Wirtschaft
Andeutungen und Überlegungen: Der Euro lässt sich derzeit leicht bewegen.
Andeutungen und Überlegungen: Der Euro lässt sich derzeit leicht bewegen.(Foto: REUTERS)

Experten sehen die 1,30er Marke: Euro wird durch Marktraunen nervös

Die europäische Gemeinschaftswährung lässt sich von Überlegungen einer Lockerung der EZB-Geldpolitik bewegen. Daten zum Geldmengenwachstum befeuern die Spekulationen. Technische Gründe bringen den Euro sogar in die Nähe von 1,37.

Der Euro lässt weiter Luft zwischen sich und der 1,38er Marke. "Die Lockerungsspekulationen sind wieder da", erklärte ein Börsianer. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte in dieser Woche massive Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Zugleich hatte EZB-Chef Mario Draghi erklärt, die Währungshüter seien zum Handeln bereit, sollte die Inflation weiter fallen. "Es sieht so aus, als bereite die Preisentwicklung der EZB mehr Sorgen als der Markt bisher angenommen hatte", sagte ein Händler. Am Nachmittag kostet die Gemeinschaftswährung 1,3760 Dollar.

Am Nachmittag fiel die Einheitswährung dann auf ein neues Tagestief bei 1,3728 Dollar. Ein Händler macht vor allem charttechnische Gründe aus. Mit dem Fall unter die Unterstützung von 1,3740 Dollar seien einige Stopps gerissen worden. Die nächste Unterstützung liegt bei 1,3690 Dollar. Der Euro erholt sich etwas und notiert aktuell bei 1,3734 Dollar.

Die EZB hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,3758 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7269 Euro. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,82770 britische Pfund, 140,75 japanische Yen und 1,2187 Schweizer Franken fest.

Durch Wertpapierkäufe im großen Stil könnte die EZB Experten zufolge die Geldmenge aufblähen und damit die Wirtschaft und die Teuerung ankurbeln. Kommenden Montag werden die Daten zur Inflation in der Euro-Zone veröffentlicht. Analysten erwarten, dass sie im März mit 0,7 Prozent deutlich unter dem von der EZB erwarteten Niveau lag. Am kommenden Donnerstag tagt dann der EZB-Rat.

Geldmengenwachstum weiter gering

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Auf eine unverändert schwache Inflation deutet auch das weiter sehr geringe Geldmengenwachstum im Euroraum. Vor allem die Kreditvergabe an die Unternehmen blieb im Februar sehr schwach. "Es dauert bis zu einem Jahr, bis sich Änderungen bei M3 auf die Inflation auswirken", erklärte BNP-Paribas-Ökonom Colin Bermingham. "Das bedeutet, dass die anhaltende Schwäche beim Geldmengenwachstum für einige Zeit ein dämpfender Faktor für die Inflation bleiben wird."

Die Daten zeigten zudem, "dass sich die Firmenkreditentwicklung im Euroraum auch im Februar nicht erholt hat", urteilte Analyst Johannes Mayr von der BayernLB. "Damit bleibt der Druck auf die EZB hoch, sich stärker zur Anregung der Kreditvergabe zu engagieren."

Der Währungsblock aus 18 Staaten überwindet langsam die längste Rezession seiner Geschichte. Zu Jahresende 2013 legte die Wirtschaft um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu. Doch Experten mahnen, dass ein nachhaltiger Aufschwung nur möglich ist, wenn sich die Kreditvergabe erholt.

Die Scotiabank sieht eine Reihe fundamental belastender Faktoren auf den Euro zukommen. Die 50-Tage-Linie bei 1,3717 Dollar dürfte eine erste Unterstützung darstellen, die aber mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise und der Ratssitzung durchbrochen werden könnte. Die Bank sieht den Euro zum Ende des Jahres nach wie vor Richtung 1,30 Dollar fallen.

US-Zinswende in Sicht?

Zugleich scheint in den USA eine Zinswende nicht mehr weit zu sein, wovon der Dollar bislang kaum profitieren konnte. Es sei erstaunlich, wie wenig der Markt insgesamt darauf reagiere, dass in den USA immer öfter über Zinserhöhungen diskutiert wird, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowittz. "In Bezug auf die EZB dominieren hingegen Diskussionen über weitere Maßnahmen zur Bekämpfung möglicher deflationärer Gefahren", fügte Karpowittz hinzu. Die jeweilige Stoßrichtung der Diskussion spreche definitiv für niedrigere Euro-Kurse.

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Derweil lassen starke Einzehandelsdaten aus Großbritannien das Pfund klar aufwerten. Der Euro kann dadurch wichtige Unterstützungsmarken nicht halten und fällt unter den 55-Tages-Schnitt von 0,8281 Pfund sowie die Fibonacci-Linie von 0,8279 Pfund. Sollte der Euro zum Handelsschluss immer noch unter der letztgenannten Marke stehen, sieht Commerzbank-Analystin Karen Jones jedweden Aufwertungdruck auf den Euro gemindert.

Die Branchenerlöse waren im März um 1,7 Prozent gestiegen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. "Die starke Erholung der Konjunktur auf der Insel macht eine Zinserhöhung der Bank of England noch vor der US-Notenbank wahrscheinlicher, woraus weiteres Aufwärtspotenzial für das Pfund resultiert", sagte Niall Delventhal, Analyst bei Daily FX. An den Geldmärkten wird  eine Zinserhöhung für das erste Quartal 2015 erwartet.

Keine Überreaktion bei Krone

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Keine Überreaktion des Marktes sieht die Royal Bank of Canada (RBC) in der heftigen Abwertung des Euro zur Norwegischen Krone. Die nach oben angepasste Ausblick der norwegischen Notenbank hat den Wechselkurs von 8,35 Kronen auf vorübergehend 8,2647 Kronen je Euro einbrechen lassen. Derzeit werden am Devisenmarkt für einen Euro 8,2682 Kronen gezahlt und damit nur unwesentlich mehr als das Tagestief.

Für das vierte Quartal 2014 sieht die norwegische Notenbank Marktbeobachtern zufolge den Leitzins nun bei 1,51 Prozent statt bei 1,50 Prozent, den Anstieg der Verbraucherpreise prognostiziert sie mit 2,25 Prozent statt zuvor 2 Prozent.

Austral-Dollar auf Jahreshoch

Weiter aufwärts ging es im Devisenhandel mit dem Austral-Dollar. Er ist mit 0,9239 US-Dollar so teuer wie zuletzt im November 2013. Getrieben wird er weiter von den Aussagen des Notenbankgouverneurs Glenn Stevens, wonach die Konjunktur des Landes immer stärker von der Inlandsnachfrage getragen wird und nicht nur vom Rohstoffsektor.

Für die Commerzbank sind Shortpositionen im Euro zum Australischen Dollar weiter sinnvoll. Der Knoten sei endlich geplatzt, kommentieren die Währungsstrategen das Fallen der Unterstützungsmarke von 1,50 Australischen Dollar je Euro. Sollten die australischen Inflationserwartungen, die am Montag veröffentlicht würden, weiter anziehen, werde der Euro weiter an Boden verlieren.

Zudem sprächen fundamentale Faktoren für den Aussie, was auch Notenbankchef Glenn Stevens anerkennen müsse - diese beschränke die Möglichkeit von verbalen Interventionen. Insofern habe der Australische Dollar noch Nachholbedarf. Zurzeit notiert der Euro mit 1,4889 Australischen Dollar.

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Quelle: n-tv.de

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