Wirtschaft
Das Börsenumfeld ist zu weich für harte Anleger-Entscheidungen.
Das Börsenumfeld ist zu weich für harte Anleger-Entscheidungen.(Foto: REUTERS)

Spekulationen um US-Zinspolitik: Dax zieht es in die Tiefe

Ein führender US-Notenbanker schürt Spekulationen auf eine vorzeitige US-Zinserhöhung. Viele Anleger suchen daraufhin das Weite. Harte Fakten und viel Fusionsfantasie gibt es derweil bei Dialog Semiconductor. Und Probleme gibt es im Bankensektor.

Der deutsche Aktienmarkt ist am Nachmittag den US-Börsen in den Keller gefolgt. Die Abwärtsbewegung ging auf das Konto des US-Notenbankpräsidenten von St. Louis, James Bullard. Seine Äußerungen zum starken US-Jobaufbau und einer weiter anziehenden Inflation sorgten dafür, dass Marktteilnehmer nun früher mit einer Zinsanhebung durch die US-Notenbank rechnen. "Die erste Zinsanhebung könnte nun bereits im Frühjahr kommenden Jahres stattfinden, nicht erst im Sommer", sagte ein Händler.

Der Dax schloss nach den Äußerungen Bullards 0,5 Prozent leichter bei 9804 Punkten. Der MDax landete bei 16.705 Punkten, womit er nahezu unverändert aus dem Handel ging. Allein der TecDax hielt ein minimales Plus von 0,1 Prozent bei 1306 Punkten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte am Ende 0,6 Prozent leichter bei 32.324 Zählern.

Die Aussicht auf eine schnellere Zinswende in den USA stützte auch den Dollar, der Euro fiel auf 1,3592 US-Dollar nach Wechselkursen klar über der Marke von 1,36 Dollar vor den Fed-Kommentaren.

Vage Hoffnungen, dass die Geldpolitik der US-Notenbank länger als erwartet locker bleiben würde, hatten den europäischen Börsen zuvor leichten Auftrieb gegeben. Investoren hatten den enttäuschenden Wachstumseinbruch der US-Wirtschaft im ersten Quartal vom Vortag dahingehend interpretiert. Einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung stand die anhaltende Gewalt im Irak entgegen.

Die Krisenherde im Irak und der Ukraine dürften nicht außer Acht gelassen werden, warnte Marktanalyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die sunnitische Isis-Miliz hatte zuletzt mehrere kleine Ölfelder im Irak erobert und eine Luftwaffenbasis ins Visier genommen. Zudem wurden heftige Kämpfe aus Jathrib 90 Kilometer nördlich von Bagdad gemeldet.

Nur wenige Investoren sähen zurzeit "speziell bei europäischen Aktien Gründe, um in großem Stil in den Markt zu gehen", sagte Markus Huber von Peregrine & Black. Grundsätzlich gebe es zu wenig Impulse und viele Unsicherheiten in Bezug auf die nach wie vor unsichere Lage im Irak und in der Ukraine. Zudem begrenzten Anleger vor dem nahenden Halbjahresultimo tendenziell ihre Risiken, ergänzte Antje Laschewski von der LBBW. "Kurszuwächse sollten sich deshalb in Grenzen halten."

Fusionsgerüchte treiben Chip-Werte

Verschmelzung von Dialog und AMS? Das sind schlechte Nachrichten für den TecDax
Verschmelzung von Dialog und AMS? Das sind schlechte Nachrichten für den TecDax(Foto: Dialog Semiconductor)

Tagesthema waren die Fusionsgespräche von Dialog Semiconductor und AMS. Die an der Schweizer Börse gelistete AMS ist ebenso wie die im TecDax notierte Dialog rund 1,7 Milliarden Euro wert. Die Aktien von Dialog schnellten auf die Nachricht hin um über 9,0 Prozent nach oben und damit auf den höchsten Kurs seit mehr als 13 Jahren. Die Titel schlossen allerdings nur mit knapp 2,0 Prozent im Plus bei 24,54 Euro.

Ähnlich erging es AMS. Die Titel  kletterten um 7,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 156,80 Schweizer Franken, landeten am Ende aber mit 1,3 Prozent im Minus bei 143,60. DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer sprach von einer Überraschung. "Ein Fusion könnte angesichts sich ergänzender Produkte und Märkte sinnvoll sein", schrieb er in einer Studie. Gemeinsam hätten AMS und Dialog eine größere Einkaufsmacht und könnten bessere Konditionen mit den Chip-Auftragsherstellern aushandeln.

"Damit würde die globale M&A-Welle endlich auch nach Kern-Europa überschwappen", meinte ein Händler. Da beide Unternehmen etwa gleichgroß seien, dürfte die Entwicklung wohl in Richtung "Merger of Equals" gehen. "Daher dürften beide Aktien heute davon profitieren", sagte der Händler.

Für den TecDax seien dies allerdings schlechte Nachrichten: "Die bisherigen Informationen deuten auf eine Verschmelzung von Dialog auf AMS hin. Damit würde Dialog delistet und der TecDax um ein weiteres großes Unternehmen ärmer", erklärte ein anderer Händler. Die Relevanz des Index würde dadurch immer geringer.

Empfehlungen für FMC und HHLA

Im Dax griffen Anleger nach einer Hochstufung bei Fresenius Medical Care zu. Die Analysten von Credit Suisse hatten die Titel auf "Outperform" von "Neutral" hochgesetzt. Die Aktien rückten um 3,2 Prozent vor.

Eine Kaufempfehlung trieb die Aktien des Hafen- und Logistikkonzerns HHLA. Vor einem Gerichtsentscheid zur umstrittenen Elbvertiefung hoben die Analysten der Citibank ihre Empfehlung für die Titel auf "Buy" von "Neutral" an. Das Kursziel erhöhten sie auf 23,20 von 18,50 Euro. Die Titel landeten mit 4,3 Prozent im Plus.

Die Blicke der Analysten richteten sich auch auf Henkel: Leicht belastend wirkte hier offenbar die gesenkte Jahresprognose bei H.B. Fuller. Der US-Konkurrent war daraufhin am Vorabend 3,5 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Die Papiere von Henkel notierten 0,5 Prozent leichter.

Marktteilnehmer weisen darauf hin, dass es sich dabei hauptsächlich um eine Belastung des Sentiments handele. "Schaut man tiefer in die Begründung von Fuller, wird klar, dass es sich um hausgemachte Gründe und nicht um Sektorprobleme handelt", sagte ein Händler. Ursache der Prognosesenkung seien langsamere Fortschritte bei der Integration von Geschäftsprojekten in Europa.

Blick an die Londoner Börse

Der Bankensektor wurde gemieden, weil die Höhe möglicher Geldbußen in den USA momentan kaum zu greifen ist. Aktuell trifft es die Barclays Bank, der britischen Großbank droht erneut Ärger mit den US-Behörden. Betrugsvorwürfe der US-Staatsanwaltschaft lösten heftige Kursverluste aus. Die Aktien fielen um 6,5 Prozent.

Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Eric Schneiderman, wirft Barclays vor, Kunden über die Sicherheit im hauseigenen Handelsplatz in den USA getäuscht zu haben und reichte eine Betrugsklage ein. "Das Problem mit Barclays ist, dass das Finanzinstitut ständig im Visier der Behörden ist", sagte ein Händler. 2012 hatte die Bank bereits eine Zahlung von 450 Millionen Dollar im branchenweiten Skandal um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor aufgebrummt bekommen.

"Es ist gegenwärtig schwierig, die Höhe eventueller Geldbußen einzuschätzen", hieß es zum Beispiel von den Analysten von Shore Capital. Die Analysten der RBC vermuten, dass auch die Dark Pools anderer Banken gründlich ausgeleuchtet werden dürften. Wichtigster Betreiber dieser internen Plattformen für den anonymen Handel seien in den USA die Credit Suisse, gefolgt von Barclays und UBS, sagt die RBC. Die Aktien der Credit Suisse büßten in Frankfurt 4,4 Prozent ein, die UBS-Aktie verlor 2,3 Prozent ein.

Aber auch die Aktie der Standard Chartered Bank stand unter massiven Abgabedruck. Im ersten Halbjahr schnitt die britische Großbank mit einem Gewinneinbruch von einem Fünftel überraschend schlecht ab. Ein deutlicher Anstieg der faulen Kredite bereitet dem Geldhaus, das vorrangig in Asien und in Schwellenmärkten engagiert ist, besondere Schwierigkeiten. Die Börse war enttäuscht, die Aktie verlor 3,9 Prozent in Frankfurt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen