Wirtschaft
Gute Stimmung unter den Börsianern nach einem Börsentag voller Gewinner.
Gute Stimmung unter den Börsianern nach einem Börsentag voller Gewinner.(Foto: picture alliance / dpa)

Jubelstimmung auf dem Parkett: Dax verbucht größtes Plus seit 18 Monaten

Was für ein Super-Freitag für den Dax! Mit einem dicken Plus verabschiedet sich der deutsche Leitindex ins Wochenende. Gute US-Wirtschaftsdaten lassen die Kauflaune in Frankfurt zurückkehren.

Mit einem fulminanten Kursanstieg am Freitag hat es der Dax doch noch zu einem Wochengewinn gebracht. Selten hat die Börse einen solchen Stimmungsumschwung erlebt wie in den vergangenen 24 Stunden. "Wir haben gestern den Ausverkauf gesehen", hieß es unisono im Aktienhandel. Damit hat die Börse zugleich den Grundstein für die nun gesehene Erholungsrally gelegt. Die spannende Frage lautet: Läuft die Börse in der kommenden Woche weiter oder ist nun erst einmal Schluss?

Überraschend positive Wirtschaftsdaten aus den USA haben dem deutschen Aktienmarkt zum Comeback verholfen: Der Dax schloss mit einem satten Plus von 3,1 Prozent bei 8850 Punkten - gleichzeitig das Tageshoch. Das ist der größte Zuwachs an einem Handelstag seit 18 Monaten. Der MDax gewann 3,0 Prozent auf 15.178 Zähler, der TecDax legte um 4,6 Prozent zu und stieg auf 1164 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 gewann 3,0 Prozent auf 2962 Zähler.

Peripheriemärkte erholen sich deutlich

Am stärksten fielen die Erholungsgewinne an den Peripheriemärkten aus, die an den Vortagen die stärksten Verluste aufwiesen - allen voran Griechenland. Die Börse in Athen schoss um 7,3 Prozent nach oben. In Italien, Spanien und Portugal legten die Indizes um bis zu 3,4 Prozent zu.

Eine Triebfeder des Aufschwungs: Die US-Amerikaner begannen im September, mehr Häuser zu bauen als erwartet, was die positive Konjunkturentwicklung jenseits des Atlantiks weiter untermauert. Die Stimmung der US-Konsumenten dürfte ebenfalls "weiterhin sehr gut" sein, sagte der Analyst Dirk Gojny von der National-Bank.

Unterstützung erfuhr die Börse laut Händlern auch von Aussagen des EZB-Ratsmitglieds Benoît Cœuré. Dieser hatte sich im lettischen Riga "verhalten optimistisch" zur Konjunktur in der Eurozone im zweiten Halbjahr geäußert. "Das und Cœurés Zusicherung, dass sich die EZB gegen deflationäre Tendenzen stemmt, nimmt ein wenig die Verunsicherung aus den Märkten", sagte ein Händler.

Ein Börsianer sprach von einer Stabilisierung, die sich bereits am Vorabend in den USA angedeutet hätte. Am Donnerstag hatte die Hoffnung auf frische Geldspritzen der US-Notenbank Fed die Talfahrt des deutschen Leitindex vorerst beendet - er schloss 0,1 Prozent höher bei 8582 Zählern, nachdem er zuvor sogar unter die 8400er Marke gefallen war. Gestützt hatten zudem Aussagen von James Bullard, Chef der Notenbank von St. Louis. Dieser sagte, dass das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank, das nun eigentlich auslaufen soll, auch fortgeführt werden könne. Damit wird an der Börse die Zukunft wieder wesentlich optimistischer gesehen.

Autowerte boomen

Gute Vorgaben des US-Unternehmens Xilinx haben Infineon nach oben gepusht - was ein Händler bereits vorausgesagt hatte: Xilinx sei mit Chips für die Automobilindustrie und für die Mobilkommunikation nah dran an Infineon. Die Aktie von Infineon legte kräftig um 2,4 Prozent zu.

Adidas werden im Frankfurter Spezialistenhandel zunehmend niedriger gestellt. Die Bank of America Merrill Lynch soll die Aktie auf "Underperform" von "Neutral" und das Kursziel von 60 auf 49 Euro gesenkt haben. Leicht negativ für Adidas wird auch die Umsatzwarnung von Urban Outfitters am Donnerstagabend gewertet. Die Aktie schloss jedoch wie alle anderen Dax-Werte im Plus mit 1,4 Prozent, war aber dennoch das Schlusslicht in der Rangliste.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten Autowerte wie Continental, Volkswagen, BMW und Daimler, die zwischen fast 4,5 und 2,4 Prozent zulegten. Grund ist die Steigerung des europäischen PKW-Absatzes - die Neuzulassungen in der EU stiegen im vergangenen Monat um 6,4 Prozent 1,23 Millionen. "Das sind erfreuliche Nachrichten", sagte ein Händler. "Hinzu kommt, dass die Titel durch den zuletzt schwachen Markt arg gebeutelt wurden." So gaben allein Volkswagen und BMW seit Monatsbeginn jeweils rund sieben Prozent nach. Den Dax führten jedoch die Fresenius SE und FMC an, mit Gewinnen von 5,1 Beziehungsweise 5,4 Prozent.

Rib Software profitieren von Großauftrag

Am Ende der Dax-Rangliste landeten neben Adidas auch Lanxess mit einem Plus von 1,6 Prozent. Vorletzter - und damit etwas besser als Adidas - waren die Aktien von Beiersdorf, die an diesem Super-Freitag "nur" 1,5 Prozent Gewinn machten.

Im MDax räumten die Titel der Aareal Bank kräftig ab und schlossen mit einem satten Plus von 7,1 Prozent. Auch Fielmann-Anteilsscheine machten kräftig Gewinn und stiegen um 5,7 Prozent. Abgeschlagen am Ende der MDax-Rangliste landeten Rheinmetall-Aktien mit einem Minus von 0,9 Prozent. Die Geschäftsaussichten des Rüstungskonzerns leiden nach Darstellung der BNP Paribas unter der undurchsichtigen Politik der Bundesregierung in Sachen Rüstungsexporte. BNP senkt daher ihre Schätzung für den Gewinn je Aktie in den beide kommenden Jahren um rund 20 Prozent.

Spekulationen auf eine Prognoseanhebung haben dem TecDax-Unternehmen Rib Software am Freitag deutliche Kursgewinne beschert. Die Aktien verteuerten sich um 10,1 Prozent auf 10,72 Euro und gehörten damit zu den stärksten Werten im TecDax. Händlern zufolge hat Finanzchef Michael Sauer in einem Bloomberg-Interview eine mögliche Anhebung des Ausblicks für 2014 ins Spiel gebracht. Hintergrund sei ein Großauftrag der Deutschen Bahn, von dem sich das Unternehmen weitere Folgeaufträge verspreche.

Quelle: n-tv.de

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