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"Fast Money" macht Kurse : Dax zieht weiter

Anleger am deutschen Aktienmarkt wetten nach zwei verlustreichen Börsentagen auf eine kurzfristige Erholung. Größere Sprünge verhindert die Unsicherheit wegen der geplanten Volksabstimmung auf der Halbinsel Krim.

Der deutsche Leitindex wollte es am Dienstag allen zeigen: Mit einem Plus von bis zu 1,2 Prozent auf 9375 Punkte lief er allen davon - sogar den Portugiesen. Der Leitindex der derzeit international favorisierten Börse in Lissabon lag zeitgleich nur knapp ein Prozent im Plus.

Zum Jubeln gab es jedoch wenig Anlass. Denn der Dax holte lediglich auf, was er zuletzt - häufig gegen den Trend in Europa - verloren hatte.

Am Ende blieb dem Dax ein Plus von 0,5 Prozent bei 9307 Punkten. Der EuroStoxx notierte 0,2 Prozent höher bei 3092 Punkten.

In der vorigen Woche hatte der Dax 3,5 Prozent eingebüßt, während der EuroStoxx nur 1,7 Prozent verlor. Händler hatten dies vor allem mit der Anfälligkeit der deutschen Exportwirtschaft für Störungen im Osteuropa-Geschäft begründet.

Keine fundamental fundierte Erholung

Kurzfristig agierende Marktteilnehmer hätten nach dem jüngsten Rücksetzer auf eine 200 bis 300 Punkte umfassende Gegenbewegung des Dax gewettet, erklärte ein Händler. "Fast Money setzt auf eine kurzfristige Bodenbildung des Dax bei 9200 Punkten und spielt nun wieder die Erholung."  Die "Schaukelbörse" habe also Bestand.

Die Aufwärtsbewegung vollziehe sich wie so oft in unsicheren Marktphasen fast ausschließlich über die Terminmärkte. Kurstreibende fundamentale Impulse für Aktien gebe es nicht. Das spiegele sich auch darin wider, dass weder an den Devisen - noch an den Bondmärkten größere Bewegungen zu beobachten seien.

In Schach gehalten werden die Aktienmärkte weiterhin von dem Machtkampf um die Krim-Halbinsel. "Den Anlegern bereiten vor allem mögliche Sanktionen der EU gegen Russland Sorgen", erklärte LBBW-Investmentanalystin Antje Laschewski. Schließlich sei Russland der bedeutendste Energielieferant Deutschlands, das auf der anderen Seite der wichtigste Handelspartner Russlands in der EU sei.

"Die Marktteilnehmer bleiben auf der Hut. Einige denken darüber nach, sich nach der Achterbahnfahrt seit Jahresbeginn an die Seitenauslinie zurückzuziehen", fasste Guillaume Dumans, Co-Chef des Research-Hauses 2Bremans, zusammen. Das rhetorische Säbelrasseln auf russischer und westlicher Seite dränge Konjunkturdaten und Firmenbilanzen in den Hintergrund, sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Abstimmung auf der Krim

Am Sonntag soll die überwiegend russisch-stämmige Bevölkerung auf der Krim über eine Eingliederung in die Russische Föderation abstimmen. Die USA und die EU sehen dies als illegal an, während Russland sie für legitim hält. Um die russischen Börsen machten die Anleger am Dienstag wieder einen Bogen, so dass die Leitindizes  dort um je zwei Prozent fielen. 

Angesichts der Lage auf der Krim waren die sicheren Anlagehäfen gesucht. Der Goldpreis beispielsweise verteuert sich um 0,6 Prozent auf 1350 US-Dollar je Feinunze.

Der Euro befand sich derweil auf dem Rückzug. Am Freitag war die Gemeinschaftswährung zum US-Dollar mit Kursen über 1,39 noch auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen. Von diesem Niveau hat der Euro bis auf 1,3850 nachgegeben. Auch zum Yen hat der Euro abgewertet. Gleichwohl äußern sich Beobachter kritisch zur Stärke der Gemeinschaftswährung. "Bleibt der Euro stark, wird sich die EZB mit dem Thema intensiver auseinandersetzen müssen", argumentiert das Bankhaus Metzler. Denn beispielsweise aus der Industrie gebe es bereits warnende Worte.

Anleger raten zur Vorsicht

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IG-Stratege Evan Lucas rät deshalb weiter zur Vorsicht: "Wir werden gegenwärtig überschwemmt von bedeutenden Makroereignissen. Vorsicht bei Investments ist angebracht." Vor allem für US-Aktien könnte sich dies als Stütze erweisen und den Dax weiter zum Underperformer in Europa machen.

"US-Aktien sollten von einem ordentlichen Wachstum und ihrem Safe-Haven-Status profitieren, nachdem die Anleger immer mehr auf die Herausforderungen bei den Schwellenländern achten", meinte Jim McDonald, Anlageleiter bei Northern Trust.

Nachrichten von der Konjunkturseite zeigten, die deutschen Exporteure haben im Januar ihre Geschäfte wieder stärker gesteigert. Besonders kräftig zog die Nachfrage aus den Ländern der Europäischen Union an. Doch auch die Importe legten deutlich zu. Kalender- und saisonbereinigt ergab sich ein Handelsbilanzüberschuss von 17,2 Milliarden Euro. Ökonomen hatten mit einem Aktivsaldo von 16,5 Milliarden Euro gerechnet.

Italien schafft es aus der Rezession

Italiens Wirtschaft ist derweil erstmals seit dem zweiten Quartal 2011 wieder gewachsen. Damit hat die drittgrößte Volkswirtschaft des Euroraums die längste Rezession der Nachkriegszeit überwunden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Schlussquartal 2013 gegenüber dem Vorquartal real um 0,1 Prozent zu, wie die Statistikbehörde des Landes in einer zweiten Veröffentlichung mitteilte. Die vorläufige Schätzung wurde damit bestätigt, was Ökonomen erwartet hatten.

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Im Vergleich zum Vorjahresniveau schrumpfte das BIP allerdings im Schlussquartal um 0,9 Prozent. Zunächst war ein Minus von 0,8 Prozent ermittelt worden. Volkswirte hatten eine Bestätigung des Werts erwartet.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Plus von über zwei Prozent. Zum einen führten Händler dies darauf zurück, dass der japanische Mutterkonzern von Sprint seine Fusionspläne mit T-Mobile - der US-Tochter des Bonner Konzerns - trotz der Vorbehalte der Kartellbehörden vorantreiben will. Zum anderen spielten auch hier technische Faktoren eine Rolle, denn die T-Aktie war in der vergangenen Woche mit einem Abschlag von über sechs Prozent Schlusslicht im Dax.

Ansonsten erholten sich in den Indizes vor allem die Verlierer vom Vortag. So zogen die Autowerte an, VW gewannen 1,3 Prozent, Daimler und BMW 1,3 bzw. 0,8Prozent. VW machten damit einen Teil des Vortagesverlustes gut, BMW hatten ihren Absatz weltweit im Februar um 8,6 Prozent gesteigert, und Daimler profitierten von einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank.

Deren Analysten äußerten sich etwas kritischer über Beiersdorf und senkten ihr Kursziel um einen auf 84 Euro, obwohl sie an ihrer Kaufempfehlung festhielten. Beiersdorf verloren 0,7 Prozent und waren damit im Dax das Schlusslicht.

Papiere von K+S profitieren mit einem Kursplus von 0,6 Prozent von einer Kaufempfehlung der Societe Generale.

Bei den Versorgerwerten äußerte sich die Bank Berenberg "bullisch", sie setzte GDF Suez und Endesa auf die Kaufliste. Bei Eon und RWE blieb sie zwar skeptisch, setzte aber immerhin die Kursziele deutlich nach oben. Die Kurse reagierten darauf unterschiedlich stark. Sie zogen 0,5 Prozent bzw. 1,7 Prozent an.

Bei Lufthansa hat Jefferies das Ziel erhöht. Hier reagierte die Aktie mit 1,7 Prozent Kursplus.

ThyssenKrupp gibt Gleistechnik auf

Nach empfindlichen Kartellbußen in dreistelliger Millionenhöhe kündigte ThyssenKrupp an, sein Handelsgeschäft mit Schienen und Weichen aufzugeben. Betroffen vom Personalabbau sind 260 Mitarbeiter. Versuche, die Sparte zu verkaufen, würden nicht weitergeführt, hieß es. Bisher habe kein Angebot die wirtschaftlichen Anforderungen von ThyssenKrupp erfüllt. Wegen unerlaubter Absprachen mit anderen Unternehmen in diesem Geschäftsbereich erhielt ThyssenKrupp in den Jahren 2012 und 2013 zwei Bußgeldbescheide des Kartellamts in einer Gesamthöhe von rund 191 Millionen Euro. Die Papiere notierten unverändert.

Schwächer mit minus 0,8 Prozent performten Bayer. Das Medikament Nexavar war bei einer Studie zur Wirksamkeit als Begleittherapie für Leberkrebspatienten durchgefallen. Nexavar wird seit Jahren zur Behandlung von Leber- und Nierenkrebs eingesetzt.

Für lange Gesichter bei den Anlegern sorgte Hannover Rück trotz eines Rekordgewinns im Jahr. Denn im vierten Quartal war das operative Ergebnis um mehr als ein Drittel gefallen. Die im MDax gelisteten Aktien verloren 1,2 Prozent auf 59,94 Euro.

Schlusslicht unter den Nebenwerten waren erneut SGL Carbon, die mit einem Abschlag von 1,4 Prozent die Talfahrt des Vortages im Sog der Aussicht auf rote Zahlen in diesem Jahr fortsetzten.

Seine Vorschusslorbeeren gaben DMG Mori Seiki wieder komplett ab: Einige Anleger erwarteten offenbar bei dem anstehenden Geschäftsbericht ein starkes Zahlenwerk und griffen daher bei den Aktien des Werkzeugmaschinenbauers zu. Die Titel standen zwischenzeitlich mit einem Plus von 1,0 Prozent an der MDax-Spitze. Zuletzt notierten die Titel 0,5 Prozent niedriger. Positiv wirkte sich laut Händlern zudem die schnelle Besetzung des vakanten Finanzchef-Postens aus. André Danks, bislang Leiter des Bereichs Investor und Public Relations von DMG, ist der neue CFO des früheren Gildemeister-Konzerns. Kathrin Dahnke hatte Ende Februar nach knapp vier Jahre im Amt das Unternehmen verlassen.

Equinet-Analyst Holger Schmidt rechnet damit, dass DMG am Mittwoch für das Gesamtjahr 2013 solide Zahlen ausweisen wird. Die weltweite Nachfrage nach Werkzeugmaschinen verbessere sich und DMG scheine seine herausragende Marktposition festigen zu können, schrieb er in einem Kommentar. Analysten rechnen bei DMG mit einem Überschuss nach Anteilen Dritter von rund 87 Millionen Euro - gut zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: n-tv.de

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