Wirtschaft
Devisenhändler in Tokio: Auf der Anzeigetafel der Wechselkurs von Yen zum Dollar.
Devisenhändler in Tokio: Auf der Anzeigetafel der Wechselkurs von Yen zum Dollar.(Foto: REUTERS)

Euro stabil: Dollar zum Yen auf Höhenflug

Der Dollar ist wieder da: Die US-Währung steigt zum japanischen Yen auf den höchsten Stand seit Mitte Juli 2011 und kostet wieder über 80 Yen. Der Kurs des Euro fällt wegen schwacher Konjunkturdaten aus der Eurozone leicht.

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Die US-Währung - lange Prügelknabe der auf Japan setzenden Anleger - hat am Mittwoch die 80-Yen-Marke zurückerobert. Mit 80,35 Yen je Dollar notierte die US-Währung so hoch wie zuletzt im Sommer vorigen Jahres. "Dass der Dollar die Marke genommen hat, löste neue Käufe aus", sagte ein Händler.

Hauptgrund für die Dollar-Erholung ist die überraschende weitere Lockerung der japanischen Geldpolitik vorige Woche. "Der Yen gilt ohnehin als überbewertet, und dann kamen auch noch schlechte Handelsbilanzdaten", fasste Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann zusammen. Das haben den Yen als sicheren Hafen unattraktiver gemacht.

Japan hatte zum Wochenanfang ein für Januar ausgewiesen. Neben den stark gestiegenen Einfuhren wegen des Energie-Engpasses angesichts der Stilllegung zahlreicher japanischer Atomkraftwerke im Sog der Fukushima-Katastrophe leiden Japans Exporteure auch unter dem seit langem sehr starken Yen.

Zudem hatte die Ratingagentur Standard & Poor's eine Herabstufung der Bonität Japans für den Fall eines geringeren Wachstums oder höherer Verschuldung angekündigt. Japan hat gemessen am Bruttoinlandsprodukt die größte Schuldenlast unter den Industrienationen. Auch deswegen stößt bei Analysten die Flucht vieler Anleger in den Yen als sicherer Hafen schon lange auf Unverständnis. Japan war im vorigen Jahr mit Interventionen der Aufwertung des Yen begegnet.

Deutschland tankt frisches Geld

Der Euro profitierte von den Zweifeln am Yen und kletterte auf 106,33 Yen von 105,51 Yen am Vorabend, womit er das Niveau von Mitte November wieder erreicht hat. Zum Dollar notierte der Euro wegen schwacher Konjunkturdaten aus der Eurozone mit 1,3218 Dollar leicht unter dem Vortagesniveau. Im Vormittagshandel war der Euro noch bis auf 1,3264 US-Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3230 (Dienstag: 1,3222) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7559 (0,7563) Euro.

"Die enttäuschend ausgefallenen Konjunkturdaten aus der Eurozone haben den Euro belastet", sagte Antje Praefcke, Devisenexpertin von der Commerzbank. So ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Eurozone im Februar wieder unter die Marke von 50 Punkte gesunken. Er signalisiert damit einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität.

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands durch die Ratingagentur Fitch perlte am Euro ab. Fitch stufte Griechenland auf "C" von "CCC" herab - danach kommt nur noch der Ausfall. Weitere Herabstufungen seien programmiert, erklärte Leuchtmann. "Dann werden die Euro-Optimisten auf eine harte Probe gestellt."

Nach dem in der Nacht zum Dienstag vereinbarten zweiten Hilfsprogramm für Griechenland sollen bis 2014 Kredite über 130 Mrd. Euro fließen. Zentrales Element ist ein freiwilliger Anleihentausch, bei dem die privaten Gläubiger auf 53,5 Prozent des Nominalwertes ihrer Anleihen verzichten. Wie viele Anleger auf Angebot, das bis zum 11. März, eingehen, ist offen. Sollten nicht alle mitmachen wollen, will die Athener Regierung das erzwingen. Dies würde dann aber von den Ratingagenturen als Kreditausfall gewertet. 

Griechenland nur vorerst gerettet

"Man hat den Eindruck, als wäre das Deal von gestern noch nicht das Ende der Geschichte", erklärte ein Händler. Daher suchten viele Anleger auch wieder die Sicherheit deutsche Bundesanleihen. Dies trieb der Kurs des Bund-Future um 31 Ticks auf 138,77 Punkte hoch. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen deutschen Bundesanleihe rutschte auf 1,95 von 1,96 Prozent am Vortag. Im Gegenzug zogen die Renditen der entsprechenden italienischen Anleihen wieder auf 5,49 von 5,44 Prozent an. Die spanischen und portugiesischen Anleihen notierten kaum verändert.

Der Bund nahm über zweijährige Bundesschatzanweisungen insgesamt 4,3 Mrd. Euro ein. Die Nachfrage für die Papiere wurde von Analysten als solide beschrieben, obwohl sie nicht ganz so hoch wie zuletzt im Januar war. Auch dies zeige, dass die Anleger die Sicherheit der deutschen Papiere zu honorieren wisse.

Quelle: n-tv.de

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