Wirtschaft
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Wall Street legt zu : Dax verliert den Halt und stürzt

Die Stimmung an der Frankfurter Börse kippt knapp anderthalb Stunden vor Börsenschluss. Das Resultat ist ein Minus von mehr als ein Prozent. Den Stein ins Rollen bringen schwache Konjunkturdaten aus den USA - die Wall Street stört dies jedoch nicht.

Gegen Ende des Handelstages kam der deutsche Leitindex deutlicher unter Druck, nachdem sich Gewinne und Verluste lange in etwa die Waage gehalten hatten. Am Schluss blieb ein Minus von 1,1 Prozent und der Dax schloss beim Stand von 11.261 Punkten. Der Dax sei zudem wieder unter die Hochs vom Freitag zurückgefallen, das deute zumindest eine kleine Konsolidierungsschleife an, sagte ein Händler zu den ab etwa 16 Uhr einsetzenden Verlusten.

Während der Dow von den schwachen ISM-Indizes nur leicht unter die Tageshochs zurückgedrückt wird, erwischte es den Dax deutlicher. "Im Markt sind viele Positionen Dax long und Dow short aufgebaut worden", sagte derselbe Händler. Mit den schwachen ISM komme die Fantasie auf einen weiter steigenden Dollar zurück und damit auch ein Motiv für die aufgebauten Spread-Positionen.

Belastet wurde der Dax auch durch die herben Verluste der Linde-Aktie, die den Leitindex mehr als 50 Punkte kosteten. Unter Druck standen die Linde-Papier aufgrund einer erneuten Gewinnwarnung des Industriegase-Herstellers. Die kräftigen Kursgewinne von RWE konnten wegen der deutlich geringeren Gewichtung im Dax nur wenig dagegen ausrichten.

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Am Morgen noch hatte der kleinere Index-Bruder MDax für Furore gesorgt: Der Index der mittelgroßen deutschen Konzerne stieg auf ein neues Rekordhoch bei 21.680 Punkten. Seinen bisherigen Höchststand hatte der MDax im April erreicht - bevor im Sommer die Kurse wegen Sorgen um die chinesische Wirtschaft wieder bröckelten.

"Die Erwartungen an Mario Draghi sind riesig", sagte ein Händler mit Blick auf die Sitzung der EZB. Einige Marktbeobachter schließen daher für Donnerstag Gewinnmitnahmen nach dem Motto "Buy the Rumours, Sell the Fact" nicht aus. Der befragte Händler äußert sich indes optimistischer. Es sei Draghi in der Vergangenheit immer wieder gelungen, die Finanzmärkte positiv zu überraschen. Zudem dürfte mit Blick auf das nahe Jahresende der Druck auf die Anleger groß sein, die Performance ihrer Portfolios weiter zu heben.

Frankfurt: Linde stürzen ans Dax-Ende

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Der Dax schloss am Ende 1,1 Prozent leichter auf 11.261 Punkten. Für den MDax ging es nach seinem Rekordsprung nach unten: 0,7 Prozent verlor der Nebenwerte-Index auf 21.438 Punkte. Abgeben musste auch der TecDax, der um 0,8 Prozent auf 1844 Zähler sank. Der Leitindex der Eurozone, der Euro-Stoxx-50, verlor 0,7 Prozent auf 3482 Punkte.

Einen Tag zum Vergessen erlebten die Anleger von Linde, die Aktien des Konzerns brachen um 14,3 Prozent ein. Der Industriegase-Hersteller kippte wegen der schwächelnden Weltwirtschaft seine mittelfristigen Ergebnis-Ziele. Die Geschäftszahlen für 2015 blieben voraussichtlich am unteren Ende der angepeilten Spanne.

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An der Dax-Spitze standen mit deutlichem Abstand RWE. Der Energieversorger will seine Ökostromsparte an die Börse bringen. Das trieb den Kurs um 16,6 Prozent nach oben. Die Pläne sollen zwar erst im übernächsten Jahr vollzogen werden. Anleger schließen nun aber in großem Stil Positionen, mit denen sie bisher auf fallende Kurse gesetzt haben, auch weil das im Laufe des Dezembers wegen der nachlassenden Umsätze immer schwieriger werden dürfte.

Weit oben landeten auch die Aktien von Adidas und legten um 1,4 Prozent zu. Leicht positiv für das Sentiment des Sportartikelherstellers werteten Händler Aussagen zu einem überraschend starken Verlauf im Online-Geschäft. Der Umsatz im laufenden Jahr soll um 40 Prozent auf rund 600 Millionen Euro steigen, berichtet die FAZ. Bisher war Adidas nur von rund einer halben Milliarde Euro ausgegangen. "Investoren wollen ein Wachstum im Online-Handel sehen", sagte ein Händler.

Im MDax fielen Metro nach einer Runterstufung durch das Analysehaus Redburn um 5,0 Prozent. Im Kleinwerte-Index SDax legten SHW 2,7 Prozent zu. Der Autozulieferer will Umsatz und Ertragskraft in den kommenden Jahren steigern.

USA: Kurse an der Wall Street legen zu

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Nach dem schwachen Wochenstart geht es mit den Kursen an der Wall Street nach oben. Der Dow-Jones-Index erhöht sich um 1,0 Prozent auf 17.888 Punkte. Der S&P-500 legt um  1,1 Prozent auf 2.103 Punkte zu. Der Nasdaq-Composite verbessert sich um 0,9 Prozent auf 5.156 Punkte.

Unter den Einzelaktien ziehen Amazon um 2,1 Prozent an. Der Online-Einzelhändler hatte für die Tage um den "Black Friday" Rekordumsätze mit eigenen Geräten gemeldet.

Die Aktien von Infoblox schießen um 22 Prozent in die Höhe. Der Entwickler von Netzwerksoftware hat mit einem über den Erwartungen liegenden Ausblick für das zweite Quartal überrascht, nachdem in der ersten Periode ein Umsatzsprung von 40 Prozent verbucht worden war. Auch die für das Geschäftsjahr ausgegebene Erlöszielsetzung des Unternehmens lag oberhalb der Konsensschätzungen. Darüber hinaus autorisierte Infoblox einen Aktienrückkauf im Umfang von 100 Millionen US-Dollar.

Thor Industries klettern um 4,4 Prozent. Auch der Hersteller von Freizeitfahrzeugen wie Wohnmobilen hatte im ersten Geschäftsquartal besser als erwartet abgeschnitten.

Asien: Pluszeichen in China und Japan

Die Börsen in Asien handeln mehrheitlich im Plus. Die gemischt ausgefallenen Wirtschaftsdaten aus China können dagegen die Stimmung nicht belasten. Vielmehr wird darauf gesetzt, dass die chinesische Notenbankpolitik weiter expansiv sein dürfte, um einen Rückgang der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr zu vermeiden. Der Leitindex in Shanghai legt 1 Prozent zu, in Hongkong geht es sogar um gut 2 Prozent nach oben.

Die Abschwächung im produzierenden Gewerbe Chinas hat sich im November leicht beschleunigt. Zwei Einkaufsmanagerindizes für den abgelaufenen Monat deuten darauf hin, dass der Abwärtstrend trotz stimulierender Maßnahmen der Regierung noch anhält. Der offizielle Einkaufsmanagerindex sank überraschend auf 49,6 von 49,8 Punkten im Vormonat. Leicht positiv wird dagegen der Caixin-Einkaufsmanagerindex interpretiert, er kletterte im November auf 48,6 von 48,3 Punkten im Oktober. Angesichts der insgesamt trüben Daten rechnen Marktbeobachter mit weiteren Maßnahmen der Regierung, die die Konjunktur stützen.

Auch der Markt in Japan zeigt sich deutlich erholt. Erstmals seit dem 20. August schließt der Nikkei über 20.000 Punkte. Er legt um 1,3 Prozent auf 20.012 Zähler zu.

Die Notenbank von Australien bestätigt wie erwartet auf der letzten Sitzung in diesem Jahr die Leitzinsen bei 2,0 Prozent. Sie sieht Anzeichen einer konjunkturellen Verbesserung außerhalb des Minen-Sektors. Der Aktienmarkt in Sydney handelt 1,9 Prozent fester bei 5.266 Punkten. Nach einem Kurssturz um rund 25 Prozent in den vergangenen drei Wochen legt die Aktie des Bergbaukonzerns BHP Billiton um gut 3 Prozent zu. Die Nachrichten über das Unglück in Brasilien dürfte inzwischen im Aktienkurs enthalten sein. Brasilien verklagt die für den Dammbruch in einer Eisenerzmine verantwortlichen Bergbaukonzerne auf Schadenersatz.

Devisen: Euro legt nach schwachen US-Daten zu

Der Kurs des Euro hat sich etwas von seinen Verlusten der vergangenen Wochen erholt. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA stieg die Gemeinschaftswährung am Nachmittag auf ihr Tageshoch und kostete 1,0637 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0600 (Montag: 1,0579) US-Dollar festgesetzt.

Derweil reagiert der Yuan kaum auf die Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF), der chinesischen Landeswährung offiziell den Status als globale Reservewährung zu geben. Der Yuan handelt bei 6,3885 Dollar und damit kaum verändert zum Handelsschluss in Asien.

Rohstoffe: Öl etwas teurer

Die Ölpreise zeigen sich sehr volatil. Die Blicke seien auf das am Freitag beginnende Opec-Treffen gerichtet, was für erhöhte Nervosität sorge, so ein Händler. Der saudische Ölminister Ali Naimi will der viel beachteten Sitzung des Erdölkartells nicht vorgreifen. "Wir werden zuhören und dann entscheiden", so der Vertreter Saudi-Arabiens.

Marktteilnehmer erwarten kurzfristig weiterhin eine hohe Volatilität am Ölmarkt - vor allem am Donnerstag und Freitag - abhängig von den Informationen, die von dem Treffen durchdringen. Ein Barrel der Sorte WTI legte zum US-Settlement um 0,5 Prozent auf 41,85 Dollar zu, für Brent ging es dagegen um 0,4 Prozent auf 44,44 Dollar nach unten.

Der Goldpreis kann anfängliche Gewinne nicht verteidigen und zeigt sich mit einem Preis von 1065 Dollar je Feinunze auf dem Niveau des Vortages. Die Notierungen der US-Anleihen ziehen mit den schwachen US-Daten an. Im Gegenzug rutscht die Rendite zehnjähriger Titel auf den niedrigsten Stand seit rund einem Monat. Sie gibt um 5 Basispunkte auf 2,17 Prozent nach.

Quelle: n-tv.de

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