Wirtschaft
Zwischen den Jahren und bei den Temperaturen bleiben die Anleger am Rand stehen.
Zwischen den Jahren und bei den Temperaturen bleiben die Anleger am Rand stehen.(Foto: dpa)

Ölpreisverfall, die nächste Runde: Dax verliert die 11.000 aus den Augen

Dünne Umsätze, kaum kurstreibende Nachrichten: In dieser schwierigen Gemengelage startet der deutsche Aktienmarkt in die letzte Handelswoche des Jahres - mit Verlusten auf breiter Front. Auch an der Wall Street sucht man Kauflaune vergebens.

Der deutsche Aktienmarkt hat die letzte Handelswoche des Jahres mit Verlusten begonnen. Die Kurse gaben auf breiter Front und bei einem dünnen Handel nach, nachdem der Ölpreis erneut unter Druck geraten war. Am Nachmittag belastete zudem eine schwächere Eröffnung der Wall Street.

Der Dax schloss 0,7 Prozent tiefer bei 10.653 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 10.627 Stellen, das Tageshoch bei 10.756. Am Freitag hatte er knapp 240 Punkte zugelegt, ein Kursplus von 2,3 Prozent. Der MDax verabschiedete sich 0,6 Prozent schwächer bei 20.590 Zählern aus dem Handel. Der TecDax verlor 0,3 Prozent auf 1808 Punkte.

"Viele Marktteilnehmer fehlen schlicht", begründete ein Aktienhändler den dünnen Handel. Die Nachrichtenlage war ebenfalls mau. Weitreichende Anlageentscheidungen werden in der Zeit zwischen den Jahren nicht getroffen. Händler warnten daher vor einer Dominanz der automatischen Computersysteme. Das könne leicht zu übertriebenen Kursausschlägen führen - auch in den kommenden Tagen noch.

Rohstoffe: Ölpreis bleibt im Blick

Unter Druck blieben die Ölpreise: Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich in der Spitze um 2,6 Prozent auf 36,90 Dollar - in der vergangenen Woche hatte Brent mit knapp 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Sommer 2004 gekostet. Das US-Öl WTI gab zeitweise 3,4 Prozent auf 36,82 Dollar je Fass nach. Wegen des weltweiten Überangebots hat sich der Ölpreis seit Mitte 2014 mehr als halbiert.

Dax: Gewinnmitnahmen bei Nachzüglern

Bei den Einzelwerten im Leitindex gehörten erneut die Versorger zu den Aktien, die bei den Anlegern besondere Beachtung fanden. RWE und Eon zählten am Morgen noch zu den größten Gewinnern, zum Handelsende standen sie aber auf der Liste der Topverlierer. RWE gaben 2,7 Prozent ab, Eon etwa 1,2 Prozent. Marktteilnehmer vermuteten vereinzelte Gewinnmitnahmen dahinter. Beide Unternehmen zählen zu den schwächsten Dax-Titeln in diesem Jahr. RWE hat rund 55 Prozent an Börsenwert eingebüßt, Eon um die 40 Prozent, in den vergangenen Tagen waren die Kurse allerdings zum Teil deutlich gestiegen - ein "Nachzügler-Effekt", wie Börsenexperten sagen.

Keine Reaktion zeigten die Aktien der Deutschen Post auf einen Bericht der "Daily Mail". Danach sollen Deutsche Post oder die Royal Mail kurz davor stehen, ein Übernahmeangebot zu 5 Euro je Aktie für die niederländische PostNL abzugeben. PostNL hatte den Bericht dementiert und diesen als "Geschwätz" bezeichnet. Ein Händler merkte an, dass Analysten wie bei Kepler Cheuvreux eine Übernahme als unwahrscheinlich erachteten, da sich alle großen Postunternehmen zuletzt wieder auf ihre Heimatmärkte fokussiert hätten. Deutsche Post büßten 0,8 Prozent ein.

Unruhe im Bankensektor

Deutsche Bank-Aktien fielen 0,4 Prozent. Grund für den Verlust war eine Klage der Commerzbank. Die hatte vor Ausbruch der Finanzkrise in Immobilienanleihenfonds einer Tochter der Deutschen Bank und drei weiteren Banken investiert und fordert nun Schadenersatz wegen der erlittenen Verluste. Coba-Titel verbilligten sich ebenfalls: um 0,4 Prozent.

Zu den Verlierern gehörten zudem Adidas. Die Papiere verbilligten sich rund 1 Prozent ab. Allerdings sind sie die in diesem Jahr am besten performenden Titel im Leitindex mit Aufschlägen von mehr als50 Prozent. Ebenfalls deutliche Verluste wiesen ThyssenKrupp mit 2,5 Prozent auf.

USA: Fallende Kurse nach Weihnachten

Von einer Jahresendrally war an der Wall Street nichts zu sehen. Überwiegend negative internationale Vorgaben sorgten für kleine Verluste zum Start in die letzte Handelswoche des Jahres, die zudem feiertagsbedingt verkürzt ist. Der Dow-Jones-Index verlor 0,1 Prozent auf 17.528 Punkte. Der S&P-500 fiel um 0,2 Prozent auf 2.057 Punkte und drehte auf Jahressicht leicht ins Minus. Der Nasdaq-Composite gab um 0,2 Prozent auf 5.041 Punkte nach.

Den Grund sahen Marktteilnehmer in der erneuten Ölpreisschwäche. Der seit Monaten anhaltende Ölpreisverfall ist ein Beleg für eine schwächere Weltkonjunktur, wie es am Markt hieß. Zusätzlich belasteten enttäuschende Konjunkturdaten aus China.

Zu den größten Verlierern an der Wall Street zählten die Aktien der Energie-Konzerne Exxon Mobil und Chevron mit Abschlägen von 0,7 und 1,8 Prozent. In der Vorwoche war der Ölpreis zwischenzeitlich durch überraschend gesunkene US-Lagerbestände gestützt worden. Dieses Thema sei nun aber endgültig verarbeitet, versuchte ein Händler die erneut fallenden Ölpreise zu erklären.  

Asien: Uneinheitlicher Start

Die Aktienmärkte in Fernost präsentierten sich zum Start in die neue Handelswoche uneinheitlich. Während in Japan die Kurse stiegen, drückten schwache Industriedaten die Stimmung an den Börsen in China. Die Industrie in der Volksrepublik verdiente im November den sechsten Monat in Folge weniger. Das schürt Sorgen vor einer anhaltenden Konjunkturabkühlung. Investoren sorgten sich zudem um die möglichen Auswirkungen der bevorstehenden Reform bei Börsengängen nach US-Vorbild. Am Sonntag hatten Abgeordnete einen entsprechenden Gesetzentwurf gebilligt. Der Leitindex Shanghai Composite büßte 2,6 Prozent auf 3534 Punkte ein.

In Tokio schloss der Nikkei 0,6 Prozent fester bei 18.873 Punkten. Der breiter gefasste Topix gewann 0,9 Prozent auf 1529 Zähler. Händler rechneten mit einem Jahresabschluss des Nikkei in der Größenordnung von 19.000 Punkten. Das Handelsministerium hatte zuvor bekanntgegeben, dass die japanische Industrieproduktion im November erstmals seit drei Monaten wieder gesunken ist. Im Vergleich zum Vormonat schwächte sich die Produktion um 1,0 Prozent ab. Auch der Umsatz des Einzelhandels schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 1,0 Prozent. Ökonomen hatten sich dennoch vorsichtig optimistisch zur weiteren Wirtschaftsentwicklung in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt gezeigt und dies mit verbesserten Erwartungen für das bevorstehende Jahr begründet.

Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notierte 0,5 Prozent schwächer.

Devisen: Euro testet 1,10

Der Euro legte zum Wochenstart zu. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,0993  Dollar, rutschte danach aber wieder auf 1,0975 Dollar ab. In der Nacht war der Euro noch bei 1,0946 Dollar gehandelt worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0962 Dollar festgesetzt - nach 1,0947 Dollar am Donnerstag vergangene Woche.

Die Geldpolitik in den USA bleibt ein wichtiger Faktor am Devisenmarkt. "Die Diskussion über den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Fed dürfte nach den durchwachsenen Konjunkturdaten vom vergangenen Mittwoch weiter gehen", sagte Experte Dirk Gojny von der National-Bank. Bisher gehen die meisten Fachleute von einem vergleichsweise langsamen Anstieg der Zinsen in den USA aus. Aussagen von EZB-Direktor Yves Mersch lieferten indes keine nennenswerten Impulse für den Handel am Devisenmarkt. Demnach könnte die Notenbank im Kampf gegen die zu niedrige Inflation im Euroraum die Geldschleusen noch weiter öffnen. "Wir haben keineswegs unser ganzes Pulver verschossen", sagte Mersch dem Magazin "International Bankers Forum". "Wir können jederzeit nachlegen, sollte dies notwendig sein. Wir haben noch Munition und Feuerkraft."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen