Wirtschaft
Da macht einer zum Wochenausklang die Grätsche.
Da macht einer zum Wochenausklang die Grätsche.(Foto: picture alliance / dpa)

Probleme über Probleme: Dax verkriecht sich

Die Fiskalklippe in den USA, eine erneut drohende Staatspleite Griechenlands und die Konjunkturmisere, diese Mischung verdirbt den Anlegern die Laune. Es wird Kasse gemacht. Bankentitel stehen unter Druck.

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Aus Furcht vor weiteren Rückschlägen für die Weltwirtschaft haben sich am deutschen Aktienmarkt die Anleger am Freitag zurückgezogen. Etwas besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten bremsten den Abstieg etwas. "Kurzfristig sehen wir die Möglichkeit weiterer Kursverluste", betonte James Butterfill, Anlagestratege beim Vermögensverwalter Coutts. "Dies könnte allerdings interessante Kaufgelegenheiten eröffnen."

"In den Köpfen der Händler schwirren im Moment viele Sorgen umher: Von der 'Fiskalklippe' in den USA über schwache Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone und das Warten auf Spaniens Hilfsantrag bis hin zur Finanzlage von Griechenland, wo es wieder spannend wird", sagte Mike van Dulken, Leiter der Analyseabteilung bei Accendo Markets.

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Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 7163,50 Punkten ins Wochenende. Damit summierte sich für den deutschen Leitindex das Minus der vergangenen fünf Handelstage auf 2,7 Prozent. Er war am Nachmittag zeitweise sogar auf ein Zwei-Monats-Tief von 7064,34 Stellen gefallen. Der MDax fiel um 0,4 Prozent auf 11.341 Zähler. Der TecDax gab um 0,5 Prozent auf 803 Punkte nach.

Für leichte Entspannung sorgte am Nachmittag der von der Universität von Michigan und Thomson Reuters ermittelte Index des US-Verbrauchervertrauens. Er lag mit 84,9 Punkten auf dem höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Der Konsum macht rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Die Erholung der US-Konjunktur könnte von der nahenden "Fiskalklippe" aber abrupt gestoppt werden, warnte Analyst Joe Manimbo von Western Union Business Solutions. "Es steht viel auf dem Spiel und es wird eine Menge Schwung verloren gehen, wenn sich die Politiker nicht am Riemen reißen."

In den USA laufen zum Jahreswechsel Steuererleichterungen aus und es stehen automatische Ausgabenkürzungen an, falls sich Präsident und Kongress nicht auf einen neuen Etat einigen können. Nach Ansicht der Experten könnte die weltgrößte Volkswirtschaft über diese sogenannte "Fiskalklippe" in eine Rezession stürzen.

Die Haushaltslage vieler europäischer Staaten ist ebenfalls angespannt. In Griechenland soll am Sonntag über den Etat abgestimmt werden, nachdem das dazugehörige Spar-Paket das Parlament nur mit hauchdünner Mehrheit passiert hatte. Von diesem Votum hängt ab, ob Griechenland weitere Finanzhilfen erhält. Spanien hat bislang nur Gelder für seinen maroden Bankensektor beantragt. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob und wann das Land komplett unter den Rettungsschirm schlüpft.

In Frankfurt gerieten die Finanzwerte unter Druck. Der Index für die Banken der Euro-Zone rutschte um ein Prozent ab. Deutsche Bank verbilligten sich um 2,3 Prozent, Commerzbank um 6,3 Prozent. Bei letzterer wirkte die Enttäuschung über die am Vortag vorgelegten Zahlen und die Umbaupläne nach. Die Commerzbank will bis 2016 durch Milliardeninvestitionen neue Kunden in ihre Filialen locken und gleichzeitig eine Milliarde Euro an Kosten sparen. "Wir interpretieren die gesamte Roadmap 2016 als Kostenmanagementstory und weniger als Wachstumsinitiative oder Neuausrichtung", schrieb LBBW-Analyst Ingo Frommen in einem Kommentar. "Ein Happy End im Jahr 2016 ist mit vielen Unsicherheiten behaftet."

Nach der jüngsten Zahlenflut standen vor dem Wochenende vergleichsweise wenige Unternehmensbilanzen auf der Agenda. Die endgültigen Quartalszahlen der Allianz enthielten laut Händlern keine Überraschungen, so dass die Aktien um 0,8 Prozent nachgaben.

Ansonsten schob bei den Einzeltiteln ein positiver Analystenkommentar Infineon unter die Spitzenreiter im Dax. Die Aktien legten 0,7 Prozent zu. "Nach einem Jahrzehnt schmerzhafter Restrukturierungsmaßnahmen hat sich Infineon zu einem hoch qualitativen Halbleiterkonzern für die Industrie entwickelt", schrieben die Analysten von Bernstein in einem Kommentar. Das Unternehmen habe gute Wachstumschancen, weil Halbleiter unter anderem in der Autoindustrie zunehmend wichtiger würden. Die Experten nahmen Infineon mit "Outperform" und einem Kursziel von 7,70 Euro auf.

Heidelbergcement standen nach den Vortageszahlen mit 2,9 Prozent im Minus. Heidelcement-Chef Scheifele will mit aller Macht an der Prognose festhalten. Nach dem dritten Quartal steht der Zementhersteller auch besser da als erwartet. Netto gab es aber ein Ergebnis knapp unter Vorjahresniveau.

Beim im MDax notierten Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall sorgten die deutlich gesenkten Jahresziele für einen Kursrutsch von 5,5 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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