Wirtschaft
Der Kanada-Dollar (Loonie) als Alternative zum US-Dollar?
Der Kanada-Dollar (Loonie) als Alternative zum US-Dollar?

"Loonie" Alternative zum Greenback?: Dollarschwäche wirft Fragen auf

Die Einsicht, dass der Kompromiss im US-Haushaltsstreit nur eine vorrübergehende Lösung sein kann, hält die US-Währung weiter im Schwitzkasten. Hat der Dollar als Weltleitwährung ausgedient? Devisenexperten haben Alternativen gesucht und sind in Kanada fündig geworden.

Spekulationen auf eine vorerst anhaltende ultralockere US-Geldpolitik machen dem Dollar zu schaffen. Der Euro notierte zu Wochenschluss in Reichweite seines am Vortag erreichten Acht-Monats-Hochs von 1,3684 Dollar. Die vorherrschende Meinung ist, dass das wochenlange Ringen um den US-Haushalt Spuren in der Wirtschaft hinterlassen hat und die US-Notenbank Fed ihre milliardenschweren Anleihenkäufe vor diesem Hintergrund wohl erst einmal beibehält.

"Die Märkte werden von der Erwartung getrieben, dass die Fed die Konjunktur weiter  stützen wird", sagte Sho Aoyama, Analyst bei Mizuho Securities. Die Ratingagentur Standard & Poor's erwartet, dass die US-Notenbank ihre bereits vor Monaten ins Auge gefasste Eindämmung der Geldflut bis mindestens Dezember hinausschiebt.

Dollar ist angezählt

Die kanadische 50-Dollar-Note.
Die kanadische 50-Dollar-Note.(Foto: REUTERS)

Toby Nangle, der beim Vermögensverwalter Threadneedle die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen in den Portfolios verantwortet, kritisierte das politische Gezänk in den Wochen vor der Einigung als "abstoßend". Es unterminiere die Stellung des Dollar als Weltleitwährung.

Die Vormachtstellung des US-Dollar wird nicht erst seit gestern in Frage gestellt. Seit 1930 hat er über 90 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Aber immer noch ist der Greenback als Weltleitwährung unangefochten. Das wird besonders daran deutlich, dass es sich wohl kein anderes Parlament in der Welt erlauben könnte, die Frage, ob es seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen soll oder nicht, zum tagespolitischen Streitpunkt zu machen. Analysten fragen offen, ob der politische Poker nciht eine implizite Aufforderung ist, das System umzugestalten.

Die Devisenmarktexperten der Commerzbank haben sich vor diesem Hintergrund auf die Suche nach Alternativen zur bisherigen Leitwährung begeben und sind dabei in Kanada fündig geworden: Sie sprechen sich offen für den Kanada-Dollar (Loonie) als Alternative zum US-Dollar aus.

"Durchgeknallte Haushalts- und Geldpolitik"

Die US-Dollarschwäche vom Vortag habe gezeigt, dass es mit einer Dollarrally nach dem "Krisenende" in den USA nichts werde. Stattdessen überwögen die negativen Argumente für den Greenback, hieß es. Es sei kein gutes Signal für die US-Devise, dass den taubenhaften Fundamentalisten im Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) nun neue Argumente für ihre ultra-expansive Geldpolitik geliefert worden seien.

Die gleichzeitig zu beobachtende Aktienrally zeige, dass sich alle Welt längst darauf eingestellt habe, "dass die Fed überreagieren wird und auf kleinste realwirtschaftliche Spatzen mit der QE-Kanone schießt", so CoBa-Experte Ulrich Leuchtmann weiter. In diesem Umfeld lohne sich ein Blick auf Alternativen zum US-Dollar. Am besten eigne sich dafür der Kanada-Dollar. Mit ihm bekomme man die Währung einer Volkswirtschaft, deren realwirtschaftliche Entwicklung hoch mit der der USA korreliere. Gleichzeitig vermeide man eine "durchgeknallte Haushalts- und Geldpolitik".

Da sich der US-Dollar knapp über der Unterstützung bei 1,0270-80 Kanada-Dollar befinde, könnten die anstehenden Verbraucherpreisdaten aus Kanada dem US-Dollar den letzten Tritt geben, um diese Unterstützung zu durchbrechen. Dann wäre Platz bis zu den Tiefs von September bei 1,0180. Aktuell kostet der Kanada-Dollar 1,0290 US-Dollar.

Senat und Repräsentantenhaus hatten in der Nacht zum Donnerstag einen Übergangshaushalt verabschiedet und die Schuldengrenze angehoben. Damit konnte gerade noch eine Zahlungsunfähigkeit der USA verhindert werden. Der Streit dürfte die USA nach ersten Schätzungen jedoch Milliarden gekostet haben. Standard & Poor's sprach von etwa 24 Milliarden Dollar. 

Quelle: n-tv.de

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