch von 70,50 Euro. Der Roboter- und Anlagenbauer hatte 2014 trotz teurer Zukäufe samt Sanierungskosten überraschend viel Gewinn eingefahren. Am Ende notierte das Papier bei plus 4,7 Prozent.

Gerresheimer-Papiere verloren dagegen nach Geschäftszahlen 5,6 Prozent und bildeten damit das MDax-Schlusslicht. "Normalerweise trifft das Unternehmen die Prognosen oder übertrifft sie sogar leicht", sagte ein Marktteilnehmer. Nun habe Gerresheimer die Schätzungen aber verfehlt, wenn auch nur geringfügig.

Hart erwischte es im SDax die Aktien von Deutz, die 10,3 Prozent nachgaben. Der Motorenbauer verzichtet auf die Realisierung des gemeinsam mit Volvo geplanten Gemeinschaftsunternehmens in China.

Quelle: n-tv.de

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