Wirtschaft
EZB-Präsident Mario Draghi: Seinen Worten werden die Marktteilnehmer ganz genau lauschen.
EZB-Präsident Mario Draghi: Seinen Worten werden die Marktteilnehmer ganz genau lauschen.(Foto: REUTERS)

Dax-Vorschau: Endstation Sehnsucht: Die EZB entscheidet über Wohl und Wehe

Am Dienstag kommen frische Inflationsdaten, am Donnerstag tagt dann der EZB-Rat. Geht es nach den Anlegern, senken die Währungshüter nicht nur den Leitzins. Aber genau das ist auch das Problem - Stichwort: eingepreiste Erwartungen.

Der deutsche Börsen-Leitindex Dax kann den Sprung über die 10.000-Punkte-Marke schaffen. Dieses Mantra klingelt seit mehr als einer Woche in den Ohren der Anleger am deutschen Aktienmarkt. Allein, bisher ist der Coup nicht gelungen, trotz neuer Rekordstände - zuletzt zum Abschluss der zurückliegenden Handelswoche am Freitag.

Nun heißt es: Neue Woche, neues Glück. Mit Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte dem Dax endlich der erwartete Satz über die psychologisch wichtige Marke gelingen. Denn zum Rekordstand von 10.000 Punkten fehlt nur noch das letzte Quäntchen, und erneute Zinssenkungen sind zum Greifen nah. Sollte EZB-Präsident Mario Draghi bei der Ratssitzung am Donnerstag allerdings nicht wie von Börsianern erwartet liefern, drohen dem Aktienmarkt Experten zufolge Rückschläge.

Deflation und starker Euro

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"Die EZB wird in ihren gut gefüllten Instrumentenkasten greifen müssen, um den hohen Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich einer weiteren geldpolitischen Lockerung gerecht zu werden", meint Stefan Scheurer von Allianz Global Investors. Die Notenbanker wollen gegen eine drohende Deflation und den stärkeren Euro vorgehen. Die Teuerung liegt mit 0,7 Prozent nach dem Geschmack der Währungshüter immer noch nahe an einer gefährlichen Abwärtsspirale von Preisen, Löhnen und Investitionen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr, wird neben einer Senkung des Leitzinses von 0,25 Prozent erstmals ein Strafzins für Geld der Banken erwogen, das bei der EZB geparkt ist. Die Banken sollen dazu gebracht werden, ihre überschüssigen Mittel nicht mehr zu horten, sondern in die Kreditvergabe zu stecken.

Für breit angelegte Anleihenkäufe (Quantitative Easing) gebe es im Juni im EZB-Rat hingegen wohl noch keine Mehrheit, sagt Commerzbank-Analyst Michael Schubert. "Gleichzeitig dürfte der EZB klar sein, dass die Wirkung jeder im Juni getroffenen Maßnahme umso größer ausfallen wird, je erfolgreicher die Notenbank die Fantasie auf weitere Schritte aufrechterhält."

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Ausschlaggebend für die Wahl der Mittel sollen die Prognosen der hauseigenen Ökonomen zu Teuerung, Wachstum und Beschäftigung sein - diese wird Draghi am Donnerstag vorstellen. Am Dienstag stehen die Inflationsdaten für Mai an: Hier erwartet die Mehrzahl der Volkswirte eine unveränderte Teuerungsrate von 0,7 Prozent.

Wochenplus, aber nicht die Marke

In der abgelaufenen Woche legten die Aktienmärkte weiter zu und erreichten Bestmarken. In Frankfurt kletterte der Dax am Freitag zum vierten Mal innerhalb von fünf Handelstagen auf ein Rekordhoch, verfehlte aber die Marke von 10.000 Zählern. Der Index verabschiedete sich mit 9943,27 Punkten ins Wochenende, nachdem er bis auf 9970,77 Stellen gestiegen war. Auf Wochensicht gewann der Dax 1,8 Prozent.

Auch die US-Aktienmärkte verabschiedeten sich mit Gewinnen aus der Handelswoche. Der S&P-500 kletterte im Handelsverlauf auf ein Rekordhoch von 1924,03 Zählern und ging mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 1923 Punkte aus dem Handel. Der Dow Jones schloss 0,1 Prozent fester bei 16.717 Stellen und blieb damit in Reichweite seines Rekordhochs von 16.735,51 Punkten. Der Nasdaq notierte dagegen 0,1 Prozent schwächer bei 4242 Zählern. Im Wochenrückblick legte der Dow Jones 0,7 Prozent zu, der S&P gewann 1,2 Prozent, und der Nasdaq 1,4 Prozent.

"Buy the rumor, sell the fact?"

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"Es bedarf nur eines kleinen Kaufauftrages, um den Dax über die 10.000er Marke zu schieben. Und ich gehe davon aus, dass das auch noch vor der EZB-Sitzung passieren wird", sagt Jens Klatt von DailyFX. Mit der EZB dürfte es dann wieder nach unten gehen, weil die Anleger vermutlich von dem Maßnahmenpaket enttäuscht sein würden. "Denn letztlich ist alles, was die EZB machen wird, wohl schon eingepreist."

Der Markt könne deshalb nach dem Muster "Buy the rumor, sell the fact" verfahren, sagt auch Allianz-Experte Scheurer. Die zuletzt beobachtete Sorglosigkeit unter den Börsianern könnte schwinden und die Kurssprünge wieder zunehmen.

Auch nach Meinung von Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp könnten nach der EZB-Sitzung bei den Anlegern Risiken wie das schwächere Wirtschaftswachstum in Russland und China und die fallenden Gewinnerwartungen für Dax-Unternehmen wieder in den Vordergrund rücken. "Daher sollten Investoren in den kommenden Wochen teilweise Gewinne mitnehmen."

Auch Blicke in die USA

In der neuen Woche wird es auch bei den US-Konjunkturdaten interessant: Der ISM-Index und der Arbeitsmarktbericht bilden den Auftakt für die Mai-Indikatoren in den USA. Die meisten Experten rechnen mit einer Fortsetzung des Aufwärtstrends. Am Freitag steht der Arbeitsmarktbericht für die weltgrößte Volkswirtschaft an. Experten erwarten 215.000 neu geschaffene Stellen nach 288.000 im Vormonat.

Von Deutsche Bank bis Siemens

Bei den Unternehmen erwarten Investoren Mitte der Woche die Details zur milliardenschweren Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Spannend bleibt es im Übernahmepoker um den französische Industriekonzern Alstom, um die Siemens und General Electric buhlen. Bis zum 16. Juni will Siemens ein detailliertes Angebot vorlegen.

Am Mittwoch entscheidet der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse über die Zusammensetzung der Indizes. Es werden keine großen Veränderungen erwartet.sky

 

Quelle: n-tv.de

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