Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Konjunkturdaten stärken Dollar: Euro erholt sich vom Zwei-Jahres-Tief

Der Abwärtstrend bei Europas Gemeinschaftswährung hält an: Erst sinkt der Euro erneut unter die 1,28er-Marke. Dann gerät sogar die 1,27er Hürde ins Visier. Experten halten die nur für eine weitere Zwischenstation auf dem Weg nach unten.

Der Euro hat seine Talfahrt beschleunigt. Erstmals seit zwei Jahren rauscht die Gemeinschaftswährung unter 1,27 Dollar. Erst bei 1,2697 wechselt sie wieder die Richtung. Am frühen Abend erholte sie sich auf 1,2744 Dollar.

Damit setzt sich insgesamt der Trend der vergangenen Monate fort. Vom Jahreshoch im Mai hat der Euro nun bereits gut neun Prozent abgegeben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2712 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7863 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,78040 britische Pfund, 138,88 japanische Yen und 1,2076 Schweizer Franken fest.

Die Gründe für die Euro-Schwäche sind vielfältig. Den jüngsten Kursrutsch erklären Analysten und Händler mit den schwachen Konjunkturindikatoren aus der Eurozone und Deutschland. "Die Konjunktursorgen in der Eurozone sind mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex nicht kleiner geworden", heißt es etwa bei der Helaba. Der Druck auf die EZB, die Geldpolitik weiter zu lockern, bleibe hoch.

Draghi beteuert

Hinzu kommen Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi, dass die Notenbank bereit für weitere unkonventionelle Maßnahmen sei, um der gefährlich niedrigen Inflation im Euroraum entgegenzuwirken.

Allerdings betonen Händler, dass es sich weniger um eine Euro-Schwäche, sondern eine Dollar-Stärke handelt. Die US-Währung hat in den vergangenen Wochen im Verhältnis zu allen wichtigen Weltwährungen kräftig zugelegt. Im Vergleich zum japanischen Yen stieg der Dollar am Donnerstag in die Nähe seines Sechsjahreshochs.

Erst am Vortag hatten unerwartet gute Daten vom US-Immobilienmarkt erneut die relative Stärke der amerikanischen Wirtschaft gezeigt. Die positive Konjunkturdaten nähren Spekulationen, dass die Notenbank Fed bald über höhere Zinsen nachdenken wird - in einer Zeit, in der die EZB ihre Geldpolitik mit neuen Maßnahmen weiter lockert.

Barclays prognostiziert 1,17 Dollar

Viele Analysten sehen den Devisenmarkt am Beginn einer Trendwende: "Wir sehen den Euro vor einem mehrjährigen Abschwung, da die Stimuli ausschließlich von der Geldpolitik kommen werden", glauben die Währungsexperten von Barclays - und raten zu Verkäufen. Auch im zweiten Halbjahr sei kaum mit einer Wirtschaftsbelebung zu rechnen.

Die Erwartungen verfestigten sich, dass die EZB sich letztlich in ein groß dimensioniertes Anleihekaufprogramm - bekannt als Quantitative Easing - flüchten müsse, um die Inflation anzuheizen, schreiben sie. Das könnte den Euro in den nächsten sechs Monaten auf 1,17 Dollar drücken. Die Zentralbank hat bereits angekündigt, bestimmte Wertpapiere zu kaufen. Eine Ausweitung des Programms auf Staatsanleihen gilt allgemein als der nächste große Schritt.

Verloren hat der Euro allerdings bisher überwiegend gegen den Dollar. Das liege daran, dass eine Reihe anderer Zentralbanken - unter anderem die in Schweden, Norwegen und der Schweiz - erklärt haben, dass sie einer zu starken Aufwertung ihrer Währungen entgegenwirken würden, sagt Esther Reichelt, Devisenstrategin bei der Commerzbank. "Die Fed wird das nicht bremsen. Im Moment spielt die Fed damit eine Sonderrolle innerhalb des G10-Universums - weshalb der Dollar auf breiter Basis aufwertet", sagt Reichelt.

"Der Dollar steigt und steigt und steigt", sagt Kit Juckes, Konjunkturstratege bei der Societe Generale. "Der Devisenmarkt steckt voller Leute, die den Dollar bei kleinen Schwächeanfällen kaufen wollen." Die Stimmung sei extrem dollar-bullish und die Preisbildung erwecke nicht den Eindruck, dass bereits alle im Dollar positioniert seien. Daher gebe es noch viel Raum nach oben.

Grundsätzlich kommt ein schwächerer Euro vor allem Europas exportorientierten Unternehmen zugute. Denn Verkäufe in den Dollar-Raum werden billiger. So könnte die praktisch am Boden liegende Konjunktur angekurbelt werden. Allerdings geben Experten auch zu bedenken, dass ein so entstehendes Wachstum überfällige Reformen verschieben wenn nicht sogar verhindern könne.

Quelle: n-tv.de

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