Wirtschaft
Nach den herben Verlusten vom Vortag atmen die Anleger am deutschen Aktienmarkt durch.
Nach den herben Verlusten vom Vortag atmen die Anleger am deutschen Aktienmarkt durch.(Foto: REUTERS)

Bilanzreigen auf Höhepunkt: Der Dax, die Anleger-Achterbahn

Erst erholten sich die deutschen Börsen von dem herben Rückschlag vom Vortag, dann brechen die Kurse wieder auf breiter Front ein. Der Dax weiß einfach nicht wohin. Am Ende geht es aber aufwärts. Obwohl es auf Konjunkturseite schlechte Neuigkeiten gibt.

Nach den Vortagesverlusten hat der Dax am Donnerstag einfach keinen klaren Trend gefunden. Am Vormittag kletterte der Leitindex zunächst um fast 1,0 Prozent, drehte dann ins Minus, und ging am Ende mit einem Aufschlag von 0,4 Prozent bei 9.248,51 Punkten aus dem Handel. Eine freundliche Eröffnung an der New Yorker Wall Street gab dem Leitindex im späten Handel Schub nach oben. Am Mittwoch hatte er 1,7 Prozent auf 9210,96 Punkte verloren. Der MDax gewann 0,4 Prozent auf 16.221,82 Zähler. Der TecDax rückte 0,1 Prozent vor auf 1.271,73 Stellen.

Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar sieht beim Dax mittlerweile keinen klaren Trend mehr. Zwar kauften die Anleger nach einem Rückschlag. Bei Kursanstiegen verlasse sie dann jedoch schnell wieder der Mut. Auch der US-Arbeitsmarktbericht für den Oktober lieferte unter dem Strich nur wenige Impulse. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel nur etwas höher aus als erwartet.

Auf Konjunkturseite bereitete die niedrige Teuerungsrate in Europa den Investoren weiter Kopfzerbrechen. Denn sie erhöht das Risiko, dass das Wachstum in der Eurozone auf Jahre stagniert. Die Inflation in Deutschland bleibt niedrig. Gebremst vom starken Rückgang der Ölpreise stiegen die Verbraucherpreise im Oktober auf Jahressicht erneut nur um 0,8 Prozent. Damit verharrt die Inflation den vierten Monat in Folge auf ihrem Jahrestief und dem niedrigsten Stand seit Februar 2010.

In Europa sieht es noch düsterer aus: Die Phase niedriger Inflation und schwachen Wachstums in der Euro-Zone wird Experten zufolge noch eine ganze Weile anhalten. Erst 2019 soll sich die Inflationsrate in der Eurozone mit 1,8 Prozent wieder der Zielmarke von knapp zwei Prozent nähern, wie aus der von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Umfrage unter professionellen Beobachtern ihrer Geldpolitik hervorgeht. 2016 soll die Rate mit 1,4 Prozent einen Tick niedriger ausfallen als noch im August erwartet.

Im laufenden und im nächsten Jahr wird das Inflationsziel wohl noch deutlicher verfehlt: Die Beobachter rechnen für 2014 mit einem Wert von 0,5 (bisher 0,7) Prozent. Nächstes Jahr werden 1,0 (1,2) Prozent erwartet. Die Experten senkten auch ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt. Es soll in diesem Jahr nur um 0,8 (bisher 1,0) wachsen, 2015 um 1,2 (1,5) und 2016 um 1,5 (1,7).

Merck und K+S überzeugen im Bilanzregen

Der Bilanzreigen erreichte an diesem Donnerstag einen neuen Höhepunkt. Die Zahlen vieler Unternehmen sind durchwachsen ausgefallen. Die Aktien von K+S legten 1,6 Prozent zu. Angesichts steigender Kali-Preise hat der Düngemittelhersteller seine Prognose für das laufende Jahr angehoben und will auch die Dividende erhöhen. Das dritte Quartal habe sich durch ein starkes Kali- und Salzgeschäft ausgezeichnet, urteilte DZ-Bank-Analyst Heinz Müller in einem Kommentar. Nach dem Einbruch 2013 zogen die Preise für Kali-Düngemittel wieder schneller als erwartet an, weshalb der Konzern seine Gesamtjahresprognose anhob. "Viele hatten mit guten Zahlen und einer höheren Prognose gerechnet - aber beides fiel noch besser als erwartet aus", sagte ein Händler.

Auch der Pharma-Spezialchemiekonzern Merck schraubte seine Jahresumsatzziele nach oben. Die Aktien kletterten 4,4 Prozent. Einige Anleger hätten die Prognoseerhöhung bereits erwartet, sagte ein Händler. Unterm Strich sehe die Bilanz zudem nicht so besonders aus. Der Konzerngewinn brach im dritten Quartal um 27 Prozent auf 249 Millionen Euro ein. Merck machte hierfür unter anderem Steuerlasten verantwortlich, die im Zuge der geplanten Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich angefallen seien.

Eine Kaufempfehlung half der Bayer-Aktie auf die Sprünge. Die Papiere stiegen um 1,0 Prozent. Die Analysten von Kepler Cheuvreux hatten die Titel auf "buy" von "hold" gestuft und das Kursziel auf 130 von 109 Euro erhöht. Die Ende Oktober vorgelegten Quartalszahlen hätten die Markterwartungen um sieben Prozent übertroffen, schrieben die Experten. In der europäischen Pharmabranche biete Bayer eine der attraktivsten Wachstumsstorys. Bayer hatte am 30. Oktober ein Gewinnplus und die Erhöhung seiner Jahresziele mitgeteilt.

RWE kämpft wie erwartet weiter gegen den Gewinnschwund, obwohl Händler die Zahlen als "ganz ordentlich" bezeichneten. Die Aktien brachen um 2,1 Prozent ein und waren Schlusslicht im Dax. Schon am Vortag hatten sie mehr als drei Prozent verloren. Im TecDax stachen nach der Vorlage von Zahlen die Aktien des Spezialmaschinenbauers Manz hervor. Die Titel notierten mit einem Aufschlag von 7,3 Prozent. Nordex–Aktien legten um 0,8 Prozent zu. Der Windturbinenbauer hatte nach einem Gewinnsprung seine Jahresziele angehoben.

Quelle: n-tv.de

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