Wirtschaft
"Sandy" bewegt sich auf die US-Ostküste zu.
"Sandy" bewegt sich auf die US-Ostküste zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Kurssturz an Athener Börse: Der Dax und der Hurrikan

Nach leichten Verlusten zum Handelsstart baut der deutsche Aktienmarkt bis zum Mittag seine Verluste aus. Während die New Yorker Börse wegen des heraziehenden Hurrikan "Sandy" vorerst geschlossen bleibt, blicken die Anleger wieder stärker in Richtung Euro-Schuldenkrise. Ein erneuter Schuldenschnitt Griechenlands wird diskutiert. Die Folgen sind an den einbrechenden Kursen der Athener Börse abzulesen.

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Mit einem umsatzschwachen Tag und leichten Verlusten startet der deutsche Aktienmarkt in die neue Handelswoche. Das Minus blieb aber gering, nachdem gute Daten zu den US-Verbraucherausgaben es am Nachmittag hatten abschmelzen lassen. Im September waren die Ausgaben um 0,8 Prozent gestiegen und damit etwas stärker als um die erwarteten 0,6 Prozent. "Das ist ein guter Quartalsschluss", meinten die Analysten.

Beim Dax, der ein Tagestief von 7172 Punkten markierte, schloss am Ende bei 7203 Punkten und damit noch 0,4 Prozent im Minus. Der MDax ging 0,1 Prozent schwächer aus dem Handel bei 11.408 Zählern. Mit einem Minus von 0,2 Prozent und 800 Stellen verabschiedete sich der TecDax in den Feierabend.

"Sandy" sorgt für Probleme

An den US-Aktienmärkten wurde zum Wochenauftakt wegen des Hurrikans "Sandy" nicht gehandelt. Auch am Dienstag könnte der Handel noch ruhen, laut "Wall Street Journal" will die New York Stock Exchange am Mittwoch wieder öffnen, sofern die Wetterlage es zulässt." Die Flucht in Sicherheit hat am Montag die Notierungen der US-Anleihen im verkürzten Handel nach oben gebracht. Am Dienstag fällt der Anleihenhandel ganz aus.

Für zahlreiche Bundesstaaten entlang der US-Ostküste galt bereits der Notstand, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Betroffen waren die Staaten Columbia, Maryland, Massachusetts und New York. Hunderttausende von Bewohnern wurden beispielsweise aus dem "Big Apple" evakuiert, fast 8000 Flüge wurden gestrichen, Schulen blieben geschlossen, das öffentliche Nahverkehrssystem lag still und der Aktien- und Optionsscheinhandel in den USA wurde komplett ausgesetzt. Frühestens am späten Abend sollte der Wirbelsturm die Küste erreichen.

Wegen der unvorhersehbaren Situation sieht Munich Re Vorhersagen über die Höhe eventueller Schäden durch "Sandy" als pure Spekulation. Der Wirbelsturm sei zwar sehr groß, werde über Land auf eine Kaltfront stoßen und könnte mit einer höheren Flut zusammenkommen, erklärte ein Sprecher. Andererseits sei der Sturm mit der Kategorie eins relativ schwach und längst nicht so stark wie viele Hurrikane im Golf von Mexiko. Der Schaden des Sturms werde auch davon abhängen, zu welcher Stunde er an Land treffe. "Deshalb ist eine Vorhersage, wie groß die Schäden ausfallen könnten, nicht möglich", sagte der Munich-Re-Sprecher.

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Die Papiere der Munich Re fielen dennoch 2,1 Prozent. Die Allianz büßten 0,9 Prozent ein. Fraport und Lufthansa gaben 1 beziehhungsweise 0,6 Prozent ab. Hannover Rück verbilligten sich im MDax 2,7 Prozent.

Athens nächster Schuldenschnitt

Laut Investmentanalyst Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg hielt aber auch die erneute Diskussion über einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland die Euro-Schuldenkrise am köcheln. Der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte laut "Spiegel" einen Troika favorisiert Schuldenerlass . Überraschend kämen die Forderungen nicht, sagte ein Händler. Bislang sperrt sich Deutschland gegen einen Schuldenschnitt, denn dann müsste Berlin eingestehen, dass die an Griechenland vergebenen Kredite zumindest teilweise abgeschrieben werden müssen.

Vor allem öffentliche Gläubiger sollen diesmal auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichten, berichtete das Magazin. Damit würde die Euro-Rettung die Steuerzahler zum ersten Mal richtig Geld kosten, hieß es. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reagierte umgehend und bekräftigte seine Ablehnung eines Schuldenerlasses der Euroländer für Griechenland. Den öffentlichen Gläubigern Athens wie etwa den Euro-Staaten seien die Hände gebunden, da das Haushaltsrecht dies verbiete, sagte Schäuble im Deutschlandfunk.

An der Börse von Athen brachen die Kurse fast 6 Prozent ein. Vor allem die Aktien von Banken stürzten ab, nachdem das griechische Finanzministerium mitgeteilt hatte, dass die Veröffentlichung der Bankbilanzen für das zweite Quartal auf den 30. November verschoben worden seien. Grund für diese Verschiebung seien die andauernden Verhandlungen über die notwendige Kapitalausstattung der griechischen Banken, hieß es.

Berichtssaison geht weiter

In Deutschland setzte sich die Berichtssaison zum Wochenauftakt fort. Audi bestätigte etwa seine Prognose. Die Titel der Mutter Volkswagen schlossen unverändert.

Linde lagen an der Spitze der Dax-Gewinner. Die Papiere verteuerten sich um 2,4 Prozent. Hintergrund war der positiv aufgenommene Quartalsbericht des Industriegasekonzerns.

Adidas zogen ebenfalls gegen den Trend an. Der Markt setzte auf einen Trendwechsel bei Reebok, nachdem der Marketing-Chef der US-Tochter von guten Auftragseingängen für 2013 gesprochen hat. "Wir rechnen für 2013 bereits wieder mit spürbarem Wachstum", sagteMatt O´Toole der Wirtschaftswoche. "Damit kann die EBIT-Marge im Gesamtkonzern weiter steigen", meinte ein Analyst. Der Kurs kletterte 1,6 Prozent.

ThyssenKrupp fanden sich dagegen mit deutlichen Abschlägen auf der Verliererseite wieder. Die Aktien fielen um 3,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Wochen. Händler führten dies auf einen Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" zurück. Demnach ist der Industriekonzern unzufrieden mit den bisherigen Geboten für seine defizitären Stahlwerke in den USA und Brasilien. Das Unternehmen soll die Interessenten daher aufgefordert haben, ihre Offerten erneut einzureichen. "Die Preisvorstellungen von ThyssenKrupp erscheinen unrealistisch", sagte ein Händler. "Wenn der Konzern aber daran festhält, wird es zu keinem Deal kommen, was die Aktie ordentlich in Mitleidenschaft ziehen dürfte."

KlöCo sowie Salzgitter gaben im MDax ebenfalls nach und verloren 2,2 und 0,4 Prozent.

Hoch und runter

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Der kräftige Gehaltsabschlag für die Praktiker -Mitarbeiter schob die Aktien der Baumarktkette nach oben. Die Papiere setzten sich mit einem Plus von 3,4 Prozent an die SDax-Spitze. Als Gegenleistung für eine weitestgehende Beschäftigungssicherheit verzichten die Mitarbeiter für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes, wie der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Rüdiger Wolff, am Wochenende mitteilte. Nach Worten eines Händlers ist alles, was dem angeschlagenen Unternehmen hilft, gut für die Aktien.

Gildemeister setzten im MDax dagegen ihre Talfahrt fort. Die Papiere des Werkzeugmaschinen-Bauers rutschten um 3,5 Prozent ab. Trotz voller Oderbücher und der Aussicht auf einen Rekordgewinn geht es für Gildemeister seit Vorlage der Quartalsergebnisse am vergangenen Donnerstag abwärts. Das Minus der vergangenen Handelstage summierte sich auf knapp 6 Prozent. Händler begründeten die Talfahrt unter anderem mit Gewinnmitnahmen. Die Aktie liegt immer noch mehr als 40 Prozent über dem Niveau vom Jahreswechsel.

Quelle: n-tv.de

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