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(Foto: imago stock&people)

Yellen treibt Wall Street ins Minus: Dax weicht vor EZB-Sitzung zurück

Das Warten auf die EZB-Sitzung am Donnerstag führt an der Börse zu einem nervösen Handel. Der Dax verzeichnet in der Folge ein kleines Minus. In den USA bekräftigt Fed-Chefin Yellen ihren Willen zu einer baldigen Zinserhöhung und schickt die Kurse damit auf Talfahrt.

Nach anfänglichen Gewinnen verlor der deutsche Leitindex im Laufe des Handelstages immer weiter an Boden und beendete die Sitzung mit einem Minus. Der Dax ging 0,6 Prozent leichter aus dem Handel auf 11.190 Punkten.

Im Vorfeld der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag waren die Investoren nervös. Die Erwartungen an die Notenbanker sind hoch, das Enttäuschungspotenzial damit auch. Mit dem "Beige Book" aus den USA am Abend und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag hat es die zweite Wochenhälfte in sich.

Bisher ist die Europäische Zentralbank mit Präsident Mario Draghi an der Spitze stets in der Lage gewesen, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen oder zu übertreffen. Diesmal allerdings könnten die Dinge anders liegen, argumentierte Larry Hatheway, Chefvolkswirt beim Assetmanager GAM. Die Europäische Zentralbank werde den Einlagenzins für Banken am Donnerstag voraussichtlich nur um 10 Basispunkte senken. Zusätzlich dürfte die Notenbank eine Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms über den September 2016 hinaus bekannt geben. "Dieses Maßnahmen-Duo dürfte die Märkte enttäuschen", erwartet Hatheway.

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Auch namhafte Frankfurter Vermögensverwalter sehen für die kommenden Wochen ein erhebliches Risiko, dass die Aktienmärkte bis Jahresende einen Teil ihrer seit Oktober erzielten Gewinne wieder abgeben. Die Kursgewinne beruhten maßgeblich auf der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockern wird, was zusätzliche Liquidität in die Märkte spülen würde. Auf die Frage, wo er den Dax am Jahresende sehe, sagte DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen: "Ich würde mir wünschen, dass er da steht, wo er jetzt ist." Auch für Walter Liebe, Chief Investment Advisor bei Pictet, sind Verluste im Bereich des Möglichen. Seine Dax-Prognose lautet: 11.111 Punkte.

Der Euro machte am Vormittag mit der Veröffentlichung der europäischen Verbraucher- und Erzeugerpreise einen Satz nach unten, die Gemeinschaftswährung handelt nun wieder knapp unter der Marke von 1,06 Dollar. Im Euroraum bleibt der Inflationsdruck auf vorgelagerter Ebene sehr schwach. Im November sanken die Erzeugerpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr gaben sie sogar um 3,1 Prozent nach. "Das ist genau das, was die Märkte vor der EZB-Sitzung sehen wollen", sagte ein Sales-Trader am Aktienmarkt. Am Anleihemarkt stiegen in Folge die Bundesanleihen, die Renditen kamen zurück.

Frankfurt: K+S rutschen weit ans Dax-Ende

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Der Dax schloss am Ende 0,6 Prozent tiefer auf 11.190 Punkten. Leichte Verluste auch beim Nebenwerte-Index MDax, der 0,2 Prozent abgab auf 21.389 Punkte. Rund 1,6 Prozent gewann hingegen der TecDax hinzu und stieg auf 1874 Zähler. Ein kleines Minus von 0,3 Prozent bescherte dem Euro-Stoxx-50 einen Punktestand von 3470.

Spitzenreiter im Dax waren die Aktien der Deutschen Börse mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent. Dahinter lagen Infineon mit 0,9 Prozent Zuwachs.

Nach der jüngsten Kursrally fanden RWE zunächst nur schwer eine Richtung. Die Aktien des Versorgers pendelten im Dax zwischen Minus und Plus hin und her. Am Ende verbuchte die Aktie einen Verlust von 1,8 Prozent. Am Dienstag hatte die Aussicht auf eine Aufspaltung des Unternehmens die in den vergangenen Monaten stark gebeutelten Aktien um fast 17 Prozent in die Höhe getrieben.

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Nach einem kritischen Analystenkommentar gingen K+S auf Talfahrt. Die Aktien des Düngemittelherstellers bildeten mit einem Abschlag von 4,8 Prozent das Schlusslicht im Dax. Aus Sicht der HSBC-Analysten ist die jüngste Kursrally von K+S nicht gerechtfertigt. Der Anstieg sei vor allem auf Übernahmespekulationen zurückzuführen, schrieben die Experten in einem Kommentar.

Im Technologie-Index TecDax legten Wirecard 3,9 Prozent zu. Die erste Unternehmensprognose für das Jahr 2016 kam gut an. Sie liege mit einer Erwartung eines Ebitda zwischen 280 und 300 Millionen Euro in etwa in der Mitte der bisherigen Konsensprognosen, hieß es im Handel.

USA: Wenig Bewegung an der Wall Street

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Die Wall Street litt unter den zunehmenden Anzeichen für eine baldige US-Zinswende. Zentralbank-Chefin Janet Yellen bekräftigte in einer Rede ihre Einschätzung, dass die Verfassung der Wirtschaft robust genug für eine schrittweise Erhöhung der Leitzinsen sei.

Der Leitindex Dow Jones Industrial weitete seine Verluste im Handelsverlauf deutlich aus und schloss 0,89 Prozent tiefer bei 17 729,68 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index sank um 1,10 Prozent auf 2079,51 Punkte. Ein wenig besser hielt sich der Nasdaq 100: Dank einiger positiver Unternehmensnachrichten verlor der technologielastige Auswahlindex nur 0,63 Prozent auf 4686,22 Punkte.

Am Mittwoch vorgelegte Job-Daten des privaten Arbeits-Vermittlers ADP waren überraschend stark. Die US-Firmen schufen demnach im November 217.000 neue Stellen, erwartet worden waren nur 190.000. Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag beinhaltet auch Stellen im Staatssektor. Die US-Notenbank hatte erklärt, vor der ersten Zinsanhebung seit vielen Jahren weitere Fortschritte am Arbeitsmarkt sehen zu wollen.

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Aktien von Yahoo legen 5,75 Prozent zu. Die Führung des Internet-Pioniers wird einem Insider zufolge in dieser Woche über die Zukunft des Konzerns beraten. Erwogen werde ein Verkauf des Kerngeschäfts mit Suchmaschinen und Werbung im Internet.

Die Qualcomm-Aktie schoss 5,2 Prozent nach oben. Der Halbleiterhersteller hat eine Lizenzvereinbarung mit Xiaomi an Land gezogen. Das Unternehmen, das in einigen Schätzungen mit 46 Milliarden US-Dollar bewertet wird, gehört zu den größten chinesischen Smartphoneherstellern.

Asien: Minus in Japan, Plus in China

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Schwache Konjunkturdaten aus den USA haben die Börsen in Asien in Schach gehalten. Wesentlicher Faktor war der Einkaufsmanagerindex der US-Industrie, wo die Geschäfte im November so schlecht liefen wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Dagegen lief es in der Bauwirtschaft rund. Ungeachtet der gemischten Signale rückt in den USA die Zinswende wohl näher. Notenbankchefin Janet Yellen dürfte im Dezember die erste geldpolitische Straffung seit fast zehn Jahren wagen und das Ende der Nullzins-Ära besiegeln, erwarten die meisten Analysten.

In Tokio büßte der Nikkei-Index bei insgesamt geringem Handelsaufkommen 0,4 Prozent auf 19.938 Punkte ein. Auch in Taiwan, Südkorea und Australien verbuchten die Handelsplätze leichte Verluste. Der MSCI-Index für die asiatischen Aktienmärkte mit Ausnahme Japans lag fast unverändert.

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Dagegen legte der Index der chinesischen Leitbörse in Shanghai um 2,3 Prozent zu und verbuchte damit den höchsten Tagesgewinn seit Anfang November. Der CSI-300-Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verbuchte sogar ein Plus von 3,6 Prozent. Vor allem Aktien aus dem Immobiliensektor sorgten für Auftrieb, weil Investoren auf weitere Impulse für die Branche von der Regierung in Peking setzten. Spekuliert wurde über Steuererleichterungen beim Kauf von Häusern.

In Hongkong legte die Börse 0,6 Prozent zu. Die Aktien des Spielzeugherstellers VTech gaben dagegen mehr als ein Prozent nach, nachdem das Unternehmen einen großen Hackerangriff auf Daten von Kindern bekanntgegeben hatte.

Devisen: Euro steckt unter 1,06 Dollar fest

Der Kurs des Euro ist belastet durch Inflationszahlen aus der Eurozone unter 1,06 US-Dollar gefallen. Im späten US-Handel ging der Euro mit 1,0616 Dollar um. Vor der Veröffentlichung der Preisdaten hatte der Euro noch bei 1,0636 Dollar notiert. Die EZB hatte den Euro-Referenzkurs am Dienstagmittag auf 1,0600 Dollar festgesetzt.

Die niedriger als erwartet ausgefallene Inflationsrate in der Eurozone hat laut Händlern den Eurokurs belastet. Die Verbraucherpreise waren im November um 0,1 Prozent zum Vormonat gestiegen. Erwartet hatten Ökonomen hingegen ein Plus von 0,2 Prozent. Die Kerninflationsrate war auf 0,9 Prozent gesunken. Die Daten dürften nach Einschätzung von Volkswirten die EZB darin bestärken ihre Geldpolitik im Kampf gegen die zu niedrige Inflation weiter zu lockern. Der Euro war wegen der erwarteten weiteren Stützungsmaßnahmen der EZB bereits in den vergangenen Wochen unter Druck geraten.

Rohstoffe: Öl billiger

Die Ölpreise fielen zum US-Settlement auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Vor allem der erneute Anstieg der wöchentlichen US-Lagerdaten setzte den Preisen kräftig zu. Daneben standen Aussagen im Vorfeld des Opec-Treffens am Freitag im Fokus. Saudi-Arabien und weitere Staaten aus der Golf-Region sind sich zwar bewusst, dass eine Verringerung der Ölförderquote nötig ist um die Preise zu stabilisieren, wollen dies jedoch nicht ohne Zustimmung anderer Länder wie dem Iran, dem Irak und Russland umsetzen, so ein Opec-Offizieller aus den Golf-Staaten.

Dies markiert eine Wende im Standpunkt das Landes, dass noch vor einem Jahr das Ölkartell dazu angehalten hatte, den fallenden Preisen mit einer erhöhten Förderung zu begegnen um keine Marktanteile zu verlieren. Für ein Barrel der Sorte WTI wurden 39,94 Dollar aufgerufen, ein Abschlag von 4,6 Prozent. Für Brent ging es um 4,4 Prozent auf 42,49 Dollar nach unten.

Auch die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen in Europa stützt den Goldpreis nicht. Vielmehr belastet erneut der feste Dollar. Der Feinunze verbilligt sich auf 1059 Dollar nach Kursen um 1.069 am Vorabend.

Quelle: n-tv.de

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