Wirtschaft
Die Dax-Kurve vor dem Wochenende.
Die Dax-Kurve vor dem Wochenende.(Foto: REUTERS)

"Sandy" bremst die Börsen: Dax vorsichtig erwartet

Am deutschen Aktienmarkt zeichnet sich am Morgen ein zurückhaltender Handelsauftakt ab. Die Vorgaben aus Übersee sprechen eine klare Sprache: Ein außergewöhnlich großes Naturereignis vor New York zwingt Anleger rund um die Welt in Deckung. Im Dax liefert Linde einen unverhofften Lichtblick.

Der Dax dürfte laut Brokern wenig verändert in die Woche starten. Neugierig befassten sich Analysten zunächst mit den am Morgen vorgelegten Zwischenergebnissen des Dax-Konzerns Linde. Die Aktien des Industriegase-Spezialisten rückten im frühen Geschäft von Lang & Schwarz um 0,6 Prozent vor und waren damit einer der größten Gewinner im Dax.

Der Leitindex selbst wurde auch nach der Zahlenvorlage weiterhin unverändert erwartet. Linde legte im dritten Quartal ein operatives Ergebnis vor, das höher ausfiel als von den Analysten erwartet. Auch der positive Ausblick kam an der Börse gut an. "Angesichts der momentanen Wirtschaftslage ist der Linde-Bericht auf jeden Fall eine gute Nachricht", sagte ein Händler.

Die Börsen in Asien und Amerika lieferten kaum Impulse. "Mit im Grunde geschlossenen US-Märkten fehlt sehr viel von der US-Liquidität, die üblicherweise die internationalen Märkte antreibt", sagte Analyst Joe Bracken von BT Investment Management in Sydney. Der Hurrikan sorge für ruhigeres Fahrtwasser in Asien.

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Zu Wochenbeginn bleiben die Nyse will am Mittwoch öffnen wegen des Wirbelsturms "" geschlossen. Wegen des herannahenden Wirbelsturms könnte möglicherweise auch am Dienstag noch der US-Handel komplett ausfallen.

Für zahlreiche Bundesstaaten entlang der US-Ostküste wurde der Notstand ausgerufen, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Betroffen sind die Staaten Columbia, Maryland, Massachusetts und New York. Hunderttausende von Bewohnern werden aus der Stadt evakuiert, fast 8000 Flüge wurden gestrichen, Schulen bleiben am Montag geschlossen, das öffentliche Nahverkehrssystem liegt still und der Aktien- und Optionsscheinhandel in den USA wird komplett ausgesetzt. Frühestens am späten Montagabend dürfte der Wirbelsturm die Küste erreichen.

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Von der Eurex meldeten Händler am Morgen ebenfalls einen sehr zurückhaltenden Wochenstart: Die dünnen Umsätze bei den Optionen auf die Einzelwerte deuteten auf ein geringes Interesse der Marktteilnehmer hin, hieß es. Mit der Deutschen Telekom und Nokia stünden mit guten Umsätzen zwei Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche im Interesse der Investoren.

Ein neuer Schnitt für Griechenland?

Mit Blick auf den Wochenstart an den europäischen Börsen rechneten Beobachter ebenfalls mit einer wenig veränderten Eröffnung. Die schwelende Krise in der Eurozone sowie die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in den USA belasteten, hieß es. Gerüchte um Griechenland bestimmten die Gespräche am Morgen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert laut "Spiegel" einen Troika favorisiert Schuldenerlass in Griechenland. Überraschend kämen die Forderungen nicht, sagte ein Händler. Bislang sperrt sich Deutschland gegen einen Schuldenschnitt, denn dann müsste Berlin eingestehen, dass die an Griechenland vergebenen Kredite zumindest teilweise abgeschrieben werden müssen.

Vor allem öffentliche Gläubiger sollen diesmal auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten, berichtete das Magazin. Damit würde die Euro-Rettung die Steuerzahler zum ersten Mal richtig Geld kosten, hieß es. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reagierte umgehend und bekräftigte seine Ablehnung eines Schuldenerlasses der Euroländer für Griechenland. Den öffentlichen Gläubigern Athens wie etwa den Euro-Staaten seien die Hände gebunden, da das Haushaltsrecht dies verbiete, sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Die Gläubiger-Troika stieß laut "Spiegel" mit dem Vorstoß zu einem öffentlichen Schuldenschnitt auf den Widerstand mehrerer EU-Länder.

Auch die US-Wahl stiehlt die Show werfen einen immer längeren Schatten. Sollte es nach den Wahlen bei der politischen Blockade bleiben, drohen Steuererhöhungen, die theoretisch das US-BIP im kommenden Jahr um 4 Prozent stutzen würden. Für Zurückhaltung sorgt auch das Thema "Sandy". Der geschlossene US-Markt dürfte die Umsätze an den europäischen Börsen zusätzlich ausdünnen.

Der Bund-Future ist mit einer freundlichen Tendenz in die neue Woche gestartet. Damit kann er die Kursgewinne aus der Vorwoche nochmals ausbauen. Der Dezember-Kontrakt steigt um 8.47 Uhr um 7 Ticks auf 141,09 Prozent. Das Tageshoch liegt bislang bei 141,23 und das -tief bei 141,03 Prozent. Umgesetzt wurden bisher rund 25.916 Kontrakte. Der BOBL-Futures gewinnt 3 Ticks auf 125,65 Prozent.

Die Diskussion über einen erneuten Schuldenschnitt in Griechenland sorge für Druck in der Europeripherie, hieß es am Morgen. Die zehnjährigen Staatsanleihen aus Spanien und Italien starten mit Kursverlusten in den Handel, die Bundesanleihen profitieren von dieser Entwicklung.

Besser als prognostiziert ausgefallene US-Wirtschaft kommt in Fahrt hatten vor dem Wochenende die Kurse am deutschen Aktienmarkt gestützt. Zunächst hatten ein wenig überzeugender Quartalsbericht von Apple und negative Nachrichten aus Europa die Stimmung belastet. S&P hatte die Bonität einiger französischer Banken gesenkt und Griechenland braucht wohl mehr Geld als bislang gedacht.

Die Wall Street hatte vor dem Wochenende nahezu unverändert geschlossen. Der Dow-Jones-Index rückte um 0,03 Prozent vor, der Nasdaq-Composite um 0,1 Prozent. Der S&P-500 verlor dagegen 0,1 Prozent. In Frankfurt war der Dax am Freitag um 0,4 Prozent höher bei 7231 Punkten aus dem Handel gegangen.

In Japan tat sich zu Wochenbeginn nicht viel: Der Nikkei-Index notierte nahezu unverändert. Anleger hielten sich vor der geldpolitischen Sitzung der japanischen Notenbank am Dienstag zurück. Die Investoren hoffen auf weitere Konjunkturhilfen der Währungshüter. In China verlor der Shanghai-Index 0,6 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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