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Kursfeuerwerk bei RWE und Eon: Dax und Dow verwalten kleine Gewinne

Der Dax kann sich zum Wochenbeginn nur knapp behaupten: Der Leitindex profitiert von guten Vorgaben aus China, doch am Ende geben nur die Energieversorger echten Halt. In den USA läuft der Handel wegen eines Feiertags nur auf Sparflamme.

Trotz guter Stimmung an den chinesischen Aktienmärkten und Kurssprüngen bei den Energieversorgern hat der Dax den ersten Handelstag der neuen Woche nur knapp im Plus beendet. Der deutsche Leitindex schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 10.120 Zählern und damit komfortabel über der 10.000-Punkte-Marke. Der MDax ging 0,7 Prozent zurück auf 20.051 Stellen. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,4 Prozent abwärts auf 1756 Zähler. Das zwischenzeitliche Abbröckeln der Kurse führten Händler auf technische Widerstände zurück. Nach dem fast sechsprozentigen Kursanstieg in der Vorwoche blieben die Anschlusskäufe zunächst aus.

Auch an den US-Börsen gab es keine großen Sprünge: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 0,3 Prozent auf 17.132 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,1 Prozent auf 2017 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,2 Prozent auf 4838 Punkte vor. Der Feiertag - der Columbus Day - bremste den Handel zumal auch am Anleihemarkt nicht gehandelt wird und die Banken des Landes geschlossen sind.

Energiewerte gesucht

Die mit Abstand größten Dax-Gewinner waren die Energieversorger RWE und Eon. Sie verbuchten den größten Tagesgewinn seit fast sieben Jahren, nachdem ein Gutachten im Auftrag der Bundesregierung am Wochenende bestätigt hatte, dass die Energieriesen Kosten für den Abriss der Atomkraftwerke und die Atommüll-Lagerung selber stemmen können.

Auch die Autowerte erholten sich weiter von ihrer Talfahrt im Zuge des VW-Dieselskandals. So stiegen die Aktien von Volkswagen um gut zwei Prozent. Für BMW ging es ebenfalls rund zwei Prozent aufwärts und für Daimler sogar um über zwei Prozent.

Auf der Verliererseite standen die Aktien der Deutschen Telekom, die sich knapp 0,7 Prozent verbilligten. Auch K+S verloren rund 0,6 Prozent. Nach der geplatzten Übernahme durch Potash sei das obere Ende des erwarteten operativen Gewinns zwischen 780 und 860 Millionen Euro "mittlerweile sehr ambitioniert", sagte Unternehmenschef Norbert Steiner.

Wall Street tritt sich fest

An der Wall Street kommt die Berichtssaison in Gang. In dieser Woche veröffentlichen etwa die Großbanken JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America, Wells Fargo und die Citigroup ihre Zahlen.

Bei den Einzelwerten standen die Papiere des Datenspeicher-Spezialisten EMC im Blickpunkt. Dieser wird für insgesamt 67 Milliarden Dollar vom Computerkonzern Dell übernommen. EMC-Papiere zogen 1,8 Prozent an. Eli Lilly verbuchten dagegen den größten Kurssturz seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Die Aktien brachen um bis zu neun Prozent ein, nachdem die Pharmafirma die Entwicklung eines Herzmittels wegen enttäuschender Testergebnisse eingestellt hatte. Aus dem Handel ging das Papier mit einem Minus von 7,8 Prozent.

Abgestraft wurden auch die Anteilsscheine von Twitter mit einem Kursabschlag von fast sieben Prozent. Der US-Kurznachrichtendienst plant nach Informationen der Technologie-Internetplattform Re/code einen konzernweiten Stellenabbau. Es sei noch unklar, wie viele der derzeit etwa 4100 Mitarbeiter entlassen würden. Laut der Internetplattform ist es wahrscheinlich, dass ein Großteil Ingenieure sind.

China hofft auf neue Staatshilfen

Chinas Festlandbörsen sind dagegen angesichts neuer Spekulationen über verstärkte staatliche Konjunkturhilfen zum Wochenbeginn um mehr als drei Prozent angesprungen. Pläne der chinesischen Zentralbank (PBoC) für eine neuerliche geldpolitische Lockerung gaben den Börsen in Shanghai und Hongkong kräftig Auftrieb. Der Shanghai Composite legte um 3,3 Prozent zu, für den Hang-Seng-Index ging es 1,2 Prozent nach oben.

Die Tokioter Börse war derweil wegen eines Feiertags geschlossen. Gewinnmitnahmen ließen in Sydney die Kurse um 0,9 Prozent nachgeben. Die rohstofflastige australische Börse hatte in der vergangenen Woche von der Erholung der Rohstoffpreise profitiert, nun machten Anleger Kasse, hieß es. Viele Investoren wollten sich vor der Veröffentlichung wichtiger Konjunkturdaten in den kommenden Tagen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Zuversichtlich stimmten Kommentare des chinesischen Vize-Notenbankchefs Yi Gang. Es sagte, die Kurskorrektur an den Märkten sei "fast vorüber". China führte am Wochenende neue Regeln ein, die den automatisierten Aktienhandel begrenzen. Dieser galt als mitverantwortlich dafür, dass die chinesische Börse im Sommer um rund 40 Prozent einbrach. Zudem kündigten die Notenbanker an, dass sie ein Pilotprogramm zur Vergabe von Zentralbankkrediten an Geschäftsbanken von zwei auf neun Provinzen ausdehnen werde. "Der Markt interpretiert die Maßnahme als chinesische Version der quantitativen Lockerung (QE)", kommentierte ein Analyst die Kursgewinne der chinesischen Börsen. Da sich die Konjunktur eintrübe, stelle sich die Frage, ob sie nachhaltig seien, warnte ein anderer Händler.

Dollar unter Druck, Rohstoffe teurer

Am Devisenmarkt litt der US-Dollar unter der Erwartung einer späteren Zinswende. Der Euro notierte mit 1,1384 Dollar nur knapp unter seinem Drei-Wochen-Hoch vom Freitag. Die Analysten von Goldman Sachs halten den Greenback für überbewertet und raten zum Verkauf der US-Währung gegen Euro, Yen und Austral-Dollar. Der Yuan wertete zum Dollar ebenfalls auf. Die chinesische Notenbank hatte die heimische Währung zum Dollar den siebten Tag in Folge höher und auf dem höchsten Niveau seit ihrer Abwertung durch Peking gefixt.

Auch mit den Ölpreisen ging es zum Wochenbeginn nach oben. Nachdem der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) am Freitag erstmals seit Juli an der Marke von 50 Dollar gekratzt hatte, zog nun der Preis für die Nordseesorte Brent wieder an. Ein Barrel (159 Liter) zur Lieferung im November kostete 53,01 US-Dollar. Sollte WTI die 50er Marke und damit das Januar-Tief signifikant überwinden, wäre ein Anstieg auf 60 Dollar zu erwarten, sagt Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Zunächst sei aber noch eine Verschnaufpause wahrscheinlich.

Händler erklärten die Entwicklung mit Aussagen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Der Generalsekretär des Ölkartells, Abdalla Salem El-Badri, hatte am Sonntag während einer Konferenz im Golfstaat Kuwait steigende Ölpreise in Aussicht gestellt. Laut seiner Einschätzung haben die Preise nach der Talfahrt der vergangenen Monate ihren Tiefpunkt erreicht. Er sieht zudem Anzeichen einer Preiserholung im kommenden Jahr.

Der Goldpreis stieg auf knapp 1165 Dollar. Das ist der höchste Preis für die Feinunze seit dem 24. August. Marktteilnehmer verweisen auf die Aussagen von US-Zentralbank-Gouverneuren, nach denen die Zinswende vorsichtig eingeleitet werde: "Von den Märkten wird dies als Zeichen interpretiert, dass sich die Währungshüter weniger aggressiv wie Falken, sondern eher sanft wie Tauben an das Thema Zinserhöhungen heranwagen", sagt Thorsten Proettel, Rohstoff-Analyst der LBBW.

Quelle: n-tv.de

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