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Hoffen auf Fed-"Twist"Dax wagt sich vor

20.06.2012, 17:37 Uhr
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Jetzt blickt alles auf die nächsten Schritte der Fed. (Foto: REUTERS)

Die Hoffnung, dass die Fed ihren Anleihebestand umschichten könnte, beschäftigt die Anleger. Bevor die US-Notenbank nicht handelt, tun es die meisten auch nicht, entsprechend zaghaft fallen die Kursbewegungen aus. Dennoch geht es zum Handelsschluss nach oben.

DAXNach drei Gewinntagen in Folge hat sich der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch mit einer klaren Richtung schwer getan. Zuletzt ging es für die Notierungen etwas nach oben. Börsianern zufolge standen Aussagen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik der Zurückhaltung vor dem US-Zinsentscheid am Abend gegenüber. In Griechenland ist die Einigung auf eine Koalitionsregierung unter Führung der Konservativen unter Dach und Fach. Neuer Ministerpräsident wird der Vorsitzende der konservativen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras. Staatspräsident Karolos Papoulias erteilte dem 61-Jährigen das Mandat zur Bildung einer Regierung. Gleich darauf wurde Samaras als Ministerpräsident des Landes vereidigt.

Zum Xetra-Schluss notierte der Leitindex Dax 0,45 Prozent höher bei 6392 Punkten. Bereits die vergangenen Tage hatten der wie erhofft positive Wahlausgang in Griechenland und die Hoffnung auf Maßnahmen der Notenbanken zur Stimulierung der Wirtschaft die Börsen gestützt. Der MDax stieg um ein Prozent auf 10.404 Punkte, während der TecDax ein Prozent auf 748 Punkte gewann.

Dabei stieg die Spannung vor der Sitzung der US-Notenbank Fed. "Die US-Konjunkturdaten sind schwach und die Fed hat zugesagt, das Wachstum anzukurbeln", sagte Fondsmanager Amer Khan von Shuaa Asset Management. "Die Leute erwarten von der Fed den 'Twist'. Sollten sie nichts tun, wäre das negativ und der Fokus würde sich wieder auf Europa richten."

Bei der sogenannten "Operation Twist" geht es um eine Umschichtung des Anleihebestandes, um sukzessive kurzfristige durch langfristige Vermögenswerte zu ersetzen. Damit könnte die Fed die langfristigen Zinsen weiter drücken und so die Wirtschaft anschieben. Für eine erneute Lockerung der Geldpolitik (QE3), auf die einige Investoren setzten, sei es dagegen zu früh, betonte Helaba-Analyst Christian Schmidt.

Zu den Gewinnern gehörten die Allianz mit Plus 1,3 Prozent. Einem Zeitungsbericht zufolge will die EU die geplanten neuen Kapitalvorschriften für die Versicherer womöglich abmildern. Für die Papiere der Konsumgüterhersteller Henkel und Beiersdorf ging es am Indexende um 2,4 respektive 1,6 Prozent nach unten. Händler machten dafür die gesenkte Quartalsprognose des US-Konkurrenten Procter & Gamble (P&G) verantwortlich, die auf die Stimmung drücke.

Ansonsten führten Analystenkommentare zu Bewegung im deutschen Leitindex. Die Anteilsscheine der Deutschen Telekom legten nach einer Hochstufung durch das US-Analysehaus Bernstein Research um 1,7 Prozent zu. Beim Energiekonzern Eon sorgte eine Kaufempfehlung der japanischen Bank Nomura für Kursgewinne von 2,3 Prozent.

Nach einem positiven Kommentar von Morgan Stanley griffen Anleger auch bei Deutsche Wohnen zu. Die Aktien der Immobilienfirma gewannen im MDax fünf Prozent. Das Interesse an den Papieren war dabei enorm. Innerhalb der ersten 15 Handelsminuten wechselten bereits etwa eineinhalb Mal so viele Deutsche Wohnen-Titel den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Durch die geplante Kapitalerhöhung verringerten sich die Risiken, weil die Verschuldung auf 57 von 68 Prozent zurückgehe, schrieb Analystin Bianca Riemer in einem Kommentar. Außerdem seien die Aktien günstig. Aus ihrer Sicht sei die Emission eine gute Gelegenheit für einen Einstieg. Sie hob ihr Kursziel auf 13,10 von 13 Euro an und bekräftigte die Einstufung "Overweight".

Der Sprung über wichtige charttechnische Marken löste Zusatzkäufe bei Sky Deutschland aus. Die Papiere des Bezahlfernseh-Senders bauten ihre Vortagesgewinne aus und stiegen zeitweise um mehr als sieben Prozent auf ein Zehn-Monats-Hoch von 2,76 Euro. Zum Xetra-Schluss blieb ein Plus von 4,2 Prozent übrig. "Die Aktie hing lange Zeit unter 2,50 Euro fest und diese Hürde hat sie endlich übersprungen", sagte ein Händler. Am Vortag hatten die Titel erstmals seit Monaten über diesem Wert geschlossen. Außerdem überwanden sie dabei ihr Hoch von Mitte April bei 2,54 Euro.

Heidelberger Druck legten im SDax 2,6 Prozent auf 1,11 Euro zu. Vorstandschef Bernhard Schreier hat wie angekündigt ein größeres Aktienpaket des seit Jahren rote Zahlen schreibenden Maschinenbauers erworben. Der seit knapp 13 Jahren an der Konzernspitze stehende Schreier habe am Montag für knapp 55.000 Euro 50.000 Anteilsscheine erworben, teilte der weltgrößte Druckmaschinenbauer in Heidelberg mit. Die Aktie war seit Jahresfrist um knapp zwei Drittel eingebrochen. In der vergangenen Woche hatte der Vorstandschef angekündigt, das vierköpfige Top-Management werde angesichts der Verlustserie auf Teile des Gehalts verzichten und "zeitnah Aktien des Unternehmens in nennenswertem Umfang erwerben".

Quelle: ntv.de, sla/rts