Wirtschaft
Der Dax verzeichnet am letzten Handelstag der Woche Gewinne.
Der Dax verzeichnet am letzten Handelstag der Woche Gewinne.(Foto: picture alliance / dpa)

ThyssenKrupp auf Talfahrt: Dax verliert an Boden

Nach dem größten Tagesverlust seit Anfang Juli findet der deutsche Leitindex zunächst keinen klaren Trend, gibt dann jedoch spürbar ab. Händler verweisen auf eine nur mäßig laufende Berichtssaison. Außerdem sorgt ThyssenKrupp für einen kräftigen Stimmungsdämpfer.

Die Erholung währte nur kurz: Der Dax rutschte nach positivem Start in die Verlustzone und schloss 0,6 Prozent schwächer bei 8244 Punkten. Damit verzeichnete der deutsche Leitindex nach zwei Wochen mit Kursgewinnen in der laufenden Woche einen Verlust. Der MDax gab 0,3 Prozent auf 14.208 Zähler ab, während der TecDax leicht auf 987 Punkten fiel.

Die Stimmung der Anleger am deutschen Aktienmarkt blieb auch vor dem Wochenende schlecht. Die Enttäuschung über BASF und Siemens wog offenbar schwer. "Die Nachrichten waren einfach nicht gut, und der Dax war vielleicht zuletzt zu weit vorgeprescht", fasste ein Börsianer zusammen. Angesichts der schlechten Vorgaben aus Tokio sei es ohnehin ein Wunder gewesen, dass der Dax im Plus eröffnet habe, sagte ein Händler. "Die Anleger sind auf den aktuell hohen Kursniveaus lieber vorsichtig. Außerdem halten sich viele vor dem Wochenende und der Flut an Quartalsberichten in der kommende Woche lieber zurück."

Positiv wirkten zunächst die Nachrichten vom späten Geschäft an der Wall Street, hieß es am Markt. Dort setzte sich die Meinung durch, die US-Notenbank werde auf ihrem nächsten Treffen noch nicht ihre Anleihekäufe zurückfahren. Während die Aussicht auf eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik positiv für den Markt sei, störten indes die negativen Unternehmensnachrichten aus Deutschland, sagte ein Börsianer. Auch verlaufe die Berichtssaison bislang nur mau, und die Unternehmen lieferten häufig nur zurückhaltenden Ausblicke. Ein anderer Händler warnte aber davor, die Berichtssaison zu früh abzuschreiben.

Angesichts der Notenbanksitzungen in Washington und Frankfurt in der nächsten Woche und der anziehenden Bilanzsaison hielten sich viele Anleger ohnehin bedeckt, meinte ein Händler. Da stünden technische Faktoren im Vordergrund. Die EZB wird am Donnerstag zusammenkommen, die Fed berät am Dienstag und Mittwoch.

ThyssenKrupp unter Druck

Die Anleger hätten die schlechten Nachrichten rund um Siemens und BASF langsam verdaut, sagte ein Händler. Siemens hatte sich am Donnerstag von seinen Rendite-Zielen verabschiedet und damit den Aktien einen Verlust von 6 Prozent eingebrockt. Die Aktien schlossen 1,3 Prozent im Plus. Die Anteilsscheine von BASF, die nach einem pessimistischen Ausblick des Chemiekonzerns 4,5 Prozent verloren hatten, gaben 1,3 Prozent ab.

Im Fokus der Anleger standen aber die Aktien von ThyssenKrupp, die um 2,9 Prozent abrutschten. Das "Wall Street Journal Deutschland" hatte unter Berufung auf Insider berichtet, der Verkauf der Stahlwerke an den brasilianischen Konkurrenzen CSN sei offenbar geplatzt. ThyssenKrupp teilte indes mit, weiter über die Veräußerung der verlustträchtigen Werke zu verhandeln. Vorbörslich waren die Aktien zeitweise um fast 10 Prozent regelrecht eingebrochen.

"Das wäre der absolute Worst Ccase - wenn es denn stimmt", sagte ein Händler. "Zuletzt hatte sich die Aktie gerade wegen der Hoffnung auf eine schnelle Einigung erholt", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Das ist mehr als eine Hiobsbotschaft", so ein Händler mit Blick auf den angeblich gescheiterten Verkauf. Dem Bericht zufolge sind sich die beiden Unternehmen nicht über einen Preis einig geworden. Da dann eine Totalabschreibung drohe, komme sofort wieder die Angst vor einer Kapitalerhöhung am Markt auf, so der Händler.

Die Anteilsscheine der Deutschen Börse verloren nach Vorlage der Quartalszahlen 3,7 Prozent. Der Börsenbetreiber hatte im zweiten Quartal seine Nettoerlöse gegenüber dem Vorquartal gesteigert. "Das ist kein richtiger Kurstreiber, weil die Gewinne nur vom Sparen kommen, nicht durch operatives Wachstum", meinte ein Händler.

Dagegen legten K+S gegen den Trend 2,7 Prozent zu. Händler sprachen von Schnäppchenkäufen. Nach dem Kursabsturz der vergangenen Wochen hatten die Aktien am Donnerstag vergangener Woche und erneut am Vortag die Marke von 25 Euro getestet. "Buying on Dips nach dem Kursabsturz von 20 Prozent seit Anfang Juni", lautete die lapidare Erklärung eines Händlers. Die Preisrückgänge für Düngemittel und die steigenden Kosten für das Förderprojekt Legacy in Kanada hätten den Kurs zuletzt stark belastet. "Nun halten einige Akteure die Aktie offenbar für günstig", sagte der Händler.

Im MDax verloren die Aktien von Axel Springer 1,8 Prozent, sie hatten am Donnerstag infolge des Verkaufs von mehreren Traditionsblättern für mehr als 900 Millionen Euro aber fast 17 Prozent gewonnen. Im SDax verbilligten sich Praktiker um 11,6 Prozent, nachdem nun auch das Tochterunternehmen Max Bahr einen Insolvenzantrag angekündigt hatte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen