Wirtschaft
Die Dax-Anleger trauen sich nicht, über die nächste Kurshürde bei 8000 Punkten zu springen.
Die Dax-Anleger trauen sich nicht, über die nächste Kurshürde bei 8000 Punkten zu springen.(Foto: picture alliance / dpa)

Anleger gehen in Deckung: Dax verabschiedet sich von 8000 Punkten

Bankenkrise in China? Das drohende Ende der ultralockeren US-Geldpolitik? Bisher haben die Anleger trotz der dramatischen Großwetterlage an den Börsen Optimismus gezeigt. Doch zum Wochenende verlässt sie der Mut: Erst halten sie Sicherheitsabstand von der psychologisch wichtigen 8000er-Marke. Dann geht es deutlich bergab.

Der Dax hat zum Wochenschluss erst Richtung gesucht und seine Erholung dann unterbrochen. Der deutsche Leitindex notierte rund 0,4 Prozent schwächer bei 7959 Punkten. Zur Eröffnung war er noch um 0,5 Prozent nach oben geschnellt und hatte dabei auch die psychologisch wichtige Marke von 8000 Punkten hinter sich gelassen. Ein ähnliches Bild zeigte sich bereits am Donnerstag im späten Handel: Immer wieder testete der Dax die 8000 Punkte, notierte zeitweilig sogar darüber, schloss am Ende aber knapp unter der Kursschranke.

Offenbar zögern die Anleger, ob sie nach der Rally in dieser Woche wieder zum ganz großen Sprung ansetzen sollen. Auch wenn die Märkte sich entspannen und Sorgen um die chinesischen Banken laut Händlern wieder in den Hintergrund treten, haben die Marktteilnehmer die gigantischen Risiken im System - die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken und faule Kredite in der chinesischen Wirtschaft - offenbar stark im Hinterkopf.

In den Nebenwerten ging es noch deutlicher nach unten. Der MDax gab 0,7 Prozent auf 13.706 Punkte nach, nachdem er zunächst rund 0,4 Prozent gewonnen hatte. Auch für den TecDax ging es rund 0,7 Prozent auf 946 Punkte nach unten, nachdem das Barometer zunächst um 0,2 Prozent geklettert war. Bisher hatte der Dax im Laufe der Woche seine Verluste, die die Sorgen über eine drohende Finanzkrise in China ausgelöst hatten, aufgeholt. Am vergangenen Freitag war der Dax wegen der Panik auf dem chinesischen Interbanken-Markt noch mit dem größten Wochenverlust seit über einem Jahr aus dem Handel gegangen.

Rettung für ThyssenKrupp und Commerzbank?

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Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien von ThyssenKrupp, die sich um gut 3,2 Prozent verteuerten. Der angeschlagene Stahlkonzern könnte einem Medienbericht zufolge Unterstützung von der mächtigen RAG-Stiftung erhalten. Die zur Abwicklung des deutschen Steinkohle-Bergbaus errichtete Stiftung könnte sich an einer Kapitalerhöhung von ThyssenKrupp beteiligen, sagte ein Insider. Der Stahlriese leidet vor allem unter milliardenschweren Abschreibungen auf seine fehlgeplanten Stahlwerke in Übersee und Korruptionsvorwürfen, die den Konzern zu ersticken drohen. ThyssenKrupp tut sich schwer, einen Käufer für die Werke zu finden.

Auch die Aktien der Commerzbank begaben sich auf Erholungskurs. Die Papiere gehörten mit einem Plus von 1,5 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. "Das ist die Reaktion auf die zuletzt heftigen Kursverluste", sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 40 Prozent verloren, im Monat Juni sind es bislang rund 16 Prozent. In London führten einige Händler zudem auch vage Übernahmespekulationen als Kurstreiber ins Feld.

Das "Handelsblatt" berichtete, wenn Commerzbank-Chef Martin Blessing mit seiner Schrumpfkur erfolglos bleibe, werde das Geldhaus zum Übernahmekandidaten. Beim Großaktionär Bund und in Frankfurter Finanzkreisen werde diskutiert, ob die Commerzbank langfristig nicht besser mit einem Partner überleben könne. Ein Insider wurde mit den Worten zitiert: "Die Konsolidierung ist ein Thema für die Zeit nach der Bundestagswahl." Eine Option sei, das Geldhaus mit einer Landesbank oder einer Genossenschaftszentralbank zusammenzuspannen.

Schlechter Start für Kion

Im MDax gingen SGL Carbon auf Talfahrt, nachdem das Unternehmen seine Prognose für dieses Jahr erneut gesenkt hatte. SGL erwartet nun beim Ebitda einen Rückgang von 50 bis 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bisher war ein Minus von 20 bis 25 Prozent erwartet worden. Die Aktien fielen um rund 11,0 Prozent, zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Februar 2011.

Mit der Aktie des größten europäischen Gabelstaplerherstellers Kion war zur Börsenpremiere kein schneller Euro zu verdienen. Die Kion-Anteilsscheine starteten mit 24,19 Euro zwar leicht über dem Ausgabepreis von 24 Euro, der Kurs bröckelte dann aber schnell bis auf 23,68 Euro ab. Dabei hatte der Ausgabepreis schon am unteren Ende der Preisspanne gelegen. "Wir hätten uns keine schlechtere Woche in diesem Jahr aussuchen können", sagte Johannes Huth, der Deutschland-Chef des Kion-Miteigentümers KKR, mit Blick auf die Marktturbulenzen, die in die Zeichnungsfrist für die Aktie fielen

Quelle: n-tv.de

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