Wirtschaft
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Änderung der Geldpolitik?: Dax wettet auf EZB-Reaktion

In Spanien fallen die Preise - und der Markt erwartet eine neuerliche Lockerung der EZB-Politik. Händler greifen daher vor allem bei Exportwerten und Anleihen zu. Zudem stützt China die Stimmung - das Land will für weiteres Wachstum sorgen.

Die Spekulationen über eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik heben die europäischen Börsen am letzten Handelstag der Woche in ihren Bann gezogen Befeuert werden diese durch schwache Inflationsdaten aus Spanien. In der viertgrößten Volkswirtschaft Europas waren im März erstmals seit Oktober 2009 die preise gefallen. Positiv wurden darüber hinaus jüngste Aussagen vom chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang aufgenommen. Er versicherte, dass Peking die zuletzt schwächelnde heimische Konjunktur unterstützen werde. Schwung kam zudem von robusten US-Börsen.

Am letzten Tag einer Woche mit reichlich Marktbewegung kletterte der Dax nochmal 1,4 Prozent auf 9587 Zähler. Der MDax legte 0,7 Prozent auf 16.444 Punkte zu. Der TecDax erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 1246 Stellen. Der Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 zieht um 1,2 Prozent auf 3170 Punkte an.

Händler spekulieren auf billiges Geld. Erwartet wird, dass die Europäische Zentralbank in der kommenden Woche die Zinsen senkt oder andere Maßnahmen ergreift. Mehrere Ratsmitglieder hatten in den vergangenen Tagen derartige Überlegungen angestellt. Die Spekulation treiben zudem die Nachfrage nach Anleihen - vor allem aus Südeuropa. Deren Renditen fallen im Gegenzug. Im europäischen Vergleich gehörten italienische Aktien und Anleihen zu den Favoriten. Parallel zu den italienischen Papieren fiel die Rendite der zehnjährigen spanischen Bonds auf 3,200 Prozent und lag damit ebenfalls so niedrig wie zuletzt 2005. Bundesanleihen kamen dagegen kaum vom Fleck. Die unklare Gemengelage setzt auch dem Euro, der fast bis auf 1,37 Dollar zurückfiel - und sich dann wieder erholte.

Zudem hellte sich die Stimmung der Wirtschaft in der Euro-Zone überraschend stark auf. Sowohl in der Industrie, im Einzelhandel, bei den Dienstleistern und Konsumenten ging die Stimmung nach oben. Einzig am Bau trübte sie sich etwas ein

Exportwerte gesucht

Von einem schwächelnden Euro wiederum profitierten vor allem exportstarke Werte. Im vergangenen Jahr hatten etliche Unternehmen unter Währungseffekten zu leiden und Ergebniseinbußen hinnehmen müssen.

Im Dax schlossen alle 30 Werte im Plus. Allen voran verteuerten sich RWE um 3,9 Prozent. Henkel zogen 2,8 Prozent. Daimler und Volkswagen erhöhten sich um 2,6 und 2,4 Prozent. ThyssenKrupp kletterten 2,3 Prozent. Das geringste Plus verbuchten am Ende FMC mit 0,2 Prozent.

In der zweiten Reihe erhöhten sich ElringKlinger um 6,0 Prozent. Gestützt auf ein dickes Auftragspolster peilt der Autozulieferer im laufenden Geschäftsjahr weitere Zuwächse an. Norma gewannen 5,1 Prozent. Händler verwiesen auf positive Einschätzungen von Analysten. Metro stiegen 3,1 Prozent.

Deutsche Wohnen notierten 1,1 Prozent fester. "Ich sehe auf den ersten Blick zwei positive Überraschungen", sagt ein Händler. Zum einen habe sich der Nettovermögenswert positiv entwickelt. Zum anderen erwarte das Unternmehmen in diesem Jahr einen FFO I in Höhe von 210 Millionen Euro, dies liege knapp fünf Prozent über der Markterwartung. Am stärksten abwärts ging es für Sky und Wincor.

Im TecDax standen letztlich Nemetschek ganz oben. Für das Papier ging es um 6,6 Prozent in die Höhe. Der Softwareanbieter überzeugt mit seinem Ausblick. So sollen der Umsatz um 11 bis 14 Prozent steigen und vom Ebitda 23 bis 25 Prozent als operativer Gewinn hängenbleiben. Vergangene Woche hatte der Konzern bereits angekündigt, die Dividende für das vergangene Jahr um 13 Prozent auf 1,30 Euro zu erhöhen.

Manz Automation stehen nach Zahlen um 2,2 Prozent höher. Beim Diagnostik-Unternehmen Stratec Biomedical Systems quittiert der Markt die vorgelegte Bilanz mit einem Kursaufschlag mit 2,8 Prozent.

Xing drehten ins Plus und gewannen 3,5 Prozent dazu. Das Online-Karrierenetzwerk hatte am Vorabend mitgeteilt, dass der Gewinn wegen Bilanzierungsänderungen im vergangenen Jahr geringer ausfällt als zunächst gedacht. Analysten blieben allerdings gelassen. Die Geschäfte bei der Internetplattform laufen ihnen zufolge gut.

In den Sturzflug gingen Air Berlin über. Der im SDax gelisteten Wert fiel um 6,7 Prozent. Noch immer ist unklar, wie es mit der Krisen-Airline weitergeht. Sicher scheint nur der Börsenabschied.

Quelle: n-tv.de

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